Welches Glas für welchen Wein - wie viele Gläser braucht der Mensch?

Welches Glas für welchen Wein -Wie viele Gläser braucht der Mensch?

Wenn es nicht gerade um Wein und Jahrgänge geht, wird nichts am Stammtisch der Weinfreunde engagierter oder gar heftiger diskutiert wie das »richtige« Weinglas. Welches Glas für welchen Wein? Gibt es No Go´s?

Überhaupt, wie sollte das richtige Glas beschaffen sein? Betrachtet man das Angebot an Weingläsern im Handel, verliert man sich im Glas-Dschungel. Und da geht es nicht nur um Fragen der (Glas-)Religion der verschiedenen Hersteller. Man kann über das »richtige« Glas hinaus, auch gleich das »richtige« Glas, besonders gut geeignet für ganz bestimmte Rebsorten, erwerben. Nun stelle man sich also einfach einmal vor, ein Weinfreund hätte nur ganz spezifische Vorlieben wie z. B. Riesling oder Bordeaux. Der käme billig weg, ein Satz Riesling-Gläser, ein Satz Bordeaux-Gläser – fertig!

Aber jetzt kommen wir mal zu jenen Weinfreunden, die sich gerne umfassend informieren und breit gestreut –äh natürlich gefüllt- genießen möchten. Da ruhen die edlen Flaschen im Keller und warten darauf, die Gaumen der Gäste jubilieren zu lassen. Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Riesling, wooded Chardonnay, Chianti, Barolo, Bordeaux, Shiraz oder Pinotage. Da gibt es Glashütten, die haben für jede dieser Sorten ein spezifisches Glas im Angebot, das die Charaktere der Sorten so richtig in Szene zu setzen verstehen. Leider aber muss man dann an sein Eigenheim auch einen Anbau zur Unterkunft der Gläser einplanen, denn, wenn man auch nur für den wichtigsten oder am heimischen Herd beliebtesten Rebsorten die entsprechenden Gläser einplant, kommt man lässig auf 60 bis 90 Gläser – und auch mehr. 

Nun ist es keine Frage, vergleichende Gläserproben haben tatsächlich ergeben, dass ein und derselbe Wein aus unterschiedlichen Gläsern auch unterschiedlich schmeckt. Das heißt nicht, dass man Herkunft und/oder Rebsorte nicht erkennen könnte, aber je nach Glasform und -art werden unterschiedliche Aspekte mal stärker, mal schwächer hervorgehoben. Da nun allerdings zu sagen, welches Glas denn nun die „absolute Wahrheit“ über die Rebsorte spricht, dazu muss man schon eine ganz reelle Vorstellung vom Aromen- und Geschmacksbild einer Rebsorte haben. Mal Hand aufs Herz. Wissen Sie wie der Sauvignon Blanc oder der Cabernet Sauvignon bitte zu schmecken hat? Es stellt sich also die Frage, muss man wirklich über eine Glasmenagerie verfügen, um seinen edlen Schätzchen im Keller gerecht zu werden? Eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Eine andere Frage wird uns aber tatsächlich immer wieder gerne gestellt. Wie soll das gute, oder gar das ideale Glas beschaffen sein? Darauf gibt es im Kern die folgenden Antworten:

  1. Es muss dünnwandig sein, denn ein dickes Glas lässt den Wein nicht zu seiner Entfaltung kommen, und vor allen Dingen ist der Ansatz an den Lippen und somit der Fluss auf den Gaumen negativ.
  2. Es muss kelchförmig sein, damit die Aromen gebündelt werden, und damit das Glas eben zur besseren Wahrnehmung der Aromen auch geschwenkt werden kann, ohne dass man sofort seiner Reinigung zu Überstunden verhilft.
  3. Das Weißweinglas ist kleiner, damit man sich dem kühlen Nass besser nähern kann, um das Duftspiel aufzunehmen, das Rotweinglas ist größer, denn der in der Regel wärmere Rotwein gibt eher seine Geheimnisse preis, damit aber auch den sich verflüchtenden Alkohol.
  4. Auch eine gute Handhabung, sprich Balance, sollten die Wunschgläser mitbringen.

Und wenn man das berücksichtigt, kann man ganz einfach das Glas kaufen, das einem gefällt, das einem besonders liegt. Eine Version für Weißweine, aus denen man selbstverständlich auch genussvoll einen Rosé schlürfen kann, eine Version für Rotweine. Schaumweinfreunde brauchen natürlich auch das Champagner- und Sektglas. Und wer es ganz besonders genau nehmen möchte, der legt sich noch eine dickbauchige Version für kapriziöse Rebsorten zu, etwa für Pinot Noir, aus denen auch die Weine des Nebbiolo besonders gut zur Geltung kommen. Und schon braucht man keinen Architekten und auch keine Baufirma beauftragen, der Flut der Gläser eine Behausung zu gestalten.