Klassik und Moderne
Natürlich gibt es klassische Verbindungen, die sich über Generationen bewährt haben. Bordeaux zum Lamm, Burgunder zur Ente usw. Daran ist nichts falsch. Aber unsere Küche hat sich weiterentwickelt, und ich habe heute Gewürze im Regal und Zutaten im Kühlschrank, an die ich vor zehn Jahren noch gar nicht gedacht hätte.
Miso, Tahini, Gochujang, Harissa, Sojasauce und Kimchi sind längst keine exotischen Spezialitäten mehr. Wir bereiten Bowls zu, rösten Gemüse, fermentieren Kohl, essen Ramen und Falafel und entdecken, dass Aubergine, Blumenkohl oder Spitzkohl die Hauptrolle auf dem Teller spielen können. Selbst die Fischkonserve erlebt eine Renaissance. Wer einmal hochwertige portugiesische Sardinen in Olivenöl probiert hat, weiß, dass daraus mit wenig Aufwand eine ausgezeichnete Mahlzeit entstehen kann. Nur stellt sich dabei eine Frage, die klassische Weinbücher kaum beantworten: Was trinken wir eigentlich dazu?
Von Miso-Auberginen und Riesling Kabinett
Nehmen wir eine im Ofen geröstete Aubergine mit Miso-Glasur. Die Aubergine bringt eine cremige Textur mit, das Miso Umami, Salz und eine leichte Süße, dazu kommen die Röstaromen. Ein Chenin Blanc von der Loire mit etwas Reife könnte wunderbar passen. Oder ein Chardonnay mit dezentem Holzeinsatz. Beide haben genügend Substanz und Frische, um mit den intensiven Aromen mitzuhalten.
Oder denken wir an Fried Chicken. Knusprig ausgebackenes Hähnchen, saftig und würzig. Was spricht dagegen, dazu Champagner zu öffnen? Fett, Salz und knusprige Panade harmonieren hervorragend mit der Frische eines Schaumweins. Wer schon mal im New Yorker Coqodaq war, weiß, wovon ich rede. Kürzlich erzählte mir ein Sommelier aus einem bekannten Schweizer Hotel, seine Gäste bestellten sich immer häufiger Chicken Nuggets von der Kinderkarte, dazu Kaviar und Champagner. Geht übrigens auch mit Lachs- oder Saiblingsrogen und gutem deutschem Winzersekt. Kommt allerdings eine koreanische Gochujang-Sauce oder eine chinesische süß-saure Sauce ins Spiel, lohnt sich eher ein feinherber Riesling, abgesehen davon, dass gut gemachter restsüßer Champagner gnadenlos unterschätzt wird.
Riesling mit etwas Restsüße ist auch sonst ein großartiger Begleiter der modernen, international inspirierten Küche und häufig besser geeignet als die trockene Variante. Ein Kabinett mit moderatem Alkohol und lebendiger Säure kann hervorragend mit der Schärfe und den fermentierten Aromen von Kimchi umgehen. Die leichte Süße mildert das Chili, die Säure sorgt für Frische.
Eine andere Richtung schlagen wir mit den Sardinen ein. Fischkonserven aus Portugal, Frankreich oder Spanien, geröstetes Brot, etwas Zitrone und eingelegtes Gemüse – fertig ist ein wunderbares Abendessen. Zu fettreichen Fischen wie Makrele könnte ich mir einen charaktervollen weißen Douro vorstellen, zu leichteren Konserven einen Vinho Verde, Muscadet oder frischen Albariño. Auch ein nicht zu gerbstoffreicher maischevergorener Weißwein kann mit seiner herben Zitrusaromatik und Würze hervorragend funktionieren. So genannte Orangeweine sind mit ihrer Kombination aus leichtem Gerbstoff und frischer Säure oft sogar die idealen Begleiter einer modernen Küche.