Was Bollinger Champagner besonders macht
Bollinger gründet seinen Stil auf fünf greifbare Prinzipien, die das Haus seit Generationen konsequent verfolgt: rund 180 Hektar eigene Weinberge, die zu 85 Prozent in Grand- und Premier-Cru-Lagen liegen, einen ungewöhnlich hohen Anteil an Pinot Noir, der den Cuvées Kraft und Weinigkeit gibt, die Vinifikation in rund 4.000 alten Eichenfässern, die von einem hauseigenen Küfer gepflegt werden, eine Sammlung von rund einer Million Magnumflaschen mit Reserveweinen, wie sie in der Champagne einzigartig ist, sowie eine Hefereife, die stets zwei- bis dreimal so lange dauert, wie die Appellation es verlangt. Aus diesem Zusammenspiel entsteht ein dichter und zugleich feiner Champagnerstil, der die Intensität großer Pinots mit der Frische des Chardonnays von der Côte des Blancs verbindet, eine cremige Perlage zeigt und den Champagnern von Bollinger eine Nähe zu großen Stillweinen verleiht, die sie zu vielseitigen Begleitern am Tisch macht.
Von der Gründung in Aÿ zu einem der letzten großen Familienhäuser
Die Geschichte von Bollinger beginnt mit Athanase de Villermont, der ein großes Weingut am Rand von Aÿ geerbt hatte, als Adliger jedoch keinen Handel treiben durfte. Gemeinsam mit dem Weinhändler Joseph „Jacques“ Bollinger und dem Champenois Paul Renaudin gründete er am 6. Februar 1829 das Haus Renaudin-Bollinger & Cie, in dem Joseph den Verkauf und Paul den Keller verantwortete. Georges Bollinger führte das Haus durch die Reblauskrise, den Winzeraufstand von 1911 und den Ersten Weltkrieg, bevor sein Sohn Jacques die Gebäude erweiterte und die Weinberge um Rebflächen in Tauxières ergänzte.
Prägend wurde Elisabeth Bollinger, die das Haus nach dem Tod ihres Mannes bis 1971 leitete, es durch die schwierigen Kriegsjahre führte und den Champagner danach auf Reisen in der ganzen Welt bekannt machte. Von ihr stammt das vielzitierte Bekenntnis, das sie 1961 der Londoner Daily Mail gab: „Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich alleine bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“ Bis heute ist das Haus eng mit den Nachfahren der Gründer verbunden. Seit 2017 ist Charles-Armand de Belenet Geschäftsführer, und mit einer neuen Kellerei in Aÿ hat das Haus die Weichen für sein 200-jähriges Bestehen gestellt.
Die Weinberge von Bollinger: Pinot Noir aus der Montagne de Reims
Über Generationen hat Bollinger seine Weinberge in den besten Crus der Champagne aufgebaut. Die rund 180 Hektar verteilen sich auf sieben Weinbaugebiete: Aÿ, Avenay, Tauxières, Louvois und Verzenay rund um die Montagne de Reims liefern den Pinot Noir, Cuis an der Côte des Blancs den Chardonnay, und in Champvoisy im Vallée de la Marne wächst der größte Teil des Meunier. Der Pinot Noir, eine anspruchsvolle und empfindliche Rebsorte, deren Weine lange Zeit zur Entwicklung brauchen, nimmt mehr als 60 Prozent der Rebflächen ein, genau jenen Anteil, den er auch in der Special Cuvée hat.
Eine Besonderheit sind zwei kleine Parzellen in Aÿ, der Clos Saint-Jacques und die Chaudes Terres, deren Reben nie der Reblaus zum Opfer fielen. Diese wurzelechten, also nicht auf amerikanische Unterlagen gepfropften Stöcke werden vollständig von Hand bearbeitet und durch Absenker vermehrt, eine alte Technik, bei der ein Trieb in den Boden gelegt wird, bis er eigene Wurzeln bildet. Aus ihnen entsteht die seltene Cuvée Vieilles Vignes Françaises. Ebenfalls am Rand von Aÿ liegt der steile Hang La Côte aux Enfants, dessen Pinot Noir in einem eigenen Champagner abgefüllt wird.
Holzfass, Magnums und Zeit: die Arbeit im Keller
Im Keller verbindet Bollinger traditionelles Handwerk mit großer Geduld. Die Grundweine werden zu einem guten Teil in rund 4.000 alten Eichenfässern vinifiziert, von denen manche fast 100 Jahre alt sind und die vom letzten hauseigenen Küfer der Champagne gepflegt werden. Das Holz bringt eine sanfte Sauerstoffzufuhr mit sich, die den Weinen Tiefe und eine cremige Textur verleiht.
Ein weiteres Markenzeichen ist die Sammlung von rund einer Million Magnumflaschen mit Reserveweinen, die für die Special Cuvée und den Bollinger Rosé bestimmt sind. Diese Methode ist bei Bollinger seit 1890 belegt und in der Champagne einzigartig; die Magnums reifen unter Naturkork und bringen Komplexität sowie eine über die Jahre beständige Stilistik in die Cuvées ohne Jahrgang. Bei der Pressung verwendet Bollinger für seine Grundweine nur den ersten, feinsten Most. Schließlich reifen alle Champagner zwei- bis dreimal so lange auf der Hefe, wie es die Appellation vorschreibt. Erreicht ein Jahrgang nicht die Qualität für einen Jahrgangschampagner, verzichtet das Haus auf ihn.
Der Stil der Champagner von Bollinger
Die Champagner von Bollinger verbinden die Dichte und Intensität großer Pinot Noirs mit der Frische des Chardonnays von der Côte des Blancs. Der Ausbau im Holz und der lange Kontakt mit der Hefe sorgen für eine cremige Perlage und eine Aromatik, die von reifer Frucht über Gewürze bis zu Noten von Brioche und frischer Walnuss reicht. Diese weinige, kraftvolle Art erlaubt eine etwas höhere Serviertemperatur von 8 bis 10 Grad und macht die Champagner zu vielseitigen Begleitern, die vom Aperitif bis zum Hauptgang ein ganzes Menü tragen können. Die Jahrgangs- und Prestige-Cuvées besitzen darüber hinaus ein großes Reifepotenzial.
Die wichtigsten Cuvées von Bollinger
Bollinger Special Cuvée
Die Special Cuvée ist das Aushängeschild des Hauses und trägt ihren englischen Namen seit 1911, als der britische Agent von Georges Bollinger die Bezeichnung „Brut ohne Jahrgang“ für einen so feinen Champagner unpassend fand. Sie besteht zu mehr als 85 Prozent aus Grand- und Premier-Cru-Trauben, setzt sich aus 60 Prozent Pinot Noir, 25 Prozent Chardonnay und 15 Prozent Meunier zusammen und enthält einen großen Anteil an Reserveweinen, von denen manche sieben bis 15 Jahre in Magnumflaschen gereift sind. Mit einer moderaten Dosage von sieben bis acht Gramm pro Liter zeigt sie reife Frucht, Gewürze, Noten von Bratapfel, Birne und Brioche sowie eine samtige Perlage.
Bollinger Rosé
Der Bollinger Rosé baut auf derselben Grundlage auf und wird ebenfalls aus Reserveweinen in Magnumflaschen assembliert, ergänzt um Pinot-Noir-Rotwein, der dem
Rosé-Champagner Farbe und Frucht gibt.
Bollinger La Grande Année
La Grande Année ist der Jahrgangschampagner des Hauses, der nur in ausgewählten Jahren entsteht, ausschließlich im Barrique vinifiziert sowie von Hand gerüttelt und degorgiert wird. Er reift rund fünf Jahre auf der Hefe und gewinnt in dieser Zeit an Tiefe und Vielschichtigkeit.
Bollinger La Grande Année Rosé
La Grande Année Rosé ist die Rosé-Fassung des Jahrgangschampagners und entsteht ebenfalls nur in Jahren, die den Ansprüchen des Hauses an einen Jahrgang genügen.
Bollinger R.D.
Der R.D. steht für „Récemment Dégorgé“, also „kürzlich degorgiert“, und geht auf eine Idee von Elisabeth Bollinger zurück: Statt einer klassischen Prestige-Cuvée bot sie 1963 einen alten Jahrgang an, der erst kurz vor dem Verkauf degorgiert und so niedrig dosiert wurde wie ein Extra Brut. Für den R.D. werden nur Grande-Année-Jahrgänge mit außergewöhnlichem Reifepotenzial ausgewählt, die mehr als viermal so lange auf der Hefe ruhen wie vorgeschrieben. Das späte Degorgieren bewahrt eine bemerkenswerte Frische, die sich mit der Vielschichtigkeit eines gereiften Jahrgangs verbindet.
Bollinger PN
Die PN-Cuvées bilden eine Reihe reinsortiger Pinot-Noir-Champagner, die jeweils einen Cru in den Mittelpunkt stellt, etwa Aÿ (PN AYC21) oder Verzenay (PN VZ19), und so die Herkunftsunterschiede des Pinot Noir zeigt.
Bollinger La Côte aux Enfants
La Côte aux Enfants stammt aus der gleichnamigen steilen Einzellage am Rand von Aÿ, in deren Mitte ein kleiner weißer Kreidefelsen zu sehen ist. Der reine Pinot-Noir-Champagner zeigt die Herkunft dieses einen Hangs und zählt zu den seltensten Weinen des Hauses.
Bollinger Vieilles Vignes Françaises
Vieilles Vignes Françaises entsteht ausschließlich aus Pinot Noir der wurzelechten Reben in den Parzellen Clos Saint-Jacques und Chaudes Terres, die nie der Reblaus zum Opfer fielen und vollständig von Hand bearbeitet werden. Die Cuvée bewahrt damit ein Stück Weinbaugeschichte der Champagne und zählt zu den seltensten Cuvées von Bollinger.
Orientierung in der Auswahl
- Für den Einstieg in den Hausstil: Special Cuvée, die Kraft, Reserveweine und lange Reife bereits in der Cuvée ohne Jahrgang zeigt.
- Für Frucht und Tischbegleitung: Bollinger Rosé.
- Für einen besonderen Jahrgang: La Grande Année und La Grande Année Rosé.
- Für gereiften Genuss mit großer Frische: R.D.
- Für Herkunftsvergleiche beim Pinot Noir: die Cuvées der PN-Reihe.
- Für Sammler und besondere Anlässe: La Côte aux Enfants und Vieilles Vignes Françaises.
Wer Bollinger kennenlernen möchte, kann Special Cuvée, La Grande Année und R.D. nebeneinander verkosten und so nachvollziehen, wie Jahrgang und Hefereife den Hausstil verändern. Ergänzend lohnt der Blick auf weitere [Champagner aus Aÿ] und [Pinot-Noir-Champagner aus der Montagne de Reims].
Bollinger Champagner bei Tesdorpf kaufen
Tesdorpf handelt seit 1678 mit feinen Weinen und zählt damit zu den traditionsreichsten Weinhandelshäusern Deutschlands. Die über Jahrhunderte gewachsenen Verbindungen zu renommierten Erzeugern ermöglichen es bis heute, auch Raritäten und limitierte Abfüllungen zugeteilt zu bekommen. Im Sortiment von rund 4.500 Weinen steht die Special Cuvée neben dem Rosé und den Jahrgangschampagnern La Grande Année, ergänzt um den spät degorgierten R.D., in dem sich die lange Reife und der Holzausbau von Bollinger besonders vielschichtig zeigen. Ausgewählte Flaschen gibt es auch in Geschenkverpackung oder als Magnum. Der Tesdorpf-Onlineshop ist von Trusted Shops zertifiziert und wird von Kunden mit „hervorragend“ bewertet, und die Champagner werden schnell geliefert.