TERROIR Chablis

TERROIR Chablis

Terroir Chablis: wir möchten auch anhand der berühmten, begehrten französischen Weinbauregion erklären, was es mit dem viel diskutierten Begriff Terroir auf sich hat, welche Einflüsse es wirklich auf die Weine nimmt und wie diese Thematik zu Stande kommt.

Was bedeutet Terroir?

Der Begriff »Terroir« , häufig auch etwas strapaziert in der Weinansprache und Weinbeschreibung, wird zumeist reduziert auf den Boden, den Untergrund, auf dem die Reben stehen. Das aber ist nicht ganz richtig. Denn ursprünglich ist der Begriff »Terroir« viel weiter gefasst und umschließt neben dem Boden auch die Aspekte Klima, Winzerhandwerk und Genusskultur einer Region. Manch ein Weinstil hat sich quasi in direktem Bezug zur regionalen Küche entwickelt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist zudem, dass bis heute keineswegs eindeutig bewiesen ist, wie sich das Terroir in einem Wein niederschlägt, möglicherweise sogar ob überhaupt in jedem Fall. Zu viele zusätzliche Faktoren können dabei eine noch nicht bis in das letzte Detail untersuchte gewichtige Rolle spielen, etwa das Alter der Reben, die Versorgung mit Nährstoffen, der Wasserhaushalt im Boden und vieles mehr.

Terroir im Chablis

Tatsächlich aber gibt es ganz unverwechselbare Weinstile, die unmittelbar von Klima und Boden geprägt sind und das in einer unnachahmlichen Art und Weise. Einer dieser Weinstile ist der berühmte, legendäre und heiß begehrte Chablis.

Chablis markiert als kleine Enklave den nördlichsten Teil des Burgund, es handelt sich aber im Prinzip um eine völlig eigenständige Region. Dass die Region allgemein als Teil des Burgund angesehen wird beruht auf dem Umstand, dass es bis weit hinein in das 19. Jahrhundert die Lücke zwischen dem nördlichen und eigentlichen Burgund und Chablis nicht gab. Maßgeblich hat erst die Reblauskatastrophe diese klaffende Wunde geschlagen.

Terroir: Klima & Boden im Chablis

Chablis weist an der Grenze jenes klimatischen Gürtels, jenseits dessen Weinbau kaum noch möglich ist, ein extrem wechselhaftes Klima auf. Es ist kühl, die winterlichen Kälteperioden sind lang, die warmen Phasen des Sommers entsprechend kurz. Darüber hinaus machen Frühjahrsfröste im Mai den Winzern sehr zu schaffen, die schon das eine oder andere Mal für große Ernteausfälle gesorgt haben. In diesem klimatischen Umfeld fühlt sich nur eine Rebsorte einigermaßen wohl – der Chardonnay. Denn er entwickelt unter diesen »unwirtlichen« Bedingungen eine einzigartige Charakteristik, rassig, pikant, kühl und mineralisch, beinahe salzig. Und diese Chardonnay-Charakteristik unterscheidet sich deutlich von jener des südlichen Burgund. Wegen der sehr kühlen Positionierung der Region weisen die besten Weinberge des Chablis eine strikte Ausrichtung nach Süden auf, um über den Tagesverlauf hinweg so viel Sonne wie möglich einzufangen.

Terroir im Chablis

Darüber hinaus spielt der Boden eine mehr als tragende Rolle. Die kleine Enklave Chablis war nämlich, wie auch das gesamte Pariser Becken, vor vielen Tausend Jahren vom Meer bedeckt. In eben diesem tummelten sich eine Vielzahl großer und kleiner Lebewesen die, wenn sie abstarben, auf den Meeresboden sanken und verkalkten. So hat sich im Lauf der Zeit, bis sich das Meer endgültig zurückzog, eine mehrere Meter dicke Kreideschicht gebildet, welche durch das Chablis unter dem Namen »Kimmeridge-Kalk« berühmt wurde. Es ist übrigens jene Art von Kreide, die man auch an den Steilkünsten von Cornwall oder den berühmten Kreidefelsen auf der Insel Rügen bestaunen kann.

Terroir: Chablis & das Feuersteinaroma

Diese Kreide, hier und da versetzt mit Mergel und Kalkstein, trägt maßgeblich zum kühlen, mineralischen und eben mitunter auch salzig anmutenden Geschmack des Chablis bei, der in Fachkreisen häufig auch als »Feuersteinaroma« oder »Flintstone« bezeichnet und diskutiert wird. Daher sind dieser Duft und dieser Geschmack einzigartige und aufgrund der Gegebenheiten eben auch nicht kopierbare Aromen des Terroirs. Hinzu kommt, basierend auf dem kühlen Klima, der herb trockene Geschmack in einer Art, wie ihn kaum ein anderer Wein aufweist. Chablis ist daher auch ein Wein, der auf einem ehemaligen Meeresboden wächst und daher als der klassische Begleiter zu Meeresfrüchten angesehen wird, etwa zu Austern.

Diese unvergleichliche Charakteristik des Chardonnay hat Chablis berühmt und begehrt gemacht. Man mag ihn – oder eben auch nicht. Diese Stilistik hat Weinmacher der alten und der neuen Welt inspiriert und auch zur Nachahmung verleitet, herausgekommen sind allerdings dabei andere Stile, auch sehr hochwertige und faszinierende, aber Chablis lässt sich eben nicht nachahmen. Die harten Bedingungen unter denen er entsteht sind schlichtweg zu eigenartig wie eigenwillig. Und da wären wir wieder beim Terroir – im engeren wie im weiteren Sinn. 

Sie möchten nun die umfangreiche Finesse des Terroirs im Chablis selbst entdecken?