Kolumne #8 - VDP Große Gewächse 2025

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VDP Große Gewächse 2025 – viel Wein, wenig Askese

"Wenn am 1. September eines jeden Jahres der neue Jahrgang der Weine aus den Großen Lagen des VDP, die sogenannten Großen Gewächse, veröffentlicht wird, dann haben einige Tage vorher rund 250 Weinjournalisten, Einkäufer und Händler, Sommeliers und Influencer aus der ganzen Welt ihren Job schon gemacht. Und der heißt, sich ein Bild vom Jahrgang zu machen, indem man in Wiesbaden in den Kurhaus-Kolonnaden aus einem Angebot von 396 Weinen – denn so viele waren es in diesem Jahr – auswählt, was man gerne probieren möchte...." eine Kolumne von Weinjournalist & Autor Christoph Raffelt

Veröffentlicht am 07. September 2026

Perfekt organisiert

Es ist ein einzigartiges Tasting, was ich gerade von internationalen Kolleginnen und Kollegen immer wieder höre. Der VDP, der Verband Deutscher Prädikatsweingüter, lässt sich auch nicht lumpen und lädt internationale Stimmen aus der ganzen Welt ein und organisiert für sie im Vorfeld ein Rahmenprogramm in einem der regionalen Verbände, beispielsweise im Rheingau, an der Ahr oder in Franken, wo sie noch ein paar Tage lang tiefer eintauchen können in die Welt der VDP-Weingüter. An den drei Tagen selbst werden wir bestens betreut und versorgt, setzen uns an unseren Platz, bekommen Materialien, haben Gläser vor uns stehen, ein Heft mit allen Weinen, gegliedert in Flights, und einen Abreißblock, auf dem wir die Flights notieren können, die dann an unseren Platz gebracht werden.

Broschüre GG Release
VDP-Vorpremiere
Riesling Verkostung
GG-Verkostung

Kann man so viele Weine unterscheiden?

Ein Schlaraffenland? Nun ja. Das mag von außen erst einmal so wirken. Doch immerhin probiert man Hunderte von Weinen, und gesund ist das nicht. Spannend aber allemal, weshalb ich mir das immer wieder aufs Neue antue und bei mir im Blog auch live berichte. Tatsächlich habe ich in diesem Jahr 380 der 396 Weine probiert. „Wie ist das möglich?“, mögen Sie sich nun fragen. „Schmeckt das nicht irgendwann alles gleich?“ Tatsächlich nicht. Aber das ist einerseits Übungssache, denn früher hätte ich das auch nicht geschafft, andererseits habe ich immer wieder das Gefühl, morgens um 9 Uhr in einen Tunnel zu fahren, in dem ich bis 17 Uhr nur hier und da kurz an den Rand fahre, um Nahrung aufzunehmen, und dann die Fahrt fortsetze. Ich nehme neben dem Verkosten kaum etwas anderes wahr.



Manches kann man diskutieren

Obwohl die Veranstaltung exzellent organisiert ist, wurde in diesem Jahr deutlich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. So waren 2026 26 Weingüter weniger dabei, die früher regelmäßig Weine angestellt haben, und damit auch rund 100 Weine weniger. Das hat verschiedene Gründe. Für manche waren die Erträge zu gering – vor allem im Jahrgang 2024, denn auch aus diesem Jahr wurden viele Weine angestellt, vor allem Burgunder. Immer häufiger aber habe ich gehört, dass Weingüter nicht mehr teilnehmen, weil sie von den vielen Verkostern und Verkosterinnen ignoriert werden, weil nur noch die großen Namen zählen, cherry picking also. Der VDP hat das in gewissem Maße noch forciert, weil er den Sonntag der Veranstaltung, der lange nur für Burgunder und Silvaner reserviert war, im letzten Jahr geöffnet hat, sodass auch schon am ersten Tag Rieslinge probiert werden können. Daher haben sich nicht zuletzt einige Silvaner-Weingüter zurückgezogen, was ich sehr bedauere – was klar sein dürfte, wenn Sie meine letzte Kolumne gelesen haben.


Die GG-Premiere findet alljährlich im erwürdigen Kurhaus in Wiesbaden statt.

Das Besondere des Jahrgangs 2025

Manche Vorpremieren machen aufgrund des Jahrgangs mehr Freude als andere. Einer der schwierigsten zu probierenden war beispielsweise der 2021er-Jahrgang. Ein kühler Jahrgang mit geschliffener Säure, der die Zahnhälse über die drei Tage hinweg aufs Äußerste gefordert hat. 2025 ist viel charmanter und hat weniger Spuren hinterlassen. Wenn man es auf den Punkt bringen will, dann ist 2025 ein People Pleaser, einer, der von Beginn an mit Offenheit und Charme begeistert, ohne auch nur im Geringsten banal zu sein. In den letzten zehn Jahren hatte ich immer häufiger den Eindruck, dass viele Winzer ihre Riesling-GGs immer karger gemacht haben, fast bis zur Skelettierung der Weine, weil sie meinten, dass ihre Weine früher zu üppig und fruchtbetont waren, was einem Großen Gewächs nicht wirklich gut zu Gesicht stehen würde. Ich glaube, dass das ein Irrweg war, bei dem die Betriebe viele Kunden verloren haben. So langsam dreht sich das Rad wieder zurück, und gerade mit 2025 bekommen wir Weine ins Glas, die durchaus auf Weltklasse-Niveau einzuordnen sind und bei denen man trotzdem das Gefühl hat, dass sie einen jetzt schon umarmen wollen. Grundsätzlich findet man weniger Reduktion, also Knallplättchen oder Zündholz, dafür mehr Frucht, eine reife Säure, die trotzdem Spannung behält, und das Gefühl von Mineralität, das für ein elektrisierendes oder vibrierendes Moment sorgt. Viel Gutes kommt von der Nahe und aus der Pfalz, der Überflieger bei den Rieslingen war für mich in diesem Jahr aber Rheinhessen.



Und auch ein Blick auf 2024

Wenn man genauer hinschaut, dann haben sich auch in diesem Jahr wieder viele Weingüter entschieden, ihre GGs ein Jahr länger reifen zu lassen, und entsprechend den 2024er-Jahrgang präsentiert. Für Weiß-, Grau- und Spätburgunder sowie Chardonnay ist das normal, bei den Rieslingen kommt es immer häufiger vor. Während der 2024er-Jahrgang im letzten Jahr in Wiesbaden nicht als herausragend wahrgenommen wurde, habe ich viele der diesmal angestellten 2024er-Rieslinge als exzellent wahrgenommen. Ihnen hat ein Jahr mehr Entwicklung oft sehr gutgetan. Die Burgunder aus dem Jahrgang 2024 wurden sehr unterschiedlich wahrgenommen. Viele Betriebe hatten mit Spätfrösten zu tun. Trotzdem sind in der Pfalz, in Franken, in Württemberg und speziell in Baden einige exzellente Weine, vor allem Spätburgunder und nicht zuletzt auch Grauburgunder (ja, die gibt es auch als GG), entstanden. Auch bei diesen hatte ich den Eindruck, dass sie so viel Sinnlichkeit und Offenheit in sich tragen, dass man sich nicht vor frühem Genuss scheuen muss. Sind das nicht gute Nachrichten?

Verkostung VDP-Wein
Leere Flaschen nach Verkostung

Ein Gastbeitrag von Christoph Raffelt (originalverkorkt.de)

Christoph schreibt seit 2007 über Wein. Zunächst und bis heute auf „Originalverkorkt – über flüssige und überflüssige Eskapaden“, seit 2010 auch für Magazine. Dazu gehören „Der Feinschmecker“, „Meiningers Weinwelt“ oder „Trink“. Zwischen 2012 und 2016 hat er fest für Hawesko und Tesdorpf gearbeitet, seit 2016 ist er selbständig, hat das Büro für Wein & Kommunikation gegründet, Veranstaltungen wie den „Riesling Swag“ aus der Taufe gehoben und mit „Originalverkorkt.de“ den ersten deutschsprachigen Weinpodcast lanciert.