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Nahe

Wein von der Nahe

Zwischen Hunsrück und Taunus erstreckt sich das Weinanbaugebiet Nahe. Riesling ist die dominierende Rebsorte – in vielfältigen Varianten. Dabei hat keine andere Region in Deutschland mehr unterschiedliche Bodenarten vorzuweisen.

 
Im Fokus:

Nahe – Große Vielfalt auf sanften Hügeln

Auch wenn sich die Weingärten entlang des Nahetals – von der Mündung in den Rhein bei Bingen bis herauf nach Martinsthal – und der Nebenflüsse Glan, Alsenz, Gulden- und Gräfenbach erstrecken, ist Steillagen-Anbau im Gebiet eine Ausnahme. Die meisten Rebanlagen stehen in Flachlagen oder sanft geschwungenen Hügellagen. Eher wenig Niederschläge während der Vegetationsperiode sorgen im Gebiet für gesundes Traubenmaterial, die tiefgründigen Böden mit guter Wasserhaltekraft gewähren dabei dennoch eine ausreichende Versorgung der Reben mit Feuchtigkeit.

Das Material, aus dem diese Böden gebildet werden, ist bemerkenswert vielfältig. Von allen deutschen Weinbauregionen bietet die Nahe die größte Bodenvarianz und die engräumigsten strukturellen Wechsel. Das Projekt Stein und Wein, eine geologische Untersuchung aus dem Jahr 2013, belegte rund 180 unterschiedliche Strukturen aus den erdgeschichtlichen Phasen Devon, Rotliegend und Tertiär.

Vielfalt lautet dann auch die Devise bei den Rebsorten

Sage und schreibe 61 unterschiedliche Arten mit mindestens einem Hektar Anbaufläche listet die Statistik für die Nahe. Rebsorte Nummer eins dabei ist unangefochten der Riesling. 29 % der Gesamtfläche belegt er an der Nahe. Bei der Nummer zwei, dem Müller-Thurgau, sind es dann schon nur noch 11,6 %. Und schon der Dornfelder auf Platz drei hat mit 9,3 % nur noch ein dreistelliges Ergebnis zu bieten. Auf 4.237 Hektar Anbaufläche insgesamt (alle Zahlen Stand 2021) wachsen im Anbaugebiet zu 77 % Weißweine.

Mineralität und feine Fruchtsäure

Berühmt und legendär ist die Nahe vor allem für ihre Rieslinge. Sicher kein Zufall, ist die Sorte doch wie kaum eine andere Rebsorte in der Lage, das Terroir in dem sie wächst, widerzuspiegeln: die vielen Böden durch ihre Mineralität, die unterschiedlichen Mikroklimata durch ihre von der Fruchtsäure bestimmte Art. Vergleicht man die Rieslinge von der Nahe mit denen der räumlichen Nachbarn, so zeigen sie eine Art Mittelweg zwischen der rassigen Eleganz der Weine aus dem Rheingau und der elegant-spritzigen Finesse der Rieslinge von der Mosel. Man könnte auch sagen: die Rieslinge von der Nahe verschmelzen das Beste aus beiden Welten.

Klassifizierung mit langer Tradition

Die große geologische Varianz auf engem Raum hat auch eine hohe Zahl von durch ihr prägnantes Wesen erkennbar unterschiedlicher Lagen zur Folge. Schon im Jahr 1901 gab es – gebildet auf der Basis der Grundsteuer für die jeweiligen Parzellen – eine Art Lagenklassifikation. Heute hat der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) rund 30 der insgesamt 328 Einzellagen als VDP.GROSSE LAGEN klassifiziert. Folgend eine kleine Auswahl der unserer Meinung nach bedeutendsten Lagen und ihrer Böden:

Bedeutende Große Lagen an der Nahe (Auswahl)

  • Halenberg, Monzingen (Blaugrauer Schiefer, Quarzit)
  • Frühlingsplätzchen, Monzingen (Rotschiefer, roter Lehm, Quarzit)
  • Hermannsberg, Niederhausen (Schieferton, Melaphyr)
  • Hermannshöhle, Niederhausen (Tonschiefer mit Kalkstein)
  • Felsenseck, Bockenau (Devonschiefer mit Quarzit)
  • Felsenberg, Schlossböckelheim (Melaphyr, vulkanischer Porphyr)
  • Kupfergrube, Schlossböckelheim (Feuerlay,Vulkanische Porphyr- und Melaphyrverwitterung)
  • Bastei, Traisen (Rhylolith)
  • Dellchen, Norheim (Grauschiefer, Porphyr)
  • Pittermännchen (Tonschiefer, Kiesel, Grauer Schiefer)

Die Nahe ist eine „Cool Climate“-Region. Viele Spitzenlagen sind aber durch ihre Exposition zur Sonne und ihre spezielle, topologisch geschützte Situation deutlich wärmer als der Durchschnitt des Gebiets. Neben den Einzellagen existieren insgesamt sieben Großlagen. Die vormalige Gliederung in die zwei Bereiche Bad Kreuznach und Schlossböckelheim wurde 1993 zu einem einzigen – dem Bereich Nahetal – zusammengefasst.

Einmal mehr waren’s die Römer

Auch, wenn die Nahe als nominal eigenständiges Gebiet erst seit der großen Weinrechtsreform im Jahr 1971 existiert: Die Geschichte des Weinbaus reicht hier zurück bis in römische Zeiten. Was für die meisten linksrheinischen Weinbaugebiete in Deutschland vermutet wird, an der Nahe ist es durch archäologische Funde zweifelsfrei belegt: In Bad Kreuznach – dem ökonomischen und kulturellen Zentrum der Region – können in der Römerhalle in Form von Weingläsern und Rebmessern Funde besichtigt werden, die Weinbau und -genuss schon in der Antike dokumentieren. Auch im Mittelalter zeugen zahlreiche Urkunden vom Weinbau entlang des Flusses. Die älteste davon, eine Urkunde des Kloster Lorch aus dem Jahr 766, nennt mit Norheim den Ort, in dem heute die Spitzenlage Dellchen zu finden ist. Erste Belege für den Export in andere Regionen finden sich um 1500, wo in Bingen mit dem Rheinkran „Monziger Feuerwein“ auf Schiffe verladen wurden.

Ein Sensationsfund in der Ruine

Auch die ältesten erhaltenen Reben Deutschlands finden sich an der Nahe. Im Jahr 2008 wurde an der Klosterruine Disibodenberg fünf Reben des zuvor als ausgestorben geltenden Weißen Orleans gefunden, deren Alter anhand von Dokumenten auf mindestens 500 Jahre geschätzt wird. Immerhin rund 100 Jahre mehr als die geschätzt 400 Jahre alten Gewürztraminer-Reben im Rhodter Rosengarten in der Pfalz.