Barbera d'Asti

Von den beiden Piemonteser Flagschiff-Regionen für Barbera, Asti und Alba, ist Asti die entschieden größere. Über 167.000 Hektoliter der „Volkstraube“ Barbera wurden hier im Jahr 2018 von rund 5.800 Winzern erzeugt.

 

Wo Rosso draufsteht, ist Barbera drin

Über 3.500 Hektar der italienischen DOCG Barbera d‘Asti sind mit der Rebsorte bestockt. Die Piemonteser DOCG umfasst nicht nur 116 Gemeinden in der gleichnamigen Provinz, sondern auch 51 weitere in der benachbarten Provinz Allesandria. Gegründet wurde das Anbaugebiet im Jahr 1970 als DOC, 2008 wurde es dann zur DOCG erhoben, von der im Jahr 2014 die ehemalige Subzone „Nizza“ als dann eigenständige DOCG abgespalten wurde.

Barbera ist die nämlich einzige Rebe, die bei Rotweinen aus Asti als Hauptsorte zugelassen ist. Ergänzend zu insgesamt maximal 10 % zugelassen sind die ebenfalls authochthonen Rebsorten Freisa, Grignolino und Docetto.

Die Mindestanforderung an die Weine sind:

Rosso

  • Alkohol: 12,0 %
  • Reifezeit: 4 Monate
  • Säure: 4,5 g/l
  • Trockenextrakt: 24 g/l

Superiore

  • Alkohol: 12,5 %
  • Reifezeit: 14 Monate (mind. 6 im Holzfass)
  • Säure:  4,5 g/l
  • Trockenextrakt: 25 g/l

Erfüllen die Weine die Anforderungen an einen Barbera d’Asti Superiore, wurde der Wein insgesamt für 24 Monate in den Keller gelegt und zwar jeweils mindestens sechs davon in Holzfass und Flasche. Stammen der Wein zudem zu 100 % aus einer der jeweiligen Unterregionen/Subzonen, dürfen sie folgende zusätzliche Ortsangaben auf die Etikett tragen: Colli Astiani (auch Colli Astiano) und Tinella.

Standen die Reben zudem einhundertprozentig in klassifizierten Weinbergen, darf der ebenfalls auf dem Etikett als „Vigna + Weinbergsname“ vermerkt werden.

Die Barbera – „Volksrebe“ mit Vergangenheit

Barbera – wegen der tiefdunklen Farbe ihrer Weine auch vollständig Barbera Nera genannt – ist eine ebenso alte wie weit verbreitete Rebsorte. Manche Weinhistoriker sehen ihre Herkunft im 13., einige sogar schon im 7. Jahrhundert. Eindeutig und zweifelsfrei belegt ist die Sorte dann in Schriften gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Ihre genaue Herkunft ist ungeklärt, da sich vor der ersten urkundlichen Erwähnung 1798 keine Schriftstücke zur Sorte im Piemont finden, vermuten einige Forscher ihren Ursprung nicht dort, sondern in der nicht weit entfernten Lombardei. Die genetische Herkunft scheint dagegen eindeutiger geklärt. Untersuchungen aus dem Jahr 2020 legen eine natürliche Kreuzung aus Coccalona Nera und einem noch nicht identifizierten Partner nahe.

Barbera ist zwar spätreifend, gilt aber als recht ertragreich. Sie bringt eher tanninarme – und damit früh zugängliche – und säurereiche Weine hervor. Die in der Regel recht üppig Ernte ist vermutlich der Grund dafür, dass sich die Sorte im 20. Jahrhundert riesiger Beliebtheit erfreut hat. Noch zu Anfang der 1990 waren mehr als 50.000 Hektar Rebfläche mit ihr bestockt – trotz eines ersten Einbruchs in den 1980er Jahren, als die – daran eigentlich völlig unschuldige – Sorte im Zusammenhang mit Methanol-Weinpanschereien und 30 Todesfällen in der Folge in Verruf geriet. Sie ist zwar bis heute mit immer noch 31 % der gesamten Anbaufläche die häufigste im Piemont anzutreffende Rebe, aber mit gerade 14.000 Hektar Anbaufläche (Zahlen von 2022) nur noch ein Schatten vergangener großer Zeiten.

Fruchtige Alternative zum Tannin von Barolo und Barbaresco

Das ist bedauerlich; denn sorgsam vinifiziert und vor allem bei entsprechender Ertragsreduktion liefert die Sorte feine, je nach Ausbau auch gut alterungsfähige Weine, die sich insbesondere durch eine kräftig-intensive Kirschfrucht auszeichnen. Die Farbe ist typischerweise rubin- bis granatrot. Nicht umsonst nimmt die Rebsorte im renommierten Gambero Rosso inzwischen hinter dem dominierenden Nebbiolo den zweiten Platz unter den höchst ausgezeichneten Tre-Biccheri-Weinen im Piemont ein. Die höherwertigen Qualitäten werden entweder im Barrique ausgebaut, insbesondere Traditionalisten greifen aber auch gern wieder auf die in früheren Zeiten benutzten größeren Holzgebinde aus Eiche oder auch Kastanie zurück. Für einfachere – oder besser: schneller trinkreife – Vinifizierungs-Varianten kommt auch Edelstahl und der früher gebräuchliche Zementtank zum Einsatz.