Château Margaux Tasting: Wenn aus einem gewöhnlichen Dienstag einer der Tage des Jahres wird

Château Margaux Tasting: Wenn aus einem gewöhnlichen Dienstag einer der Tage des Jahres wird

Am 30.10.2018 fand im Hotel Tortue in Hamburg ohne großes »Tam Tam« und ohne großen Rummel eine bemerkenswerte, für den einen oder anderen vielleicht auch unvergessliche Verkostung statt. Geladen hatten in die wunderschönen Räumlichkeiten des neu eröffneten Hotels »Tortue« Thibault Pontallier, Sohn des langjährigen und mit einem legendären Ruf versehenen Directeur der Bordelaiser Ikone Château Margaux, und das Weinhandelshaus Carl Tesdorpf. Und Thibault Pontallier hatte prachtvolle Juwelen sowie kostbare Raritäten aus dem Schaffen von Château Margaux mitgebracht.

 

Top-Sommeliers und die Geschichte des Château

Thibault Pontallier (links im Bild) mit Journalisten sowie Top-Sommeliers aus der Spitzen-Gastronomie.

 

Zu dieser mehr als bemerkenswerten Verkostung waren neben Top-Sommeliers der Spitzen-Gastronomie aus Hamburg und Schleswig-Holstein auch Journalisten erschienen. Die Kulisse für die spannenden Ausführungen von Thibault Pontallier bildete ein klassischer, warmer Salon des Hotels Tortue, dessen Name übrigens den Pariser Dandys des ausgehenden 19. Jahrhunderts entlehnt wurde, die zur Demonstration ihrer großzügigen Zeitressourcen tatsächlich Schildkröten spazieren führten.

Doch zurück zu Château Margaux. Eine kleine, spannende Einführung in die Philosophie von Château Margaux wurde der Verkostung vorangestellt. Unterhaltsam und in bestem Englisch verwies Thibault Pontallier vor allen Dingen auf die Errichtung eines neuen Vinifikations- und Reifekellers. Dieser wurde aber nicht nach dem Motto »wir sind wir« als Monument zwischen die Weinberge gepresst, sondern äußerst behutsam in die Landschaft eingepasst, dass man ihn kaum wahrnimmt. Wer die weltberühmte Auffahrt und den Blick auf das Château im neoklassizistischen Stil kennt, nein, diese legendäre Ansicht wurde nicht beeinträchtigt.

 

Château Margaux Pavillon Rouge

Doch dann begann die Verkostung, die vielen Teilnehmern ein Leuchten in die Augen zauberte. Den Auftakt bestimmte ein 2015er Pavillon Blanc du Château Margaux, schon jetzt eine Rarität! Ein 100% Sauvignon Blanc aus über 40 Jahre alten Rebstöcken, ein unglaublich feingliedriger und vielschichtiger Wein mit einem distinguierten Duft nach Holunder, Pfirsich, Grapefruit und Bienenwachs, unterlegt von dezenten Röstaromen von Mokka und Karamell. Ungemein geschmeidig am Gaumen, fast könnte man sagen »sexy«. Wer will genießt ihn jetzt, z. B. zu exotisch gewürzten Gerichten, wie Thibault Pontallier ausführte, für einen Sauvignon Blanc hat er aber das Potenzial eines Marathonläufers.

Diesem Auftakt stand der 2009er Pavillon Rouge du Château Margaux in nichts nach. Seidig und geschmeidig am Gaumen aber mit viel Kraft ausgestattet, und er schaufelt förmlich dunkelbeerige Aromen sowie feines, nobles Eichenholz in die Nase. Jetzt und für wenigstens ein Jahrzehnt ein unglaublich attraktiver Margaux! Leider nur noch sehr schwer zu bekommen. Sehr fein und in bester Reife präsentierte sich auch der 2000er Pavillon Rouge du Château Margaux, fest und filigran zugleich, vielschichtig mit schönem Spiel zwischen rotbeeriger Frucht und feiner, reifer Würze, harmonisch und stimmig durchkomponiert am Gaumen bis in den langen Abgang von sehr geschmeidigem und elegantem Charakter – echter und authentischer Margaux-Style eben.

 

Gibt es den perfekten Wein?

Dann jagte ein Höhepunkt den nächsten. Den Auftakt bildete der 2004er Château Margaux 1er Cru Classé, ein Klasse-Margaux, der sich lange durch seine Verschlossenheit dem Genuss verweigerte, aber jetzt beginnt die Geduld auch reich zu entlohnen. Ein sehr feiner, eleganter Margaux, filigran mit feiner Frucht von Himbeeren, Brombeeren, Cassis und Vanille, unterlegt von edler Eiche. Kein Wein mit offenem Visier, sondern eine Schönheit, die erobert werden möchte. Dafür hat man aber gut 30 Jahre Zeit!

Château Margaux 1996

 

Doch dann der Höhepunkt des Tages – für viele eher ein Ereignis, das man so schnell nicht vergessen wird – 1996er Château Margaux 1er Cru Classé. Gibt es den perfekten Wein? Wenn ja, dieser Margaux wäre ein echter Anwärter auf diesen Titel. Ein unglaublicher Wein – ein berührender Wein. Hier stimmt alles, oder, wie R. Parker es beschrieb, hier sitzt jedes Detail an exakt der richtigen Stelle mit 100% Präzision. Entstanden in einem durchaus schwierigen Jahr ist es kein »Blockbuster« kein »Powerwein«, nein, kein Wein, der vor Kraft strotzt, sondern vielmehr unglaublichen Tiefgang mit feiner Feder beschreibt. Filigran und doch komplex, ausgestattet mit einem sinnlichen Spiel zwischen jugendlicher Frucht und der ersten Weisheit des Alters, vielschichtig, unglaublich harmonisch mit sehr, sehr feinen Tanninen und von unfassbarer Länge. Der Verfasser dieser Zeilen will nicht verschweigen, dass er hier sicher einen der großartigsten Weine in der Nase und auf dem Gaumen hatte, den er je kosten durfte! Und das Potenzial reicht noch für weitere gut 40 Jahre. Heute ist es eine hoch gehandelte Rarität.

 

Der vielleicht berührendste Château Margaux

Thibault Pontallier
Thibault Pontallier bei der Präsentation im Tortue.

 

Ebenso berührend, wenn auch nicht ganz so spektakulär der letzte Wein dieser einzigartigen Verkostung, der 1983er Château Margaux 1er Cru Classé. Berührend schon deshalb, da es sich um den ersten Jahrgang handelte, den der Vater von Thibault Pontallier vinifiziert hatte, und der 2015 viel zu jung im Alter von 59 Jahren verstorben war. In diesem Wein spürt man bereits all die exzellenten Anlagen, die Paul Pontallier den späteren Jahrgängen mit auf den Weg gab. Der 83er präsentiert sich jetzt mit feiner, intensiver reifer Würze, mit großer Eleganz und wiederum mit dieser unvergleichlichen Harmonie, wie sie Château Margaux nun einmal zu eigen ist. Natürlich handelt es sich hier um eine absolute Top-Rarität.

Herzlichen Dank an Thibault Pontallier, dass wir diese Verkostung erleben durften, die aus einem gewöhnlichen Dienstag einen der Tage des Jahres gemacht hat.

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