Rotwein im Sommer

Rotwein im Sommer

Wir werden immer wieder einmal gefragt, kann man Rotwein im Sommer (oder natürlich auch zu jeder anderen Zeit) nicht auch gekühlt genießen? Eine Antwort darauf kann lauten: selbstverständlich! Denn natürlich darf jeder seinen Wein so genießen, wie er ihm am besten schmeckt. Für andere ist das Kühlen von Rotweinen geradezu ein Frevel, ein Unding, ein absolutes »No Go«.

Wonach richtet sich die Trinktemperatur?

Tatsächlich kann ein leicht oder auch etwas stärker gekühlter Rotwein im Sommer außerordentlich schmackhaft sein, wenn man (nur) wenige Grundregeln beachtet. Es sind zwei geschmackliche Komponenten bzw. Inhaltsstoffe des Weines, die im Wesentlichen die Trinktemperatur bestimmen: Säure und Gerbstoffe.

Trinktemperatur bei Weißwein

Im Regelfall ist es beim Weißwein nur die Säure, die die Temperatur bestimmt, da dieser normalerweise gar keine oder nur sehr wenige Gerbstoffe enthält. Beim Weißwein handelt es sich um Apfelsäure und Weinsäure, die dem Wein Frische verleiht. Diese Säuren sind umso besser in die Textur des Weines integriert, je kühler er ist. Im Idealfall so um die 8 bis 10 Grad, in Ausnahmefällen auch einmal ca. 6 bis 7 Grad oder auch 10 bis 12 Grad.

Trinktemperatur bei Rotwein (im Sommer)

Beim Rotwein liegen die Verhältnisse etwas anders, denn hier »konkurriert« die Säure mit den Gerbstoffen. Die Säure allerdings fällt hier durch den sogenannten Säureabbau oder die Milchsäuregärung milder aus, da durch diesen Prozess die aggressivere Apfelsäure in Milchsäure umgewandelt wird. Dafür betreten hier die Gerbstoffe oder Tannine die Bühne, also sogenannte Bitterstoffe. Die Wirkung dieser Bitterstoffe ist jedem irgendwie bekannt, auch Nicht-Weintrinkern, denn auch Kaffee oder Tee enthalten diese Gerbstoffe. Da lässt sich die Wirkung der Gerbstoffe sehr anschaulich demonstrieren: Man brüht sich eine schöne Tasse Kaffee, die in heißem Zustand ausgesprochen wohlschmeckend ist, harmonisch mit typischem Geschmacksbild – so soll es sein. Nun war man aber vielleicht zu einem Termin oder einer Verabredung gerufen, die Tasse kühlt ab. Kommt man nun zurück und will den erkalteten Rest genießen, so präsentiert sich dieser völlig unharmonisch, bitter und sogar aggressiv. Und das führt uns direkt zu den Trinktemperaturen der Rotweine.

Die richtige Temperatur für Rotwein im Sommer

Die Temperatur richtet sich nämlich in erster Linie nach dem Gehalt und der Qualität der Gerbstoffe. Ein hoher Tanningehalt entfaltet sich harmonisch im Regelfall bei einer Trinktemperatur von 16 bis 18 Grad. mitunter sogar bis 20 Grad. Demnach verlangen Weine mit hohem oder kräftigem Gerbstoffgehalt wie Bordeaux, Barolo, Châteauneuf-du-Pape oder Weine aus der Sorte Malbec nach eben jenen Genusstemperaturen von 16 bis 18 Grad. Rotweine mit geringem Tanningehalt vertragen umgekehrt aus eben jenen Gründen auch kühlere Trinktemperaturen, das kann bis auf 12 bis 14 Grad zurückgehen.

Welche Rebsorten eignen sich besonders für den kühlen Genuss?

Man achte also einfach auf den Gerbstoffgehalt, und dann kann man, so man will, einen Rotwein im Sommer auch kühler genießen. In Frage kommen Rebsorten mit geringem Gerbstoffgehalt, wie z.B. Corvina für Valpolicella oder Gamay, die Sorte für den Beaujolais. Rebsorten wie Nebbiolo, Tannat oder Cabernet Sauvignon allerdings eignen sich weniger.

Ein paar tolle Sommer Rotweine findet ihr auch bei uns im Online Shop:

Allerdings gilt auch hier wie stets beim Wein – erlaubt ist was Spaß macht, dem Experimentieren sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.