Upgraden Sie Ihren Browser für die beste Website-Erfahrung

Es sieht so aus, als ob Sie einen Webbrowser verwenden, der nicht unterstützt wird. Der Internet Explorer wird von Microsoft nicht mehr auf den aktuellen Stand gehalten. Weiterlesen. Vergewissern Sie sich, dass Sie einen dieser unterstützten Browser verwenden, um das volle Erlebnis zu erhalten.

image

Die Geschichte der Weinsubskription

Das wichtigste Verkaufsereignis im jährlichen Weinkalender hat eine turbulente Geschichte - Von Stefan Pegatzky

Veröffentlicht am 17. Juni 2021

Subskription, also der Kauf von Waren auf Termin, kennt die Weinbranche schon lange, in Form eines regelmäßigen Angebots des Handels an Endkunden aber erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit. Mittlerweile ist sie vor allem für hochwertige Bordeaux-Weine ein zentrales Verkaufsinstrument, das jedes Jahr wieder die ganze Branche in Atem hält. Um die Mechanismen des Handels und die Argumentation von Anhängern und Gegnern zu verstehen, ist es sinnvoll, sich die Geschichte zu vergegenwärtigen, was voraussetzt, die wichtigsten Protagonisten zu kennen sowie die Entstehung der bedeutendsten Märkte zu begreifen.

Neben seiner unmittelbaren Nähe zu einigen der berühmtesten Weinlagen der Welt profitiert Bordeaux von seiner einzigartigen geografischen Lage. Denn die schon von den Kelten gegründete Stadt liegt an einer Krümmung der Girondemündung, des größten natürlichen Hafens Westeuropas. Kein Wunder, dass in der Antike von Bordeaux bereits als Handelsplatz die Rede ist, als an Weinbau noch nicht zu denken war. Von überragender ökonomischer Bedeutung war schon in der Antike die Straße nach Narbonne, der ersten römischen Kolonie außerhalb Italiens: Es war die kürzeste Verbindung vom Mittelmeer zur Atlantikküste. Von Bordeaux aus ging der Handel weiter mit Schiffen zur iberischen Halbinsel, nach Nordfrankreich und in die Länder des Nordens bis ins Baltikum. Schon im 1. Jahrhundert vor Christus ist die Existenz eines „negotiator britannicus“, eines britannischen Händlers, am Hafen von Bordeaux verbürgt.

Der Weinbau wurde spätestens im Spätmittelalter eine zentrale Einnahmequelle der Region, doch die eigentliche Bedeutung des Bordelais bildete sich erst heraus, nachdem ab 1599 die Halbinsel Médoc durch holländische Ingenieure trockengelegt wurde. Der freigelegte kiesige Boden erwies sich als idealer Untergrund für Rotweinreben, die schrittweise die Vorherrschaft des Weißweins um Bordeaux beendeten. Allmählich entstanden immer mehr Weingüter, und mit der zunehmenden Nachfrage etablierte sich vom frühen 17. Jahrhundert an die bis heute bestehende spezifische Form des Bordelaiser Weinhandels, „La Place de Bordeaux“. Zentrale Gegenspieler sind die (anfangs sämtlich aristokratischen) Weingutsbesitzer sowie die Händler, die sogenannten Négociants. Da vor der französischen Revolution Adlige nicht direkt mit Kaufleuten verhandelten, wurde die Ebene der Courtiers geschaffen, die zwischen beiden Parteien vermittelten. Diese Weinmakler durften selbst nicht mit Wein handeln, aber sie berieten die Weingutsbesitzer, etwa zur Preisgestaltung und möglichen Kunden, und gaben den Händlern wichtige Informationen über potenzielle Geschäfte weiter. Dafür erhielten sie traditionell eine Provision von 2 Prozent, während die Négociants beim Weiterverkauf des Weins noch einmal 10 bis maximal 15 Prozent verdienten.

Weil Export zur DNA des Handelsplatzes Bordeaux gehört, kamen führende Négociants aus dem Ausland. Diese wurden bald „Chartrons“ genannt, weil sie sich außerhalb der Stadt nahe eines Kartäuserklosters niederlassen mussten, dem heutigen Quai des Chartrons. Das älteste heute noch existierende Handelshaus, Beyerman von 1620, ist nicht zufällig holländischen Ursprungs – besaßen die knapp 40 Jahre zuvor erst gegründeten Niederlande doch neben begnadeten Händlern auch die größte Handelsflotte der Welt. Die holländische Dominanz litt jedoch im Spanischen Erbfolgekrieg, als sich die Niederlande mit Frankreich stritten. Nach dem Frieden von Utrecht 1713 zog es vor allem Händler aus den Hansestädten wie Lübeck oder Hamburg, das 1716 einen eigenen Handelsvertrag mit Frankreich abgeschlossen hatte, an die Gironde. Théophile de Malvezin zählte in seiner „Histoire du commerce de Bordeaux“ (1892) bis 1744 allein 20 neue Niederlassungen aus Hamburg – darunter das 1739 gegründete Haus Schröder & Schÿler. Jean Henry Schÿler stammte aus Hamburg, Jacques Schröder aus Lübeck: die ältesten heute noch existierenden deutschstämmigen Négociants in Bordeaux. In diese Familien hatte die Familie Tesdorpf eingeheiratet, Namensgeber der 1678 gegründeten Lübecker Weinhandlung, der ältesten noch existierenden in Deutschland. Aus diesen privaten Verbindungen erwuchsen auch geschäftlich fruchtbare Beziehungen. Von nun an gelangte erstklassiger Rotwein aus Bordeaux nach Norddeutschland. 1753, so heißt es in der Chronik des Handelshauses, kredenzte Friedrich der Große seinem Gast Voltaire „Lübschen Rotwein zum Hirsch“.

Bordelaiser Weine für die britische Aristokratie

Nach dem Frieden von Utrecht 1713, der auch den Krieg zwischen England und Frankreich beendete, siedelten sich ebenfalls Händler aus jener Nation in Bordeaux an, die bis 1453, dem Ende des Hundertjährigen Krieges und der englischen Herrschaft über Aquitanien, Hauptimporteur Bordelaiser Weine gewesen war: Großbritannien. Ironischerweise waren es zunächst nur wenige Engländer, sondern vor allem Iren, die politisch aufseiten Frankreichs standen und häufig aus ihren Heimatländern emigriert waren, wie Thomas Barton 1724, William Johnson 1729 oder Abraham Lawton zehn Jahre später, die bedeutende, heute noch existierende Handelsfirmen schufen. Diese anglo-irische Achse versorgte die britische Aristokratie mit den feinsten neuen, aufregenden Rotweinen aus dem Médoc, während die deutschen Händler eher die Mittelklasse und die Holländer einfache Rot- und vor allem Weißweine verschifften: Strukturen, die für gut 200 Jahre Bestand haben sollten.

In dieser Frühzeit des Bordeaux-Handels lag die Macht eindeutig bei den Négociants. In einer Zeit, in der die zumeist abwesenden Schlossherren wenig investieren wollten und Verwalter die Weingüter recht und schlecht führten, wurde der Wein im Frühjahr nach der Ernte in Fässern an die Händler verkauft, die dann den eigentlichen Ausbau der Jungweine, die Élevage, also die Reifung, das Blenden und in späterer Zeit auch die Flaschenabfüllung übernahmen. Der Wein wurde also „unfertig“ verkauft, teilweise noch früher: als reife Beeren oder sogar bereits am Weinstock, also „sur souche“, eine Praxis, die bis in die 1950er Jahre im Bordelais gängig war. Eine übliche Gepflogenheit waren langfristige, teils exklusive Verkäufe einer Reihe von Weinernten an einen Händler, eine Form der Subskription, die Abonnement genannt wurde. Auch diese Form der Verträge über fünf, teilweise zehn Jahre war vom 18. Jahrhundert bis in die 1920er Jahre selbst bei den Premiers Grands Crus Classés wie Château Lafite oder Château Margaux üblich. Erst als die Châteaux-Besitzer begriffen, wie wichtig die vollständige Kontrolle über den eigenen Wein war und sich bei den klassifizierten Gewächsen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts allmählich die Flaschenabfüllung durchsetzte, endeten auch die Abonnements, allerspätestens mit dem großartigen 1961er-Jahrgang. Heute sind die klassischen Négociants, bis auf das Geschäft mit den Markenweinen, nur noch selten für die Élevage, sondern vor allem für die Distribution zuständig. Das Zauberwort der Händler heißt heute Allokation, also ein erworbenes Anrecht auf den Bezug eines festen Anteils der Flaschenabfüllungen eines Château.

Die Macht der Négociants

Aber der Vertrieb ist Aufgabe genug, handelt es sich doch um ein Volumen von 70 Millionen Flaschen von circa 3000 Weingütern. Stephan Brook zitiert in seinem Standardwerk „Bordeaux: People, Power and Politics“ eine schöne Analogie des Weinberaters Dominique Renard: Man solle an Bordeaux-Wein wie an einen Fluss denken, der durch das Delta des Zwischenhandels geleitet werde, um dann in das Meer von Einzelhändlern, Gastronomen und Endkunden zu münden. Rund 400 Négociants sind nach wie vor am Place de Bordeaux tätig, unterstützt von 70 Courtiers, den Spezialisten für unterschiedliche Märkte, Marktsegmente und Distributionskanäle. Es ist ein altes, streng hierarchisches System. An keinem anderen Ort in der Weinwelt sind die Sphären Produktion und Verkauf so deutlich voneinander getrennt wie hier. Von allen wichtigen Handelsprodukten besitzt Wein aus Bordeaux den wohl kompliziertesten Vertriebsweg, aber, so der Weinhistoriker Nicholas Faith, genau dieser sei zugleich „der einzige effektive Weg, die Produkte von Tausenden von Weingütern in mehr als 100 Länder zu verteilen“.

Während sich an der Struktur des Weinhandels von Bordeaux verhältnismäßig wenig geändert hat – sieht man einmal ab vom Einstieg der Händler des Libournais (mit Weinen aus Pomerol und SaintÉmilion) und der zunehmenden Rolle von Außenseitern wie großen Konzernen – hat sich der Verkauf von Bordeaux-Weinen an Endkunden seit dem Zweiten Weltkrieg grundlegender gewandelt. Insbesondere durch den Verkauf in Subskription – ein Phänomen, das eng mit der noch nicht so alten öffentlichen Präsentation der Bordeaux-Weine „en Primeur“ und der wachsenden Bedeutung des Weinjournalismus zusammenhängt und zugleich den Beginn der Dominanz des US-amerikanischen gegenüber dem britischen Bordeauxmarkt markiert.

Noch für die frühen 1950er Jahre konnte der britische Wein-Auktionator Michael Broadbent sagen: „Wir hatten Bordeaux für uns.“ Das änderte sich rasch, als sich die USA, denen nach Kriegsende noch die Prohibitionszeit in den Knochen steckte, immer stärker mit französischem Rotwein und gallischer Lebensart anfreundeten. Infolge des starken Dollars und der dramatischen Abwertung des Francs war zudem deren Kaufkraft immens. So lösten die Amerikaner die Briten mit dem 1959er-Jahrgang als wertmäßig (also gemessen am Durchschnittspreis der Flasche) wichtigster Importeur des Bordelais ab – eine Stellung, die das Vereinigte Königreich 750 Jahre innegehabt hatte. Das traf zusammen mit der Innovation des Subskriptionsverkaufs an Endkunden im Frühjahr 1960, konkret des 1959er-Jahrgangs durch Sherry Wines & Spirits (ab 1965: Sherry-Lehmann) in New York. Wie der legendäre Händler Sam Aaron auf diese Idee kam, ist nicht geklärt. Möglicherweise hatte ihn Frank Schoonmaker dazu angeregt, der legendäre Weinautor und -importeur, der seit 1937 einen Beratervertrag mit Sherry Wines & Spirits hatte und eng mit Alexis Lichine zusammenarbeitete, dem damals wohl wichtigsten Weinbotschafter des Bordelais in den USA. Der großartige 1959er machte gerade dort Furore. Sherry Wines & Spirits wiederholte die Subskription mit dem gewaltigen 1961er und dem guten 1966er-Jahrgang, und allmählich begriff man in New York, was für ein gutes Geschäft sich mit dem frühzeitigen Ankauf von jungen Spitzenweinen aus dem Bordelais machen ließ. Mitte der 1960er Jahre begann der Weinhändler Bill Sokolin sein Konzept des Weininvestments durch BordeauxFutures zu propagieren, das mit Beginn der 1980er Jahre durch Wall-Street-Händler groß rauskam.

Wirtschaftskrise und ein Fälscherskandal

Zunächst aber erlitt die Idee der Bordeaux-Subskription einen gewaltigen Rückschlag, von dem viele glaubten, dass sie sich davon nie wieder erholt. 1971 hatte der für den alteingesessenen Händler Austin, Nichols & Co. arbeitende und aus einer jüdisch-irakischen Familie stammende Ab(dallah) Simon die Idee, die New Yorker Bordeaux-Subskription des 1970er-Jahrgangs mit der Präsentation von Fassmustern der wichtigsten Châteaux zu verknüpfen. Aus der Idee wurde ein enormer Erfolg, und tatsächlich war die 1970er-Subskriptionskampagne die bis dato erfolgreichste. Der folgende Jahrgang 1971 übertraf dieses Ergebnis sogar noch – so kam der mediokre 1972er-Jahrgang mit viel zu hohen Preisen in den Handel. Die katastrophalen 1973er und 1974er folgten – und trafen auf eine Weltwirtschaft, die wegen der Ölpreiskrise am Abgrund stand. Die Folgen für den Weinhandel waren dramatisch: Endkunden kauften nicht, selbst nachdem die Preise wegen der schlechten Kritiken kollabierten. Ein Weinfälscherskandal, in den das renommierte Bordelaiser Handelshaus Cruse verwickelt war, brachte das Fass zum Überlaufen. Bei Händlern und Négociants quollen die Bestände über, der Bedarf an Jungweinen brach ein. In ihrer Not griffen Spitzenerzeuger wie Château Lafite und Château Mouton-Rothschild zu drastischen Maßnahmen, indem sie den Place de Bordeaux umgingen und ihre Weine direkt durch Christie’s in London versteigern ließen: stolze 6000 Kisten für umgerechnet etwa 25 D-Mark pro Flasche. In diesen Jahren begriffen die Besitzer der führenden Châteaux in Bordeaux, dass sie dem Handel gegenüber geschlossener auftreten mussten. Initialzündung war 1973 eine Gruppenreise nach Japan, um den dortigen Markt zu erschließen. Tatsächlich führten die Überlegungen auf dieser Reise zur Gründung der Union des Grands Crus de Bordeaux, die sich die gemeinsame Präsentation der Weine ihrer Mitglieder zum Ziel gesetzt hatte. Zwei Jahrzehnte später sollte daraus die Woche der En-Primeurs-Degustationen im April entstehen.

Zudem wurden gemeinsam Fassproben des 1975erJahrgangs nach London gesandt, wodurch der Subskriptionshandel auch beim traditionellen Exportpartner Nummer Eins einsetzte. In Großbritannien listete der Handel bis dahin Bordeaux-Wein für Endkunden erst, wenn er das richtige Alter erreicht hatte. Ein Großteil der „finest and rarest wines“ war zu diesem Zeitpunkt freilich längst verteilt, denn auf der Insel verkauften „Gentlemen“ Wein „an Gentlemen“ (Michael Broadbent), wobei es dem Kunden half, wenn er die Krawatte des richtigen Colleges aus Oxford trug und Mitglied eines renommierten Klubs in London war. Kein Wunder, dass das Vereinigte Königreich in den Subskriptionshandel nur zögerlich einstieg

Der Jahrgang 1982 sollte alles verändern. Von einer durchorganisierten, nach Presse und Handel getrennten Präsentation der Jungweine in Bordeaux war man noch weit entfernt. Aber immerhin hatten die meisten klassifizierten Châteaux mittlerweile Empfangsmöglichkeiten für Gäste geschaffen, und es wurden erste gemeinschaftliche Fassmusterproben präsentiert. Auch die Zahl der internationalen Händler und Journalisten war noch überschaubar. Unter der Handvoll Amerikaner war neben dem meistgelesenen Weinkritiker der Vereinigten Staaten, Robert Finigan, auch der junge Robert Parker: Bordeaux war eines seiner Hauptanliegen, seit er seinen Newsletter „Wine Advocate“ 1978 mit einer wenig schmeichelhaften Kritik des 1973er-Jahrgangs gestartet hatte. Von da an flog er jedes Jahr zweimal ins Bordelais, um Fassmuster zu probieren: Seine dringende Empfehlung, die 1975er in Subskription zu kaufen, blieb jedoch nahezu ohne Einfluss auf den Markt. Immerhin aber zitierte Zachys Wine & Liquor, dessen Inhaber Don Zacharia den US-amerikanisches Weinhandel mit extremen Preisaktionen aufgemischt hatte und der seit seiner Lehrzeit bei Sam Aaron von SherryLehmann zum führenden Subskriptionsanbieter in den USA aufgestiegen war, Parkers Meinung zum 1981er Bordeaux in ganzseitigen Anzeigen in der „New York Times“, die Zachys jährlich anlässlich des Futures-Kampagne schaltete.

Zeit großer Umbrüche

Robert Parkers Begeisterung für den 1982er-Jahrgang veränderte die Weinwelt. Während Konkurrenten wie Robert Finigan lauwarm bis enttäuscht reagierten, begann mit diesem Urteil sein Aufstieg zum wichtigsten Weinkritiker der Welt. Zudem sollten alle Châteaux in Zukunft mit der Festsetzung ihrer Preise „Ex sortie“ warten, bis die Punktebewertungen der wichtigsten Kritiker veröffentlicht wurden. Vor allem weckte Parkers Enthusiasmus erneut die Leidenschaft der Amerikaner für Wein-Futures – dank günstiger Wechselkurse auch im Mittelstand. Es war eine Situation, in der alle profitierten: die Käufer, die Händler und Zwischenhändler sowie die ChâteauBesitzer. Zugleich zeichneten sich große Umbrüche ab: Inzwischen war Bordeaux für große Konzerne aus der Bier- oder Spirituosenindustrie interessant. So stellte Gigant Seagram’s 1974 Ab Simon ein, um das Weinimportunternehmen „Château & Estates“ aufzubauen – just in dem Augenblick, als der Markt implodiert war. Simon glaubte wie Parker an den 1982er-Jahrgang, durch ihn stieg „Château & Estates“ zum wichtigsten Bordeaux-Player in den USA auf. 1987 verkaufte das Unternehmen etwa 900 000 Kisten bei einem Umsatz von 80 Millionen USDollar. Kein Wunder, dass der Handel im Vereinigten Königreich ausgesprochen schmallippig reagierte. Tatsächlich hatten auch britische Verkoster wie Davis Peppercorn oder Michael Broadbent den Jahrgang gepriesen. Aber gegen den überhitzten Subskriptionsmarkt in den USA zog der traditionelle Handel auf der Insel den Kürzeren.

Auch auf Deutschland war der Funke mit einiger Verspätung übergesprungen. Zu Beginn der 1970er Jahre, als das Subskriptionsfieber die USA erstmals erfasst hatte, waren die Bordeaux-Händler in den Hansestädten noch damit beschäftigt, den Übergang zur Flaschenabfüllung zu bewältigen. Denn die Premiers Grands Crus hatten sich seit 1967 zur Flaschenabfüllung verpflichtet, die für die übrigen klassifizierten Gewächse ab 1972 verpflichtend wurde. „Mit Melancholie“ verzeichnete das Bremer Handelshaus Segnitz 1971 in seinem „Kollegbuch des Weines“ die allmähliche Abnahme der „Bremer Abfüllungen“ gegenüber dem „Schlossabzug“. Kein Wunder, dass auch in Deutschland ein Außenseiter die Bordeaux-Subskription einführte: der aus Bulgarien stammende Kaufmann Peter Margaritoff, der 1964 in einer Garage an der Alster das „Hanseatische Wein- und SpirituosenKontor“ gegründet hatte (ab 1966: Hawesko, wobei die „Spirituosen“ durch „Sekt“ ersetzt wurden). Durch die erstmalige Subskriptionskampagne 1982 für den 1981er-Jahrgang konnte er sich einen strategischen Vorteil bei den begehrten Allokationen klassifizierter Gewächse auf dem deutschen Markt sichern.

Denn auch dort war der 1982er- Jahrgang von entscheidender Bedeutung: Nicht nur, weil der deutsche Winzer und Weinkritiker Armin Diel für die zweite Ausgabe der gerade gegründeten Weinzeitschrift „Alles über Wein“ im März 1983 nach Bordeaux reiste und die deutsche En-PrimeurBerichterstattung begründete, sondern weil auch weitere Handelshäuser in das Futures- Geschäft einstiegen. Als Armin Diel im Folgejahr die Subskriptionsangebote für den 1983er-Jahrgang resümierte, konnte er bereits eine Vielzahl von deutschen Subskriptionsanbietern nennen. 15 Jahre später schloss sich ein Kreis, als die HaweskoGruppe die Mehrheitsbeteiligung am Lübecker Weinhändler Carl Tesdorpf erwarb, dem Pionier für den Import hochwertiger Bordeaux-Weine in Deutschland. Heute steht Carl Tesdorpf für das Premiumprogramm der Gruppe. Höhepunkt im Programm: die jährliche Bordeaux-Subskription.