Das Beste aus Südafrika: Eine Reise zwischen Tradition und Moderne am Kap

Das Beste aus Südafrika: Eine Reise zwischen Tradition und Moderne am Kap

Messe Südafrika

Alle drei Jahre findet in Kapstadt die südafrikanische Weinmesse Cape Wine statt. Nirgendwo sonst kann man so gut die Veränderungen erkennen, die sich im südafrikanischen Weinbau zeigen. Und nirgendwo sonst findet man alle südafrikanischen Weingüter auf einem Fleck. Während sich die Weinwelt jedes Jahr aufs Neue auf der Düsseldorfer Prowein in mittlerweile rund 13 großen Hallen trifft, ist es in Kapstadt gerade einmal eine Halle auf dem Messegelände. Im September 2018 präsentierten sich dort 352 Winzer und empfingen rund 2.400 Gäste aus 66 Nationen. Man hatte also Zeit, sich in den drei Tagen der Messe intensiv mit den angebotenen Weinen aus Südafrika zu beschäftigen und im Rahmenprogramm auch einige Weingüter vor Ort zu besuchen.

 

Was zeichnet heute den südafrikanischen Weinbau aus?

Probiert man sich durch das Angebot der südafrikanischen Winzer, so kann man die Frage recht klar beantworten. Der südafrikanische Weinbau zeichnet sich durch die Vielfalt und vor allem durch das Spannungsfeld von traditionellen Betrieben und den Young Guns aus – also jenen jungen Weinmachern, die mit bisherigen Konventionen wenig zu schaffen haben und angetreten sind, ein kulturelles Erbe pflegen. Gemeint sind die oft mehr als hundert Jahre alten Reben, die viel zu lange kaum beachtet wurden.

Der Weinbau am Kap hat eigentlich eine lange Tradition, die mit dem Vin de Constance, auch nur Constantia genannt, ihren Anfang nahm. Dieser Süßwein war Ende des 17. Jahrhunderts in ganz Europa berühmt und wurde auf eine Stufe gestellt mit den besten Sauternes und Tokaij. Doch der Ruhm der Süßweine verblasste, und die Weingüter aus den traditionellen Gebieten wie Constantia, Stellenbosch oder Franschhoek mussten sich sowohl dieser als auch einer weiteren Herausforderung stellen; denn die Apartheid der weißen gegenüber den schwarzen Landsleuten wurde im 20. Jahrhundert international geächtet und damit auch die Export-Produkte weißer Farmer und Weingüter. Erst der politische Umbruch, der 1994 offiziell vollzogen wurde, schuf neue Möglichkeiten. Tatsächlich markierte das offizielle Ende der Apartheid (in Wahrheit ist dieser Prozess noch lange nicht beendet) auch einen Neuanfang im südafrikanischen Weinbau. Es konnte wieder Geld investiert werden, neue Weingüter entstanden, alte, traditionsreiche Domänen wurden übernommen oder wurden von Grund auf renoviert. Das Potential der vor allem Rotwein produzierenden Güter in Stellenbosch konnte endlich genutzt werden; denn der Stil der dort vinifizierten Weine passte sehr gut zu jener Vorliebe, die der weltweit einflussreichste Weinkritiker Robert M. Parker jun. pflegte. So wurde Stellenbosch bekannt für reinsortige Cabernets und Bordeaux-Blends, die das Elegante und Polierte der französischen Vorbilder mit der Wärme und Reife Südafrikas verbinden konnten. Hervorragende Beispiele für diese Weine sind heute der Blue Chip unter den Grand Crus Südafrikas, der 4G, den wir nur auf Anfrage veräußern können.

 

Bordeaux-Blends und Pinotage

Während der 4G schon wegen seines Preises nur wenigen Weinliebhabern vorbehalten bleibt, gibt es weitere exzellente Beispiele für reinsortigen Cabernet Sauvignon. Dazu gehören die Weine vom Boekenhoutskloof aus Franschhoek sowie die von Kanonkop in Stellenbosch. Während der im 17. Jahrhundert gegründete Boekenhoutskloof sich seit den frühen 1990ern unter der Regie von Mark Kent zu einem der führenden Weingüter Südafrikas gemausert hat, besitzt Kanonkop diesen gut Ruf schon länger. Erworben hat sich das Weingut seinen Leumund vor allem unter dem langjährigen Weinmacher Beyers Truter. Der hat nicht nur die Bordeaux-Cuvée Paul Sauer international bekannt gemacht, sondern auch die einzige eigene Rebsorte von Südafrika ist, den Pinotage. Kanonkops Pinotage, eine Kreuzung aus Pinot noir und Cinsault, ist das beste Beispiel für das Potential dieser Rebsorte. Sie war zwischenzeitlich etwas in Verruf geraten, weil sie stark zu Gummi- und Espressonoten neigt, die nicht jedermanns Sache sind. Doch gerade in den letzten Jahren gibt es eine Szene, die dem Pinotage zu neuer Anerkennung verhilft. Einer der stärksten Weine ist der Pinotage von David & Nadia, unserer Neuentdeckung in Südafrika.

 

Südafrika
David und Nadia vom gleichnamigen Weingut auf der Weinmesse Cape Wine.

Alte Reben und Erste Gewächse

Die beiden gehören zu einer Gruppe von Weinmachern, die sich vor rund 15 Jahren im Swartland getroffen haben, um dort neue Weine aus alten Reben zu vinifizieren. Das Swartland verfügt über Rebbestände, die teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammen. Lange, viele zu lange hat sich um diese Reben kaum jemand gekümmert, weil sie wenig Ertrag lieferten und die Rebsorten nicht allzu populär waren. Der dort angebaute Chenin blanc – mit 18,6 % Südafrikas meistgepflanzte Weißweinrebe – wurde vor allem für Schnaps und medizinischen Alkohol genutzt. Die Kap-Weingüter bevorzugten in den letzten Jahrzehnten dann immer mehr Chardonnay und Sauvignon blanc. Doch genau das haben die Winzer aus dem Swartland geändert. Sie setzten auf die Klasse alter Chenin-blanc-, Clairette-, Sémillon-, Marsanne-, Rousanne- und Viognier-Rebstöcke, ganz so, wie man sie in David & Nadias Cuvée Aristargos findet. Für Master of Wine Tim Atkin gehören David & Nadia übrigens genauso wie Kanonkop und Boekenhoutskloof zu den First Growth, also zu den besten Weingütern Südafrikas. Die ebenfalls in unserem Programm befindlichen Weingüter Hamilton Russell, Stark-Condé und Graham Beck bezeichnet Tim Atkin als Second Growth, Vergelegen, Cederberg und Mulderbosch als Third Growth.

 

Cool Climate in Hemel-en-Aarde

Südafrika
Der Blick über das beeindruckende Anbaugebiet Hemel-en-Aarde.

Eine fantastische Entwicklung gab es in den letzten Jahren in den Cool-Climate-Regionen in Elgin und Hemel-en-Aarde. Dort wurden die ersten aus dem Burgund und aus der Schweiz stammenden Chardonnay- und Pinot-noir-Reben gepflanzt. Zu den Ersten, die sich in Hemel-en-Aarde schon 1975 engagiert haben, gehört die Familie Hamilton Russell. Bis heute zählen ihre Weine zur Spitze des Gebiets. Während der Cape Wine hatten wir das Glück, dass Anthony Hamilton Russell uns Pinot noir aus den letzten drei verbliebenen Flaschen vom 1986er Pinot noir einschenkte – was für ein Erlebnis. Höchst beeindruckend ist allerdings auch das Anbaugebiet Hemel-en-Aarde, zu Deutsch Himmel-und-Erde. Die weit verstreut liegenden Weingüter sind eingebettet in eine spektakuläre Landschaft mit Bergen, die von Bokkeveld Shale geprägt sind, einem Schieferverwitterungsboden, der mit dazu beiträgt, dass die Weine so einzigartig sind. Ebenso wichtig für die Klasse der Weine sind die Höhe der Lage und die Nähe des Meeres, das man immer wieder in den Blick bekommt und das einen großen Einfluss auf das Klima der Weinberge hat.

In Südafrika brummt es. Die Weinszene ist stark in Bewegung. Während die breite Masse, die hierzulande vor allem Discounter und den LEH beliefert, schwächelt und mit schlechten Arbeitsbedingungen von sich reden macht, werden die Weine im Mittelbau und in der Spitze immer besser und charakterstärker. Ein Großteil der Weingüter ist mittlerweile nachhaltig zertifiziert, wobei vor allem die soziale Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle spielt. Zudem fächert sich der Weinbau auf. Es gibt weiterhin die klassischen, an Bordeaux orientierten Weingüter, ferner jene, die sich eher der burgundischen Eleganz verpflichtet fühlen, und schließlich jene wie das von David & Nadia, die der Meinung sind, dass die dry farmed old bushvines das eigentliche Kapital von Südafrika sind und zu jenen Weinen führen, die weltweit einzigartig sind und keine Vergleiche scheuen müssen. Probieren Sie es aus. Wir haben aus jeder Kategorie etwas vorrätig.