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Provence

Wein aus der Provence

Die Provence dürfte das älteste Weinbaugebiet Frankreichs sein. Und sie ist sicher auch eines der schönsten. Zwischen Kräutern und Lavendel wächst viel Wein, vor allem Rosé, der schon lange berühmt, aber heute so populär ist wie nie zuvor.
 
Im Fokus:

Provence

Es gibt nur sehr wenige Kulturlandschaften auf der Welt, in der die Schönheit der Landschaft eine derart perfekte Symbiose mit der Lebens- und Genusskultur eingeht wie in dieser Region. Die vom Licht durchfluteten Weinberge, die mittelalterlichen Dörfer und Städtchen, die die Hügelkuppen besetzen, kein Maler hätte diese Landschaft schöner »erfinden« können. Auch kein Dichter könnte diese provenzalische Luft, erfüllt von Düften nach Kräutern, Gewürzen und Lavendel, wirklich beschreiben. Die Provence ist eine Landschaft, die Sehnsüchte weckt wie kaum eine andere. Der Spruch »Genießen wie Gott in Frankreich« kann eigentlich nur hier entstanden sein. Da darf natürlich der Wein nicht fehlen – neben der mediterranen Küche das Aushängeschild dieser grandiosen Weinkulturlandschaft mit ihrer großartigen Tradition und einzigartigen Geschichte.

Für jene, die eher italienorientiert sind, ist die Toskana die klassische Sehnsuchtslandschaft. Bei den Frankophilen ist es wohl die Provence. Diese südliche Region ist die perfekte Landschaft, um glücklich zu werden. Dazu tragen sanfte Hügel, aber auch Berge wie der Mont Ventoux und die Montagne Sainte-Victoire bei, ferner pittoreske alte Dörfer, Klöster und Städte wie Aix-en-Provence oder Arles. Und dann sind da natürlich noch die endlosen Lavendelfelder, die Garrigue und das oft türkisblaue Wasser der Côte d’Azur. Das besondere Licht der Provence haben Maler wie Vincent van Gogh, Paul Cézanne und andere einzufangen versucht. Es trägt auch dazu bei, dass dort besonders gute Weine entstehen. Vor allem ist es Rosé aus den Côtes de Provence, den Côteaux d’Aix en Provence und den Côteaux Varois en Provence. Dort entstehen nicht nur 86 % aller Weine der Provence, sondern auch mehr als 50 % aller Rosé-Weine Frankreichs. Nirgendwo sonst ist diese Wein-Variante so erfolgreich, und das schon seit mehr als hundert Jahren. Ein Ende scheint nicht in Sicht, wenn man verfolgt, wer in den letzten Jahren dort investiert hat. Doch neben dem Rosé gibt es noch einige weitere bedeutende Appellationen. Dazu zählt Cassis als Ort des Weißweins, und dazu gehören Les Baux-de-Provence und Bandol als Herkunftsorte teils großer Rotweine.

Wie alles begann

Die Provence gehört zu den ältesten Weinbaugebieten des Kontinents. Ähnlich wie auf Sizilien und Süditalien waren es Phönizier und Griechen, die an der Küste landeten, dort siedelten und unter anderem das heutige Marseille gründeten. Sie fuhren mit ihren Booten die Rhône und andere Flüsse hinauf, siedelten dort und bauten ihre Reben an. So dürfte es Weinbau in der Region schon seit dem sechsten Jahrhundert v. Chr. geben. Möglicherweise aber wurde er bereits von den Kelten betrieben, was sich jedoch nicht zweifelsfrei belegen lässt. Die erste Hochphase des Weinbaus kam dann mit den Römern, die das Gebiet ab 154 v. Chr. in Besitz nahmen und es Provincia Romana nannten, woraus der Name Provence entstanden ist. In der römischen Armee war es üblich, dass Veteranen beim Ausscheiden aus der Armee ein Stück Land, Saatgut und Rebstöcke erhielten, und wenn man die Landschaft kennt, so verwundert es nicht, dass viele in der Provence blieben. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches wurde die Provence genauso Schauplatz von Auseinandersetzungen wie die meisten anderen Landesteile. Mal gehörte sie zum Frankenreich, mal zum Königreich Burgund, dann zum Königshaus von Aragón, später den Fürsten von Anjou oder den Königen von Sardinien, bis Frankreich in seiner heutigen Form entstand. Vor der Französischen Revolution waren es vor allem die Abteien, die den Weinbau pflegten. Ab dem Hochmittelalter erlebte der Weinbau einen Aufschwung. Zu nennen wären die Abteien Saint-Victor de Marseille, Notre-Dame de Lérins auf der Insel Saint-Honorat (vor der Küste von Cannes), Saint-Pons in Nizza und Le Thoronet mit vielen Nebenklöstern. Ab dem 14. Jahrhundert erwarben auch Adelsfamilien, Honoratioren und hohe Offiziere der königlichen Armee vielfach Weinberge in der Provence. Unterschiedliche Einflüsse gab es nicht nur in der Baukultur oder der Essenskultur, sondern auch im Weinbau, wo sich durchaus ungewöhnliche Rebsorten und Rebsortenkombinationen finden.

Rebsorten der Provence

Typisch für die Provence sind die südlichen roten Rebsorten Syrah, Grenache, Mourvèdre, Carignan und Cinsault. Schon etwas ungewöhnlicher ist, dass sich dort auch oft der Cabernet Sauvignon in die Cuvées mischt. Seltene Sorten dagegen sind der Tibouren, der Calitor Noir, der Barbaroux, die Folle Noire und der Braquet Noir. Wichtige weiße Sorten sind Rolle (Vermentino), Ugni Blanc (Trebbiano Toscana), Clairette, Sémillon und Grenache Blanc, aber auch Bourboulenc Blanc und Marsanne. Außergewöhnlich ist auch, dass in der Provence aus historischen Gründen Anteile von weißen Trauben für den Rosé der Region mitvergoren werden dürfen. EU-rechtlich ist das eine Ausnahme.

Die Côtes de Provence

Von den rund 27.000 Hektar, die in der Provence unter Reben stehen, gehören knapp 80 % zu den Côtes de Provence. Das Gebiet liegt im Südosten und reicht von Fréjus über Saint-Tropez bis kurz vor Toulon und fast nach Salernes ins Hinterland. Zudem gibt es noch zwei kleinere Gebiete oberhalb von Marseille. Insgesamt teilt sich das Gebiet in fünf Sub-Appellationen mit insgesamt drei unterschiedlichen Bodentypen. Es sind die Côtes de Provence Sainte-Victoire, Fréjus, La Londe, Pierrefeu-du-Var und Notre-Dame des Anges.

Die Weinberge der Côtes de Provence Sainte-Victoire befinden sich am Fuße desBerges Sainte-Victoire. Im Süden durch den Mont Aurélien und die GebirgsketteSainte-Baume vor maritimen Einflüssen geschützt, erstreckt die Appellation sichüber die Hänge des oberen Arc-Tals. Die Böden bestehen vor allem aus Kalkstein und tonhaltigem Sandstein. Dort entstehen teils großartige delikate oder kräftige Rotweine und elegante Rosés.

Der Bereich Fréjus liegt im äußersten Osten der Appellation Côtes de Provence und besteht aus Hügeln, die den Küstenfluss Argens von Westen nach Osten begleiten und sich direkt zum Mittelmeer hin öffnen. Die Offenheit zum Meer verleiht der Sub-Appellation ein besonderes Klima. Es herrscht eine fast ununterbrochene Ventilation bei mäßigen Temperaturschwankungen. In Fréjus gibt es drei Bodentypen: rote Böden, die aus der sandig-tonigen Umwandlung von Sandstein und Peliten aus dem Perm hervorgegangen sind, sodann Füllboden auf einer Plattform aus dem Perm (steiniger roter, sandiger Ton, weißlicher Lehm-Ton auf Tuff, gelber bis weißlicher Lehm-Ton auf marinen Ablagerungen aus dem Pliozän) und schließlich sandige Böden, die aus der 
Umwandlung von metamorphen Gesteinen des Massif des Maures hervorgegangen sind.

Die Weinberge von La Londe befinden sich auf einer Landzunge an der Küste imSüdwesten des Massif des Maures. Die Reben wachsen gegenüber dem Meer mit Blick auf die Inseln Porquerolles, Port-Cros und Le Levant. Die unmittelbare Nähe zum Mittelmeer bestimmt das spezifische Klima. Es gibt viel Sonnenschein, und Meeresbrisen sind konstant vorhanden, variieren aber stark. In diesem von Felsen durchsetzten Gebiet gibt es Bodentypen, die von grobtafeligem Schiefer, französisch Phyllade, geprägt sind und manchmal mit Quarzit, manchmal mit Sandstein vermischt sind.

Die Weinberge von Pierrefeu-du-Var liegen im westlichen Teil der Côtes de Provence, im Süden begrenzt durch das Massif des Maures und im Norden durch die Kalksteinplateaus des Var Central. Das Klima der Region vermischt mittelmeerische mit kontinentalen Einflüssen aus dem Landesinneren. Die Temperaturschwankungen sind moderat. Die Weinberge befinden sich auf einer Höhe von weniger als 400 Metern. Die Böden der Region sind rote Sand-Ton-Böden aus dem Perm, steinige Böden mit Kalksteinablagerungen oder rotbraune Ton-Schluff-Böden mit Schieferablagerungen.

Notre-Dame des Anges ist 2019 als jüngste Sub-Appellation entstanden und trägt den Namen in Anlehnung an den höchsten Punkt des Massif des Maures (767 m) mit seinem nationalen Naturschutzgebiet Plaine des Maures. Die Region Notre-Dame des Anges ist durch das Massif des Maures von jeglichem direkten maritimen Einfluss abgeschnitten und entsprechend mehr kontinental geprägt mit kühlen und feuchten Wintern sowie besonders heißen und trockenen Sommer. Der gesamte Bereich befindet sich auf derselben geologischen Formation, dem Permsandstein aus dem Paläozoikum, mit Schieferan den Rändern des Maures-Gebirges, Sand und Peliten, deren rote Farbe eines der sichtbaren Merkmale dieses Terroirs ist, sowie alten Schwemmlandterrassen des Flusses Aille mit ihren auch für die Rhône-Region so typischen runden Kieseln, den Galets roulés.

Rund 80 % der Produktion sind Roséweine. Viele von ihnen wurden lange Zeit über in einer Flasche abgefüllt, die ein wenig an Amphoren erinnerte. Heute gibt es viele Flaschen-Varianten. Gerade im hochpreisigen Segment, in dem Rosé teils über 100 Euro kostet, sind individuelle Flaschen gefragt. Der Rosé der Region hat vor allem mit diesen edlen Varianten, die auch als Saint-Tropez-Stil bezeichnet werden, einen enormen Aufschwung erfahren. Heute investieren dort Champagne-Weingüter, Konzernchefs und Filmstars und kaufen sich nicht mehr nur an der Küste Villen, sondern gerne auch historische Landsitze im Hinterland.

Coteaux d’Aix-en-Provence

In der Region, die nach der Stadt Aix-en-Provence nördlich von Marseille benanntist, entstehen auf rund 4.300 Hektar Rebfläche rund 32 Mio. Flaschen jährlich. 86% davon sind Rosé. 30 % der Fläche sind biologisch-organisch und/oder nachhaltig zertifiziert.

Die Weinberge der Coteaux d'Aix-en-Provence sind die am weitesten westlich gelegenen Weinberge der Provence. Neben den Hängen von Sainte-Victoire im Osten konzentriert sich der Weinbau auf ein paar weitere Mittelgebirge, die parallel zur Küste verlaufen. Dazu gehören u. a. die Chaîne de la Nerthe, die Chaîne de la Trévaresse, verlängert durch die Chaîne des Alpilles. Das Klima ist stark vom Mistral beeinflusst, einem überwiegend kalten und trockenen Fallwind aus dem Norden. Der Boden ist vor allem von Kalk, steinigem Ton und teilweise auch von Sanden, von Kiesen auf Molasse und Sandstein oder steinigem Lehm auf den Terrassen des Arc und der Durance geprägt.

Südlich der Stadt Aix befindet sich die kleine und exklusive Appellation Palette, deren Weine oft als Grands Crus der Region bezeichnet werden. Gerade einmal 40 Hektar gehören dazu, auf denen aber rund 30 Sorten stehen. Das Château Simone ist sicher das berühmteste Weingut der Gegend. Die Rotweine, Rosés und Weißweine können bei guten Jahrgängen Jahrzehnte reifen. Neben den bereits erwähnten Sorten findet man hier auch Brun Fourca, Castets, Durif, Muscat d’Hamburg, Téoulier Noir und Tibouren sowie die weißen Sorten Aragnan Blanc (Picardan), Colombard, Muscat Blanc, Pascal Blanc, Piquepoul Blanc und Terret Gris.

Ähnlich exklusiv ist die Enklave Les-Baux-en-Provence. Der Ort ist sowohl berühmt für das nach ihm benannte Grundmaterial für die Aluminium-Herstellung, das Bauxit, als auch für Rotweine, die man als Grands Crus bezeichnen kann, wenn man zum Beispiel an die Domaine de Trévallon denkt. Die300 Hektar umfassende Appellation ist die erste in Frankreich, die durchgesetzt hat, dass ausschließlich biodynamisch zertifizierte Weingüter der Appellation angehören dürfen.

Coteaux Varois en Provence

Die Appellation Coteaux Varois en Provence liegt im Département Var im Herzen der Provence und bildet eine Enklave innerhalb der Côtes de Provence. Es werden auf 3.000 Hektar 93 % Rosé, 4 % Rotwein und 3 % Weißwein erzeugt. Die Quote der biologisch und HVE-zertifizierten Weingüter liegt bei knapp 60 %.

Die Weinberge befinden sich in 28 Gemeinden rund um Brignoles, die ehemalige Sommerresidenz der Grafen der Provence. Das Terroir ist deutlich von Kalk geprägt und liegt auf durchschnittlich 350 Metern, wobei sich die höchsten Parzellen auf 500 Metern befinden. Das Massif de la Sainte-Baume, die Bessillonsund die Barres de Cuers sorgen für ein kontinentales Klima mit kalten Wintern, oft sehr milden Herbst- und Frühjahrsmonaten und heißen Sommern. Die Lagen von Kalkstein und kalkhaltigem Ton werden unterbrochen von Bereichen aus feinem Kies und Feuerstein.

Bandol

Seit Jahrhunderten gehört Bandol, das ganz im Süden gelegene Küstenstädtchen an der Côte d’Azur, zu den berühmtesten Weinbaugebieten Frankreichs. Die 1.600 Hektar reichen vom Massif de la Sainte-Baume bis zum Mittelmeer. Die wichtigste Rebsorte, der Mourvèdre, der hier ideale Voraussetzungen hat, hat wahrscheinlich schon im Mittelalter für die Güte der Weine bestimmt, deren Fässer damals bereits mit einem großen B gebrandmarkt wurden. Die Winzer des Ortes hatten sich schon früh besondere Qualitätskriterien auferlegt – Vorläufer der späteren Appellationsrichtlinien. Und ihre Weine wurden später bis nach China und Lateinamerika verschifft. Heute sind es 50 Weingüter, die teils Rotweine in Grand-Cru-Qualität erzeugen. Mindestens 50 % der Cuvées sind Mourvèdre, der Rest Grenache und/oder Cinsault sowie maximal 15 % Syrah und/oder Carignan. Die kleinen Mengen Weißwein werden aus Bourboulenc, Clairette, Ugni Blanc und höchstens zu 40 % aus Sauvignon Blanc erzeugt.

Für Weißweine ist Cassis berühmt. Der Name, der eigentlich für Schwarze Johannisbeeren steht, stammt von der gleichnamigen Ortschaft bei Marseille. Die Weißweine mit Cru-Status sind Cuvées aus Clairette, Marsanne, Ugni blanc, Sémillon und auch Sauvignon blanc.