Terroir Champagne

Terroir Champagne

Wir haben an dieser Stelle schon verschiedentlich darauf aufmerksam gemacht, dass mit Champagner mitunter allzu sorglos oder gar despektierlich umgegangen wird, handelt es sich doch bei einem guten Champagner um ein Getränk, dessen Erzeugung ausgesprochen aufwendig und anspruchsvoll ist. Aber es sind eben nicht nur die einzelnen Schritte der Erzeugung, die am Ende über Qualität und Genuss entscheiden. Auch das Terroir Champagne mit seinem Zusammenspiel aus Boden und Klima spielt eine besondere Rolle. Mehr Informationen zum Thema »Terroir« gibt es beim Blog-Eintrag zum Thema Terroir Chablis.

Klima im Champagne Terroir

Klimatisch betrachtet liegt die Champagne an der äußersten Grenze, an der Weinbau überhaupt erst möglich erscheint. Das Klima ist kühl, manchmal sogar sehr kühl, und genau das ist der Segen für die Trauben bei der Champagner-Erzeugung. Diese bilden dadurch weniger Zucker aus, der sich später in Alkohol verwandeln wird. Das ist wichtig für die zweite Gärung, die Flaschengärung, die nochmals den Alkohol erhöht. Hätte schon der Grundwein einen hohen Alkoholgehalt, würde sich dieser durch die Méthode Champenois zu einem sprudelnden Kraftprotz entwickeln. Das will sicher niemand gerne trinken. Die kühle Witterung im Terroir Champagne sorgt andererseits auch für Frische und ein gutes Säuregerüst, das ein guter Champagner nun einmal vorweisen sollte.

Gebiete im Terroir Champagne

Auch der Boden spielt eine maßgebliche Rolle für die Qualität der Weine. Drei Rebsorten sind es, die dem Champagner seinen Tiefgang, die Finesse, die Eleganz und seinen unvergleichlichen Charakter verleihen: Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Nicht jede dieser Sorten fühlt sich auf jedem Boden wohl, deshalb haben sich im Verlauf der Geschichte vier maßgebliche Herkünfte für Trauben in der Champagne entwickelt: Montagne de Reims, Vallé de la Marne, Cotes de Blancs und Cotes de Bar. Die Grundlage des Terroirs in all diesen Regionen der Champagne ist der Kalk, der vielfach eine tiefe Schicht von 200 bis 300 Meter erreicht. Dennoch variieren diese Böden in ihren Anteilen an Sand oder Lehm. Genau das macht den feinen Unterschied im Terroir Champagne aus.

Montagne de Reims

Die Montagne de Reims liegen im Terroir der Champagne zwischen Epernay und Reims. Sie beherbergen das berühmte Champagnerörtchen Bouzy. Zumeist dominiert hier der Pinot Noir es hängt aber sehr stark davon ab, welche Ausrichtung die Weinberge aufweisen. In Richtung Osten sind sie zumeist mit dem weniger empfindsamen Chardonnay bepflanzt, die Südlagen darf der Pinot Noir für sich beanspruchen.

Vallé de la Marne

Von Osten in Richtung Westen durchfließt die Marne die Champagne und ihr Terroir und bildet westlich von Epernay, der heimlichen Hauptstadt der Champagne, das Marnetal, das Vallé de la Marne. Mindestens ebenso berühmt ist das Örtchen Ay. Hier findet sich auch der Sitz von Champagne Bollinger, dem Lieblingschampagner des wohl legendärsten Geheimagenten aller Zeiten – James Bond. Das Vallé de la Marne wird zumeist vom Pinot Noir dominiert. Durchbrochen wird diese Vorherrschaft an einigen Stellen von Chardonnay und Pinot Meunier.

Cotes de Blancs

Die Cotes de Blancs ist kleiner und exklusiver als die anderen Subregionen der Champagne. Südlich von Epernay erstrecken sich die Weinberge in Richtung Süden durch das Terroir. Wie der Name bereits suggeriert, hier geht es um Weißwein. Tatsächlich sind gut 95% der Cotes de Blanc mit Chardonnay bepflanzt, lediglich in den südlichsten Ausläufern gibt es etwas Pinot Noir.

Cotes de Bar

Im tiefsten Süden des Terroirs Champagne, bereits im Departmant Aube, liegen die Cotes de Bar. Die Trauben, die hier geerntet werden, gehen zumeist an die großen und bekannten Champagnerhäuser. Hier dominiert in erster Linie wieder der Pinot Noir. Allerdings nimmt die Fläche des Chardonnays zu, der hier ebenfalls sehr gute Ergebnisse liefern kann.

Lagenklassifikation in der Champagne

Der Aspekt des Terrois in der Champagne findet sich auch in einem anderen Zusammenhang wieder: in der Lagen- bzw. Gemeindeklassifikation. Jene Gemeinden, deren Weinberge die allerbesten Trauben liefern, was ja wiederum mit Boden, Topographie und Mikroklima eng verbunden ist, wurden als Grand Cru klassifiziert. Das heißt, diese Trauben bieten die Benchmark an Qualität, also 100 Prozent. Es sind natürlich auch die teuersten Trauben und alle Preise und Qualitätseinstufungen richten sich an diesen Grand Crus aus. Gerade einmal 17 Gemeinden im Terroir Champagne dürfen sich dieser Klassifikation erfreuen. Wenn Sie also einmal einen Champagner in der Hand halten, der auf seinem Etikett »Grand Cru« vermerkt, dann wissen Sie, dass die Trauben ausschließlich aus diesen noblen Gemeinden stammen. 

Trauben, die an diesem Maßstab gemessen eine Qualität von 90 bis 99% liefern, kommen immerhin als 1er Crus zu den Erzeugern und in die Flasche. Auch diese Klassifikation ist nur spezifischen Gemeinden im Terroir Champagne vorbehalten, gleichwohl es wesentlich mehr 1er Crus als Grand Crus gibt. Die feinsten und nobelsten Champagner werden ausschließlich aus Grand Cru und 1er Cru Trauben erzeugt. Hier kommt einmal mehr die hohe Schule der Champagnererzeugung zum Tragen, denn die Kunst besteht darin, eine perfekte Komposition aus den verschiedenen Traubensorten, Herkünften oder gar einzelnen Lagen zu kreieren. Um dieses Ziel zu erreichen, beschäftigt jedes Champagnerhaus absolute Verkostungs-Spezialisten, die für die richtige Cuvée mit all ihrer Erfahrung sorgen.

Wenn Sie also demnächst einen exzellenten Champagner genießen, mögen Sie vielleicht einmal einen Gedanken daran verschwenden, welcher immense Aufwand im Terroir Champagne betrieben wird, um Ihnen ein Lächeln ins Gesicht und Genussfreuden auf den Gaumen zu zaubern.