Generationswechsel Languedoc

Generationswechsel Languedoc

Nach dem letzten Blog-Beitrag zum Thema Generationswechsel im Rheinhessen möchten wir heute über selbige Ereignisse im französischen Languedoc sprechen – den auch hier gilt: »Generationswechsel im Languedoc = Qualitätsaufstieg der Sonderklasse!«

Nie gab es so viele gute oder gar exzellente Weine wie heute, und das gilt für fast alle Weinbauregionen der Welt. Das liegt einerseits natürlich am Generationenwechsel in den Weingütern. Die Kinder treten in die Fußstapfen der Eltern, haben aber dank einer internationalen Ausbildung teilweise weitaus höhere Ansprüche an die Qualität und Stile der Weine. Es liegt aber auch daran, dass ganze Regionen aus dem Dornröschenschlaf erwachen und plötzlich mit fantastischen und originellen Weinen etablierten Regionen die Stirn bieten. Eine dieser Regionen ist das Languedoc im Süden Frankreichs!

Die Geschichte des Languedoc

Das Languedoc gehört zu den ältesten Weinbauregionen in Europa. Vermutlich haben hier aber nicht erst die Römer auf ihren Eroberungszügen den Rebstock implementiert. Forscher gehen davon aus, dass dies bereits zuvor die Griechen vollbrachten, möglicherweise aber sogar die Phönizier ca. 3.000 v. Chr.

Viele Jahrhunderte allerdings blieb das Languedoc unbeachtet, lag im Schatten berühmter Regionen wie Bordeaux oder Burgund. Wein wurde angebaut – und kaum jemand nahm Notiz davon. Das änderte sich erst, als im 17. Jahrhundert der Kanal du Midi gebaut wurde. Das Jahrhundertwerk verband das Mittelmeer mit Bordeaux und verlief genau durch das Languedoc. Da bemerkten Winzer und Chateaus in Bordeaux den Weinbau im Süden Frankreichs, allerdings in einer Art und Weise, die nicht unbedingt zu einer Qualitätssteigerung führte. Denn die Weine des Languedoc waren farbintensiver und alkoholreicher als in Bordeaux und so nutzen gewiefte Kellermeister diese Weine um ihren eigenen mitunter etwas schwächelnden Gewächsen Kraft, Fülle und Farbe zu verleihen.

Das änderte sich, als die Bordeaux-Weine vor allen Dingen im 19. Jahrhundert qualitativ einige Schritte nach vorne machten. Doch entdeckten jetzt die Italiener, dass man mit den Weinen des Langeudoc den Eigenen hier und da auf die Beine helfen konnte. Das blieb auch durchaus über weite Strecken des 20. Jahrhunderts so.

Generationswechsel Languedoc

Generationswechsel im Languedoc

Die große Wende wurde von 2 Ereignisse eingeläutet: zum einen kam zu Beginn der 90er Jahre ein Wein aus der Subregion »L´Herault« auf den Markt, der für Furore sorgte. Sein Name: Mas de Daumas Gassac! Dessen außergewöhnliche Qualität machte Weinmacher, vor allem aus der Neuen Welt, auf die Region aufmerksam. Deshalb wurde das Languedoc mit großem Interesse bereist. Was sie vorfanden, machte sie in jeder Hinsicht sprachlos. Da war auf der einen Seite ein vielfältiges und bestens geeignetes Terroir, ebenso ein konstantes, warmes und trockenes Klima mit einem berechenbaren Witterungsverlauf. Auf der anderen Seite waren da heruntergewirtschaftete Weinberge und veraltete Kellereinrichtungen zuhauf, kurzum, eine Winzerschaft, die dieses einzigartige Potential über weite Strecken einfach nicht nutzten. Die Weinmacher machten sich an die Arbeit und begannen all jene zu beraten, die ihnen Gehört schenkten – die »Flying Winemaker« waren geboren. Die Flying Winemaker trugen maßgeblich zum Generationswechsel im Languedoc bei, da sie in jungen WinzerInnen Passion aufleben liesen.

Neue Generation – neue Tradition

Und diese Beratung setzte in der Folgezeit eine Revolution in Gang. Viele Söhne und Töchter der Winzer machten sich auf den Weg zu einer gediegenen Ausbildung, einige absolvierten Praktika im Ausland, etwa in Australien oder in Südafrika. Gleichzeitig entwickelte sich das Languedoc zu einem Paradies für Aussteiger, bzw. Weineinsteiger. Was in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die Toskana beflügelte, fand nun im Languedoc seine Fortsetzung. Manager von Marketing- oder Werbeagenturen, oder auch von Industriebetrieben tauschten den bequemen Schreibtisch mit der harten Arbeit im Weinberg und investierten ihr Vermögen in Weingarten, Keller und fachlich qualifiziertes Personal. Somit war hier nicht nur ein Generationswechsel im Languedoc im Gange, sondern auch eine allgemeine Umorientierung. Ausschlaggebend waren die Preise für Weinberge oder Parzellen, die nach wie vor, im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Frankreichs, noch bezahlbar sind.

Der Generationswechsel im Languedoc Heute

Generationswechsel im Weinberg

Das hat auch namhafte oder gar berühmte Erzeuger dazu verführt, im Languedoc Weinberge zu erwerben und ihr Schaffen auf diese Region auszudehnen. Da wären etwa die Domaines Barons de Rothschild (Lafite) mit ihrem »Chateau d´Aussière« zu nennen, und auch der andere Zweig der Rothschilds, Baron Philippe de Rothschild (Chateau Mouton-Rothschild) hat hier investiert.

Ganz ohne Frage, diese Entwicklung hat den schönen Süden Frankreichs enorm inspiriert und vorangebracht. Auch wenn es nach wie vor die schlichten und einfachen Weine gibt, so vollzieht sich hier ein Wandel, der nicht mehr aufzuhalten ist. Dieser Weg hat das Languedoc zu einem der attraktivsten und faszinierendsten Weinbauregionen in Europa verwandelt. Heute findet der Weinfreund und Liebhaber eine Vielzahl spannender, hochwertiger Weine – weiß, rosé, rot, edelsüß und auch schäumend. Darunter sind Gewächse, die den Vergleich mit den Granden Frankreichs, etwa den Spitzenweinen aus Bordeaux, nicht zu scheuen brauchen. Und mit einem Wein wie dem »Domaine de la Gange de Père« kann das Languedoc auch einen längst sagenumwobenen und legendären Wein vorweisen, der in Fachkreisen Kultstatus genießt. Schade nur, dass es so wenig Flaschen dieser Essenz gibt, dass es für die meisten Weinfreunde beim Hörensagen bleiben wird.

Auf die weitere Entwicklung des Languedoc darf man auf jeden Fall gespannt schauen, da bewegt sich richtig etwas!