Geschichten über Etiketten: Maximin Grünhaus

Geschichten über Etiketten: Maximin Grünhaus

In den letzten Wochen haben wir Ihnen Geschichten rund um das Weinetikett erzählt und damit gezeigt, dass Etiketten häufig mehr sein können als nur die Visitenkarte des Weines. Sie können Botschaften vermitteln, sie können von Künstlern gestaltet einem Wein den letzten kulturellen Schliff verleihen – und sie können auch zu Opfern der Zensur geraten, wie die folgende Geschichte vom Weingut Maximin Grünhaus beweist.

FAMILIENWAPPEN MIT »KRITISCHEN STELLEN«

Seit über einem Jahrhundert ziert die Flaschen der Von Schubertschen Schlosskellerei in Grünhaus an der Ruwer ein historisches Etikett, etwas an den Jugendstil angelehnt, das bis heute kaum Veränderungen erfahren hat. Darin abgebildet ist in einem Medaillon auch das Familienwappen. An das Medaillon lehnen sich oder liegen zwei stilisierte Putten im barocken Stil, und wie im Barock üblich farblich wie Gott sie schuf und an den »kritischen Stellen« nur leicht bekleidet oder bedeckt. Zu Zeiten des Barock haben derartige Darstellungen kein größeres Aufsehen erregt.

Bei einer Verkostung Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts im Haus stand eine komplette Jahrgangskollektion der Von Schubertschen Schlosskellerei auf dem Probiertisch, präsentiert von Dr. von Schubert persönlich. Im Verlauf der Verkostung fiel indes auf, dass auf manchen der Etiketten diese Putten eine an die menschliche Haut erinnernde Rosé-Tönung aufwiesen, auf anderen Etiketten waren sie in grüner Farbe dargestellt. Auf Nachfrage ergab sich folgende Geschichte.

DAS LAND DER »UNBEGRENZTEN MÖGLICHKEITEN«

Über Jahrzehnte hinweg hatte die Schlosskellerei die Flaschen mit dem traditionellen Familienetikett, das waren jene mit den ursprünglich roséfarbenen Putten, nach Amerika exportiert – ohne weitere Beanstandung. Dann aber schlugen –man kann es nicht anders sagen – wieder einmal die amerikanischen Sittenwächter zu und brandmarkten die Original-Putten als pornografische Darstellung, was auf dem amerikanischen Markt in dieser Form nicht angeboten werden dürfe. Kurzerhand wurden die Putten auf den für den amerikanischen Markt bestimmten Flaschen grün eingefärbt. Form und Stil wurden nicht geändert, die Putten waren immer noch leicht bekleidet, aber durch die Einfärbung erfüllten sie nun nicht mehr den Tatbestand der Pornografie und durften unbeanstandet Zoll und Sittenwächter passieren. So geschehen im Land der »unbegrenzten Möglichkeiten«.

Bitte vergleichen Sie selbst und machen Sie sich ein Bild!

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