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In der Kürze liegt die Würze, oder auch nicht?

Weinbeschreibungen müssen sein, hilft nichts. Händler benötigen sie, um potentielle Käufer auf diesen oder jenen Wein aufmerksam zu machen, Weinkarten benötigen sie insoweit, dass sich der unbedarfte Gast wenigstens bis zum Eintreffen des Sommeliers schon einmal grob orientieren kann. Aber das richtige Maß zu finden, was ist wichtig und was nicht, das ist halt schwierig und stellt manch einen vor große Probleme…

Veröffentlicht am 30. Juli 2018

Nehmen wir z.B. einmal die Weinkarten der nicht mit Sternen dekorierten Restaurants, gute Bistros oder Speiselokale etwa. Da wird häufig noch wenig Liebe in die Weinkarten gesteckt, eher regiert hier jene Art von spartanischer Sachlichkeit, die wenig Arbeit und Aufwand erfordert. Da liest man in den Weinbeschreibungen z.B. „Pinot Grigio, frisch, fruchtig.“ Nun ja, der Gast muss ja nicht wissen woher dieser Wein kommt, auch nicht, wer ihn erzeugt hat, und der Jahrgang wird ohnehin überschätzt. „Frisch, fruchtig“ muss reichen, mehr an Informationen braucht es nicht, wäre vielleicht sogar schädlich, denn daraus könnten ja Fragen erwachsen. Außerdem spart man Papier, denn auch in einem Zeitalter, in dem eine Seite schneller als der Blitz mit allen Nachbesserungen gedruckt und ausgetauscht ist, kommt man mit einer derart „universellen“ Weinkarte über einen langen Zeitraum bestens aus – zumindest solange wenigstens „Pinot Grigio“ auch auf dem Etikett steht. Übrigens nicht klein zu kriegen ist nach wie vor eine Angabe wie „Blanc de Blancs, Glas à 0,2… Was auch immer sich dahinter verbergen mag.

Sehr beliebt ist in Weinbeschreibungen auch die Simplifizierung der Jahrgänge. Gibt man gleich mehrere über einen längeren Zeitraum an, so erspart man sich auch jede Menge Müh und Plag mit der Aktualisierung der Karte. So trifft man z.B. auf folgende Angabe – kein Witz: 2015 / 16 / 17 Riesling trocken. Ja was denn nun? Kann man sich das aussuchen? Wird man zu einem bestimmten Jahrgang verdonnert? Man weiß es nicht.

Es gibt natürlich auch das genaue Gegenteil, Weinkarten, die vor Informationen zu jeder einzelnen Position nur so überlaufen, dass man sich für das Balancieren der Karte zunächst erst einmal einem 3-monatigen Fitnesstraining unterziehen muss. Bei der Lektüre, so man diese Karte überhaupt schultern kann, vergisst man glatt das Essen. Tja, es ist eben nicht jedem die goldene Mitte gegeben.

Das gilt auch häufig für Weinbeschreibungen in Artikeln und Zeitschriften. Manchmal hat man den Eindruck, hier wolle der Verfasser eine Bewerbung um den Pulitzerpreis abgeben, ja manch einer treibt seine Beschreibungen so weit, dass er eine ernsthafte Bedrohung für Leo Tolstoi´s 1.000 seitiges Werk „Krieg und Frieden“ darstellt. Und da muss man schon zu manch obskuren Beschreibungen greifen, um die entsprechende Fülle in den Text zu bekommen. So liest man z.B. „…duftet nach gebratener Pferdehaut…“ oder „… gebackenen Kirschkernen…“. Aber klar doch, da können wir uns ganz präzise etwas vorstellen, hat ja so gut wie jeder schon einmal gekostet. Sehr schön ist auch die Beschreibung „„… Aromen von in Butter geschwenkten Petersilienkartoffeln…“ Die Seiten müssen gefüllt werden, koste es, was es wolle. Und hier sei nichts gegen Petersilienkartoffeln gesagt, die Frage ist ja nur, muss das wirklich sein? Und wem hilft es wirklich, wenn man auch das 123. – und sei es noch so weit daher geholt – Aroma aufzählt?

Eigentlich wäre das alles gar nicht so schwer. Der Leser möchte doch nur das Wesentliche erfahren, wo kommt der Wein her, wer hat ihn gemacht, was ist beim Öffnen der Flasche in groben Zügen im Glas zu erwarten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, denn der Weinfreund möchte vielleicht ja auch selbst noch ein wenig auf Entdeckungsreise gehen.