Château Musar – Ein Exot sorgt für Furore

Château Musar – Ein Exot sorgt für Furore

Libanon, den Staat kennt fast jeder, auch wenn manch einer Probleme hätte, die genaue Lage auf einem Globus oder einer Landkarte zu zeigen. Aber mal Hand auf’s Herz, wer kennt das Bekatal? Und wer würde hier die Heimstätte eines großen Weines vermuten? Und doch ist das Tal genau das.

 

Hier liegt mit dem 1930 gegründeten Château Musar eines der großen Weinwunder der Welt, kaum wahrgenommen von der weininteressieren Öffentlichkeit. Und doch sollten gerade Liebhaber großer Weine dieses Château kennen. Ende der 80er Jahre wurde für Fachleute und Kritiker eine große Bordeaux-Probe organisiert mit einer Vielzahl an geradezu als Kultweine gehandelten klassifizierten Gewächsen aus exzellenten Jahrgängen. Als kleiner Pirat, wenn man so will auch als »Gag«, wurde eine Flasche 1982er Château Musar hineingeschmuggelt.

 

Es wurde verkostet und bewertet, am Ende die Punkte addiert, der Durchschnitt errechnet. Die höchste Punktzahl erhielt – Château Musar, der so die Bordeaux-Welt geradezu düpierte. Erst recht, wenn man bedenkt, dass dieser Wein damals nur in wenigen Supermärkten zum sagenhaften Preis von 6,95 DM in den Regalen stand – völlig unterbewertet. Heute beginnen die jüngeren Jahrgänge des legendären Red bei 32,00 € bis 35,00 € – und das ist angemessen. Dem Weinmagazin Decanter allerdings war das Phänomen Château Musar bereits Jahre zuvor aufgefallen, denn es kürte bereits 1984 den Gründer und Weinmacher Gaston Hochar zum »Man of the Year«. Seine Vorfahren waren einst mit den Kreuzrittern in den Libanon gekommen. Was erklärt aber diesen besonderen Wein, den der britische Weinkritiker und Weinpapst Michael Broadbent als einen der Besten und Interessantesten der Welt bezeichnet?

 

Da ist sicherlich einerseits die Höhenlage, auf 900 bis 1.000 Metern stehen die Reben, die heute ein stattliches Alter von 70 bis 80 Jahren aufweisen. Cabernet Sauvignon, Carignan, Cinsault, Grenache und Syrah stehen hier friedlich nebeneinander. Ohne es groß auf das Etikett zu schreiben, handelt es sich hier um so etwas wie ein Öko-Château. In dem trockenen Klima sind Fäulnis und Pilzbefall ein Fremdwort, die chemische Keule können andere benutzen. Die Erträge sind extrem gering, gerade einmal 25 Hektoliter pro Hektar werden hier gewonnen. Und wie bei vielen großen Weinen dieser Welt liegt das große Geheimnis ansonsten – im Nichtstun. Kann der Mensch etwas besser machen als die Natur?

 

Vergoren wird mit Naturhefen, auf modernes Tuning durch reichlich neues Holz wird verzichtet. Und so schmeckt der Château Musar Red dann auch: authentisch, originell, wenn man so will erfrischend unmodern, und schon dadurch wieder modern. Und es umgibt ihn ein Geheimnis – das der Langlebigkeit. Man konnte bis heute nicht ergründen, warum dieser Wein über viele Jahrzehnte reifen und altern kann. Château Musar, das ist, um nochmals Michael Broadbent zu zitieren, das »unbekannteste Spitzenweingut der Welt«. Für Insider aber ist es mehr als nur das, nämlich purer Kult, den man (noch) mit nicht all zu vielen Weinfreaks teilen muss.

 


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Bildquelle: www.chateaumusar.com