Das Besondere des Jahrgangs 2025
Manche Vorpremieren machen aufgrund des Jahrgangs mehr Freude als andere. Einer der schwierigsten zu probierenden war beispielsweise der 2021er-Jahrgang. Ein kühler Jahrgang mit geschliffener Säure, der die Zahnhälse über die drei Tage hinweg aufs Äußerste gefordert hat. 2025 ist viel charmanter und hat weniger Spuren hinterlassen. Wenn man es auf den Punkt bringen will, dann ist 2025 ein People Pleaser, einer, der von Beginn an mit Offenheit und Charme begeistert, ohne auch nur im Geringsten banal zu sein. In den letzten zehn Jahren hatte ich immer häufiger den Eindruck, dass viele Winzer ihre Riesling-GGs immer karger gemacht haben, fast bis zur Skelettierung der Weine, weil sie meinten, dass ihre Weine früher zu üppig und fruchtbetont waren, was einem Großen Gewächs nicht wirklich gut zu Gesicht stehen würde. Ich glaube, dass das ein Irrweg war, bei dem die Betriebe viele Kunden verloren haben. So langsam dreht sich das Rad wieder zurück, und gerade mit 2025 bekommen wir Weine ins Glas, die durchaus auf Weltklasse-Niveau einzuordnen sind und bei denen man trotzdem das Gefühl hat, dass sie einen jetzt schon umarmen wollen. Grundsätzlich findet man weniger Reduktion, also Knallplättchen oder Zündholz, dafür mehr Frucht, eine reife Säure, die trotzdem Spannung behält, und das Gefühl von Mineralität, das für ein elektrisierendes oder vibrierendes Moment sorgt. Viel Gutes kommt von der Nahe und aus der Pfalz, der Überflieger bei den Rieslingen war für mich in diesem Jahr aber Rheinhessen.
Und auch ein Blick auf 2024
Wenn man genauer hinschaut, dann haben sich auch in diesem Jahr wieder viele Weingüter entschieden, ihre GGs ein Jahr länger reifen zu lassen, und entsprechend den 2024er-Jahrgang präsentiert. Für Weiß-, Grau- und Spätburgunder sowie Chardonnay ist das normal, bei den Rieslingen kommt es immer häufiger vor. Während der 2024er-Jahrgang im letzten Jahr in Wiesbaden nicht als herausragend wahrgenommen wurde, habe ich viele der diesmal angestellten 2024er-Rieslinge als exzellent wahrgenommen. Ihnen hat ein Jahr mehr Entwicklung oft sehr gutgetan. Die Burgunder aus dem Jahrgang 2024 wurden sehr unterschiedlich wahrgenommen. Viele Betriebe hatten mit Spätfrösten zu tun. Trotzdem sind in der Pfalz, in Franken, in Württemberg und speziell in Baden einige exzellente Weine, vor allem Spätburgunder und nicht zuletzt auch Grauburgunder (ja, die gibt es auch als GG), entstanden. Auch bei diesen hatte ich den Eindruck, dass sie so viel Sinnlichkeit und Offenheit in sich tragen, dass man sich nicht vor frühem Genuss scheuen muss. Sind das nicht gute Nachrichten?