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Pinot Noir Weine

Pinot Noir

Pinot Noir (aka Spätburgunder) gilt als Diva, denn die empfindliche Sorte ist anspruchsvoll im Anbau. Doch wenn man ihr die richtigen Böden und viel Aufmerksamkeit schenkt, dann entstehen aus ihr einige der besten und charakterstärksten Weine der Welt.
 
Im Fokus:

Pinot Noir "Die Diva"

Als Diva bezeichnet man eigentlich eine gefeierte Sängerin oder Schauspielerin. Doch besitzt der Begriff auch eine negative Konnotation. Dabei geht es etwa um Hochmut, exzentrische Allüren oder übermäßige Empfindlichkeit. Der Pinot Noir wird tatsächlich gerne als göttlich gefeiert, er ist aber auch bekannt für seine Empfindlichkeit. „Wer Pinot Noir anbaut, hat kein leichtes Leben“, schrieb Master of Wine Jancis Robinson mal in einem ihrer Bücher, und das würden die meisten Pinot-Winzer sicher unterschreiben; denn die Sorte ist wirklich nicht leicht zu kultivieren. Der frühe Austrieb und die frühe Blüte machen die Rebe sehr anfällig für Spätfröste, die mit dem Klimawandel immer häufiger auftauchen. Zudem besitzt die Sorte nur sehr dünne Schalen, die einerseits leicht bei zu viel Sonneneinstrahlung verbrennen, andrerseits aber auch sehr anfällig sind für Pilzkrankheiten wie Mehltau und auch für Schädlinge, die sich schnell durch die Häute bohren können. Hinzu kommt, dass die Sorte extrem wuchskräftig ist und daher zu Viruskrankheiten neigt. Weshalb tun Winzer sich das also an, diese Sorte seit 1.500 Jahren anzubauen? Die Antwort ist, weil sie an den richtigen Standorten unvergleichlich gute Weine hervorbringt.

Pinot Noir: der Terroir-Translator

Der Spätburgunder ist ein idealer Terroir-Übersetzer. Nur wenige andere Rebsorten reagieren so empfindlich auf ihr Umfeld wie der Pinot. Daher wird er gerne mit dem Riesling verglichen. Winzer wie Klaus-Peter Keller bezeichnen ihn sogar gerne als roten Riesling. Dabei ist er noch wählerischer als die weiße Rebsorte. Vulkangestein, Granit oder Sand mag er zum Beispiel nicht und ebensowenig fette Lehmböden. Ideal sind kühle Standorte mit Kalk, Kalkmergel, Kreide, Schiefer sowie Ton und Lehm im Oberboden. Entscheidend ist, dass der Standort so gewählt ist, dass die Sorte ihre frische Säurestruktur bewahren kann. Wird es zu warm, wird der Pinot Noir schnell breit.

Häufig unterschätzt

Wer Merlot, Cabernet oder Syrah gewohnt ist, der wird Pinot Noir vielleicht unterschätzen, ist der Wein doch meist sehr hell und transparent im Glas. Obwohl die Rebsorte über sehr dunkle Schalen verfügt, besitzen diese nicht viel Farbstoff. Hat man den Wein jedoch erstmal am Gaumen, merkt man schnell, dass Komplexität und Kraft so gut wie nichts mit farblicher Intensität zu tun haben. Der Pinot Noir bietet eine große Fülle an unterschiedlichen Aromen von Erdbeere und Himbeere über Kirsche und Granatapfel, von Blüten über Kräuter hin zu Unterholz, Waldboden und Gestein. Die Komplexität kann faszinierend sein und sich über Jahrzehnte hinweg immer weiter entwickeln.

Fünf berühmte Nachkommen des Pinot Noir:

Ein alte, prägende Rebsorte

Dass es sich beim Pinot Noir um eine sehr alte Rebsorte handelt, ist unbestritten. Das zeigt nicht nur die große Menge unterschiedlicher Synonyme, sondern auch der Einfluss, den die Sorte als Eltern- und Großelternteil in der europäischen Rebenlandschaft besitzt. Mindestens 156 weitere Rebsorten sind aus dem Spätburgunder hervorgegangen. Und man kennt sicher nicht alle. Doch vor allem mit dem Gouais Blanc, dem Weißen Heunisch, hat sie sich immer wieder eingelassen und Sorten wie Aligoté, Auxerrois, Chardonnay, Gamay, Melon de Bourgogne oder Romorantin erzeugt. Weil der Pinot Noir wie auch der Gouais Blanc so sehr um Fortpflanzung bemüht sind, gehören sie neben dem Savagnin Blanc (Traminer) zu den uralten europäischen Leitreben. Während es bei anderen Rebsorten nur wenige verschiedene Varianten gibt, findet man beim Pinot Noir mindestens 1.000 unterschiedliche Klone und dazu Mutationen wie Pinot Gris (Grauburgunder, Pinot Grigio), Pinot Blanc (Weißburgunder, Pinot Bianco), Pinot Précoce (Frühburgunder, Pinot Madeleine, Clevner), Samtrot oder Pinot Meunier (Schwarzriesling, Müllerrebe).

Wo genau der Pinot seinen Ursprung hat, ist bis heute nicht bekannt. Ebensowenig weiß man, wer die Eltern sind. Es kann sehr gut sein, dass die Sorte einst aus Asien oder Vorderasien, wo der Weinbau ja entstanden ist, nach Europa kam. Da sie schon lange in Nordafrika heimisch ist, könnte sie auch von dort gekommen sein, zumal sie ursprünglich als Moreillon oder mour bzw. mouret bezeichnet wurde und es möglich ist, dass dieser Name etwas mit den Mauren aus Nordafrika zu tun hat. Es kann jedoch genauso gut sein, dass der Name von lokalen Bezeichnungen für Brombeeren abstammt. Da es ein Verwandtschaftsverhältnis mit dem ebenfalls sehr alten Traminer gibt, könnte es allerdings auch sein, dass der Pinot Noir irgendwann wie viele andere Sorten auch im Jura entstanden ist. Man weiß aber zumindest, dass er hier seit rund 2.000 Jahren heimisch ist und sich schnell als hochwertige Sorte durchgesetzt hat.

Fünf Mutationen des Pinot Noir:

  • Pinot Gris (Grauburgunder)
  • Pinot Blanc (Weißburgunder)
  • Pinot Précoce (Frühburgunder)
  • Pinot Meunier (Schwarzriesling)
  • Samtrot

Aufstieg im Burgund

Die erste Erwähnung des heute typischen Namens Pinot hat man in einem 1375 verfassten Brief des Duc Philippe le Hardi gefunden. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Name Pinot allgemein gebräuchlich, und man geht davon aus, dass er sich aufgrund der Form der Trauben durchgesetzt hat, die an Pinien-Zapfen erinnern. Unzweifelhaft ist, dass die Verbreitung des Pinot Noir untrennbar mit dem Burgund und dem Aufstieg der dortigen Herrscher sowie der Klöster ab dem frühen Mittelalter verbunden ist. Sie haben sich damals für den Pinot Noir als einzige rote Sorte im Burgund entschieden, da sie gemerkt haben, dass er dort außergewöhnlich gute Weine hervorbringt. Heute wird die Côte d’Or als das Maß aller Dinge angesehen, was den Pinot Noir betrifft. Dort ist das System der Gutsweine, der Ortsweine, der Premiers Crus und Grands Crus entstanden. Zu den besten Appellationen gehören Chambolle-Musigny, Gevrey-Chambertin, Nuits-Saint-Georges, Morey-Saint-Denis, Vosne-Romanée, der Clos Vougeot, Corton-Charlemagne, Pommard und Volnay.

Pinot Noir: Aus dem Burgund in die Welt

Die Zisterzienser haben ab dem Hochmittelalter von Burgund aus in Europa viele Klöster gegründet, und immer nahmen sie die besten Rebsorten mit, so auch den Pinot Noir. Daher hat er sich früh in Deutschland (Spätburgunder), in Österreich oder der Schweiz (Blauer Burgunder, Blauburgunder) wie auch in Italien (Pinot Nero) verbreitet. In Frankreich selbst besitzt er eine lange Tradition in der Champagne, wo er auch schon erzeugt wurde, als es noch keine Schaumweine gab. Heute aber ist er neben dem Meunier und dem Chardonnay die drittwichtigste Rebsorte. Sie geht dort entweder in Cuvées ein oder wird als Rosé oder Blanc de Noirs reinsortig erzeugt. Ebenso lange wird die Sorte im Jura und auch im Bereich der Touraine und in Sancerre an der Loire angebaut. Im Elsass wurde lange nur Rosé aus dem Pinot Noir erzeugt. Der Aufstieg zum Cru-Niveau ist noch recht jung. Auch in Deutschland hat es flächendeckend eher bis in die 1990er Jahre gedauert, bis die Erzeugung hochklassiger Spätburgunder richtig Fahrt aufgenommen hat. Heute gelten sie zusammen mit denen aus Neuseeland und denen aus den USA (Kalifornien, Oregon) als die besten weltweit außerhalb Frankreichs. Darüber hinaus haben sich die Schweiz, Südtirol, Australien und Südafrika mit seinen besonderen Cool-Climate-Gebieten als Erzeuger hervorragender Pinot Noirs etabliert.

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