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Der neue Jahrgang, Große Gewächse 2022

Ein Bericht von Tesdorpfs Wine Ambassador Oliver Hauser von der VDP-Vorpremiere »Große Gewächse 2022« in Wiesbaden.

Veröffentlicht am 28. August 2023

Wieder darf ich dieser großartigen Vorpremiere beiwohnen, wo sich die Spitze der deutschen Winzer und Winzerinnen dem Fachpublikum stellt und ihre neuen Jahrgänge präsentiert. Das Kurhaus Wiesbaden ist die perfekte Location für diese Probe. Alles wirkt so festlich, die Kronleuchter, die Ästhetik, - und dem illustren Publikum aus Spitzen-Sommeliers, Handel, Fachpresse und internationalen Weinkritikern beim Verkosten zuzuschauen ist ebenfalls beeindruckend. 

Eine Interessante Ankündigung machte am zweiten Tag Steffen Christmann, dass ab diesem Jahr die Lagenklassifizierung neu evaluiert werde. Dies geschehe auch im Zuge des integrieren von Erstes, -und Grosses Gewächs im deutschen Weinrecht. Zukünftig, und das macht aus meiner Sicht absolut Sinn, werden die Lagen nicht mehr nur rein nach historischen Blickpunkten und Aufzeichnungen klassifiziert, sondern es werde auch auf die Rückmeldung von Kritikern, Wein-Qualitäten und Renommee einer Lage geachtet. Dieser Prozess wird ein Laufender sein, und die Lagen sollen alle 5 Jahre neu überprüft werden, ob sie die hohen Anforderungen des Verbandes nach wie vor erfüllen. Vielleicht unter dem Aspekt interessant, dass wirklich sehr viele Weine an der Probe bereitstanden, und einige eine Fragwürdige Qualität für das, was die Speerspitze sein soll, abgaben. 
 
Doch nun zum Eigentlichen. Dem neuen Jahrgang: 

Während 2021 die Säure und Frische im Vordergrund stand, ist es 2022 die Frucht. Mal ist sie ausgeprägter, reif fast schon, und manchmal wirkt sie zu scharf. Und dann wiederum ist sie wunderbar eingebunden, umschmiegt den Nerv des Weines wie eine goldene Decke. Gibt Körper, Volumen und Fülle. Im Besten Fall ein perfektes Zusammenspiel und Harmonie. Die meisten Winzer haben diese Herausforderung perfekt gemeistert, und es war eine Freude in Wiesbaden den neuen Jahrgang verkosten zu dürfen. Hier gebe ich meine persönlichen Highlights wieder, beim besten Willen und natürlich unvollständig, - 471 Weine zu verkosten in drei Tagen, ist Leistungssport. 

Spätburgunder

Ahr 

Wir starten an der Ahr, Spätburgunder. Wie war das Jahr 2021? Diese Frage überschattet wohl das schlimmste Ereignis der Geschichte des Tals. Es ist der Flutjahrgang, dessen Hochwasser fast das ganze Tal mit sich raffte, und niemand wirklich dachte, dass aus diesem Jahrgang noch ernsthafte Qualitäten entstehen würden. Doch au contraire, was ich hier im Glas habe, ist mit Abstand die beste Expression der 2021er Spätburgunder aus Deutschland. Eins scheint allen Weinen gleich zu sein: Die straffe und Frische Säure, gepaart mit einer feinen Parfüm Note. Einige sind auf der reiferen Seite und anderen merkt man den Einsatz von ganzen Trauben in der Gärung an. Der Einsatz von Holz ist subtil und die feinsten, betörendsten Exemplare kommen klar von Meyer-Näkel. Spannend finde ich außerdem jedes Jahr die Frühburgunder, hier von Deutzerhof. 

Deutzerhof Herrenberg 2021 

Schöne, reine Kirsch Frucht, Himbeere und Erdbeere. Am Gaumen pur, saftig, mit leichten Stiel Ansatz, aber nicht unangenehm. Hat was Herbes, schönes. – 93 TES 

Meyer-Näkel Sonnenberg 2021 

Fein parfümierte Nase. Etwas Flieder, Hibiskus und eine schon in der Nase komplexe Frucht, Kirsche, Erdbeere, etwas Lakritz und Minze schwingt mit. Am Gaumen dann straff, kompakt. Überraschend griffig. Das Rückgrat des Weins, die Säure, dieser Grip, wow. Wieder dieses Potpourri an Frucht, Weichselkirsche, Cassis, Süßholz und der Hauch Minze. Langanhaltend, und groß. - 97 TES 

Meyer-Näkel Kräuterberg 2021 

Meyer-Näkels Weine sind ein Kunstwerk. Diese betörende, vielschichtige Nase die einen umschmeichelt. Rote Frucht unterlegt mit Oregano. Am Gaumen etwas herber als der Sonnenberg. Mehr Stiele und grüne Noten geben ihm etwas Kanten und gleichzeitig eine langanhaltende Struktur. Ungemein elegant in seiner Art. Etwas Rosenblätter und Flieder gesellen sich im Abgang dazu. - 96 TES 

 

Franken 

In Franken wird die Frucht reifer, aber keineswegs mit weniger Grip am Gaumen, im Gegenteil wie Fürst beweist. 

Rudolf Fürst Schlossberg 2021 

Fürsts Expression vom Schlossberg bringt zu Beginn auch eine leichte animalische Note ins Spiel, die jedoch schnell hinter einer schönen, doch verwirrenden? Zucchini Note und Kreide entschwindet. Am Gaumen fällt auch zuerst dieser kalkige Grip auf, nasse Kreide umschreibt es am besten. Der Wein ist top seriös und hat Kraft. Eine ziemliche Größe mit langem Abgang. – 95 TES 

 

Rheinhessen 

In Rheinhessen überzeugt mich das Duo Kühling-Gillot Battenfeld-Spanier am meisten. Einfach ein schöner Jahrgang mit so purer und saftiger Frucht. Die beiden produzieren einfach durchs Band tolle Weine. Auch Wagner-Stempel überzeugt mich mit seinem Heerkretz. 

Kühling-Gillot Kreuz 2021 

Verführerisch mit reiner Nase, verspielt feminin, mit etwas Kirsche Lakritz und Flieder. Am Gaumen ebenfalls sehr rund und ausgewogen, satte Frucht, fast schon kompottartig. – 95 TES 

Battenfeld-Spanier Kirchenstück 2021

Kommt vielschichtig daher. Eine betörende Nase, viel rote Frucht, Erdbeerkompott und Kirsche. Am Gaumen sehr subtil ausgewogen, alles ist am richtigen Platz. Eine gut eingebundene Säure spielt mit feinem Gerbstoff, unterlegt mit genau der richtigen Menge an Holznoten. Sandelholz. Großartige Länge. – 95 TES 

Wagner-Stempel Heerkretz 2021

Eine schöne tiefgründige Nase. Oliventapenade, Waldbeeren und Kerbel. Am Gaumen dann frisch, etas herb. Toll. – 94 TES  

 

Pfalz 

In der Pfalz erwartet mich ein ziemliches Line-Up, daher steigen wir ohne große Worte direkt ein in die Verkostungsnotizen. 

Rings Saumagen 2021 

Hat auch noch eine leichte Reduktion, aber weniger als Felsenberg. Ungemein frisch, Soyasauce, Pu-Er Tee, verblühte Magnolien. Und sehr kräftig, einnehmend. – 96 TES 

Christmann Idig 2021 

Die Nase ist fein, ausgewogen. Da schwingen etwas Soyasauce, etwas Grünes und ein schöner Fruchtkompott mit. Am Gaumen dann samtig auskleidend, fein und rund. Wie ein Teppich der sich ausbreitet. Schöner Wein, elegant und fein. – 94 TES 

Friedrich Becker 2020 

Friedrich Becker präsentierte dreimal 2020er Jahrgang aus seinen Lagen Sankt Paul, Heydenreich und KB (?). Es war mit Abstand der derbste Gerbstoff, der meinen Kortex geflutet hat an dieser Verkostung. Doch ich weiß, was diese Weine können, wenn sie mindestens 10 Jahre irgendwo geschlummert haben. Hinter diesem Potenzial lauert eine so feine Frucht, pur und irre Grip. Selbst die Farbe ist noch so pur und jugendlich. Go for the long run – es wird groß. – (95-97) 

 

Baden 

In Baden sind es einige Kandidaten, die mich überzeugen. Natürlich hatte ich hohe Erwartungen an Franz Keller, doch mein Favorit war dieses Mal Salwey. Sein ganzes Portfolio an dieser Verkostung ist einfach klasse. Ebenfalls Stigler ist hervorragend, und meine Neuentdeckung der Region. Natürlich sind auch die Weine von Julian Huber groß, doch ich war etwas zwiegespalten, da ich seinen Wein Stil bei einigen Winzern, auch in Frankreich beobachte, um mehr Frische und weniger Alkohol zu erlangen. Doch ist dies nicht eher ein Stil und weniger die Herkunft? Eine spannende Frage die zu diskutieren wäre. Baden repräsentiert sicherlich, neben der Ahr, das Beste an deutschem Spätburgunder. So viel steht fest. 

Salwey Eichberg 2021 

Auch Salwey bringt eine verführerische Tiefe auf die Flasche mit seinem 2021 Eichberg. Man spürt den Jahrgang, die Frische. Salwey setzt voll auf die Frucht, sie ist saftig und unterlegt mit feiner Mineralik die etwas an Feuerstein oder Kreide erinnert. Klasse Wein. – 96 TES 

Franz Keller Eichberg 2021 

Diese Nase. Verführerisch, so typisch und ausdrucksstark. Eine gelungene Kombi aus Frische, gerade genug Röstaromen, feinem Gerbstoff und saftiger Frucht. – 96 TES  

Stigler Winklerberg Pagode 2019 

Auch sehr fein, leicht flüchtig zu Beginn, dann Erdbeere. Straff, saftig, geile Säure, blaue Beeren, Brombeere, Waldbeeren, Minze. Super. – 95 TES  

Bernhard Huber Sommerhalde 2021 

Ich muss an DRC denken - Ganztraubenvergären, leicht zu früh lesen? Viel Tabakblatt in der Nase, sehr frisch und straff mit schöner, blauer Frucht. Saftig, und dennoch noch etwas störrisch. – 96 TES 

 
Silvaner 

Bei den Silvanern aus Franken war ich dieses Jahr zweigeteilt, zum einen war die Säure sehr scharf und ich habe das weiche, cremig gelbfruchtige vermisst, was wiederum die Rieslinge total abbekommen haben. Rudolf May ist eine sichere Bank, und Zehnthof-Luckert ist wahrlich groß. Auch gefällt mir das Juliusspital Würzburg. 

Rudolf May Himmelspfad 2022 

Der Himmelspfad kommt zu Beginn noch etwas zurückhaltend und zeigt ein wenig Steinfrucht, ist äußerst frisch und erinnert an frisch geerntetes Gras. Etwas Eisenkraut und süßliche Äpfel zeigen sich mit zunehmender Belüftung. Am Gaumen setzt er dann erst recht an, hat irre Zug, wieder das leicht grünlich Bittere. Rauch, Feuerstein und eine Kalk Note die mir auch in der Nase schon aufgefallen ist. Bleibt lange und wirkt kraftvoll, scharf mit etwas Ingwer im Abgang. – 95 TES 

Zehnthof-Luckert Maustal 2022 

Ein bisschen auf der reifen Seite, aber wunderbar frisch. Kühles, mit Eis geschlagenes Joghurt mit kandierter Zitrone. Sicherlich der feinste Ausdruck an Silvaner bis jetzt. Am Gaumen dann zurück zum gewohnten Stil. Messerscharf steht die Säure und gibt Rückgrat und eine feine herbe Note gibt ihm eine gute Länge. – 95 TES 

Juliusspital Würzburg Stein-Berg 2021 

So schön und fein. Pfirsich, Sahnebonbon und ein feiner mineralischer Grip. Am Gaumen straff, zieht an, durchaus leichte Bitter Note, und feiner Schmelz. Guter Wein. – 93 TES 

Weiß, -Grauburgunder, Chardonnay 

Meine Favoriten in dieser Sektion kommen dieses Jahr klar wieder aus Baden. Bei keiner Rebsorte fand ich die Unterschiede der beiden Jahrgänge 2021 und 2022 so deutlich in der Ausprägung wie beim Weißburgunder. Hier hat sich gezeigt, wer die warme Frucht von 2022 integrieren konnte, und wie wunderbar frisch die 2021er daherkommen. Doch auch in der Pfalz gabs Favoriten. Und Julian Huber sei zum Schluss mit seinem Chardonnay die Ehre erwiesen. Wahnsinn. 

Pfeffingen Herrenberg 2022 Weißburgunder, Pfalz 

Kühles Sahnejoghurt, feuchter Stein mit feiner Mineralik. Am Gaumen überaus straff, mit geschmeidiger Sahne Komponente. Schön gemacht, wenn auch noch auf der reduktiven Seite. – 93 TES  

Ökonomierat Rebholz Im Sonnenschein 2022 Weißburgunder, Pfalz 

Im Sonnenschein zeigt sich anfangs noch reduktiv, dahinter dann schöner Schmelz und straffe, kräutrige Säure. – 94 TES 

Salwey Kirchberg 2020 Weißburgunder, Baden 

Schöne Birnenfrucht, expressiv mit feinem Schmelz. Dahinter der kühle Stein. Wie am Eingang einer Höhle. Dann Am Gaumen eine Wahnsinnssäure, straff und komprimierte Grapefruitschale. Sehr fordernd, nur leichte Reduktion aber gut. Der beste bis hierhin. – 95 TES 

Franz Keller Bassgeige Kähner 2021 Grauburgunder, Baden 

Ein knistern von fein gemahlenem Stein, unreife Birne und etwas exotik. Am Gaumen sehr straff, zitrisch-herb, an Tonic Water erinnernd. – 94 TES 

Salwey Henkenberg 2020 Grauburgunder, Baden 

Hier wird’s etwas reifer. Exotisch, Lychee, Rauch und etwas Rennreifen-Abrieb. Vielleicht auch alles auf einmal. Das Bild im Kopf vervollständigt sich. Am Gaumen bleibt er reif, leichte Phenolik mischt sich mit, und wieder diese Bitter Note im Abgang. – 95 TES 

Franz Keller Kirchberg 2021 Chardonnay, Baden 

Ein cremiger Auftakt. Zarte weiße Blüten, frische Magnolien mit etwas Bienenhonig. Betörend ist die Nase. Joghurt, Nougat ist im Spiel. Absolut harmonisch und ausgewogen zeigen sich noch Mandelblüten, Sesam, Aprikosen und Zitronen Cheesecake. Wahrlich lang. Toller Wein. – 97 TES 

Bernhard Huber Schlossberg 2021 Chardonnay, Baden 

Boah, ich knie nieder. Das ist Feuerstein und Rauch. Das vibriert, das strahlt. Am Gaumen dann pure Konzentration, und eine Wahnsinns-Frische. Der Wein muss Jahrzehnte altern so viel Potenzial bringt er mit sich. So schön saftig, ohne zu zerfallen. Eine irre Länge, ewig spitzt sie sich zu, trocknet aus, wird salzig und verbleibt als Kristall auf der Zunge. Große Klasse - 98 TES 

 

Riesling 

Mosel-Saar-Ruwer 

Den Auftakt machen wir mit Mosel-Saar-Ruwer. Es scheint, dass 2022 eine reifere Stilistik offenbart als es 2021 war. Teils bringen die Weine eine schöne Exotik mit, wie Van Volxems Bockstein zeigt, und eine deutliche Gesteins-Aromatik. Die Frucht ist bei vielen präsenter als noch 2021, trotzdem weisen die Weine eine prägnante und formgebende Säurestruktur, umgeben von feiner Frucht. Das ist sehr schön, doch manchmal wirkt das auch etwas warm, heiß und der Eindruck entsteht, dass die Power der Frucht noch nicht so richtig ihren Platz gefunden hat im Wein.  

Van Volxem Bockstein 2022 

Der Bockstein bringt schöne exotik in die Nase. Reifer Apfel, Birnen und am Gaumen verführerisch, weich. Doch man merkt ihm seine Kraft deutlich an. - 94 TES 

Van Volxem Scharzhofberger Pergentsknopp 2022 

Fast schon süßlich in der Nase, schwingt doch auch noch eine leicht reduktive Note mit. Überaus Komplex im Duft. Zitronenschale, Orangenabrieb, Muskat, und nach und nach gesellen sich Pfirsich und Birne dazu. Am Gaumen ist er ungemein straff, packt an, schweift nicht ab und bleibt ewig lang. Kühl, frisch und salzig, kraftvoll und elegant zugleich. Großes Kino. - 98 TES 

Maxim Grünhaus Abtsberg 2022 

Erst noch verhalten, zeigen sich langsam grasig würzige Noten. Etwas Apfelschalen, Zitronenjoghurt. Am Gaumen dann ultra geschliffen, präzise und doch mit reifer Frucht umgeben. Grapefruitsaft, Limette und Tonkabohne. Hut ab. - 95 TES 

 

Nahe 

Die Nahe ist für mich einfach ein Highlight. So präzise und lang und verspielt zu gleich. Der perfekte Ausdruck für diese Rebsorte. Klarer Favorit: Schäfer-Fröhlich. Ich mag einfach diesen Stil, dieses Anfangs reduktive, dann der Zug und Grip, und so viel Freude zu trinken. 

Emrich-Schönleber Frühlingsplätzchen 2022 

Kühle gelbe Steinfrucht, sehr harmonisch schon in der Nase. Dann straff, seriös und warmer Auftakt. Sehr auf der ausdrucksstarken Seite, kraftvoll. Pfirsich und Mango Noten kommen dazu. Langer Abgang. – 95 TES 

Schäfer-Fröhlich Frühlingsplätzchen 2022 

starke Reduktion am Anfang. Typisch Schäfer-Fröhlich. Dahinter geiler Feuerstein, Zug Straffheit und Saftigkeit. Wow, was für ein Auftakt. Ein feiner Gerbstoff legt sich auf meine Vorderzähne, kleidet den Gaumen aus, vibriert und bleibt ewig lang. Spitze. - 95 TES 

Dönnhoff Dellchen 2022 

Sehr elegante Nase. Ebenfalls ausgewogen. Griechischer Joghurt, Sahnebonbon, Wiesenkräuter wie Kamille, dahinter Pfirsich, Nektarinen. Am Gaumen dann wow, volle Kraft. Volles Überraschungsmoment. Sauerampfer, Mandarinen, Zitronenschalen. Sehr komplex und straff mit formgebender, klarer Säure und ewigem Nachhall. 97 TES 

 

Franken 

Positiv aufgefallen sind mir dieses Jahr die Rieslinge aus Franken. Wie eingangs beschrieben, schien es vice versa dieses Jahr, und die Rieslinge zeigen eine schöne Expression aufgrund des wärmeren Jahrganges. Wieder sind es meine Favoriten Zehnthof-Luckert und Ludwig Knoll die überzeugen. 

Zehnthof-Luckert Maustal 2022 

Kurz und knapp: So straff, so schön. kühl und steinig. Großartig. – 94 TES 

Weingut am Stein – Ludwig Knoll Stein 2021 

Uff, betörend. Kühles Joghurt. Straffe Frische, weiche Balance. Großartig. – 94 TES 

 

Rheinhessen 

Aus Rheinhessen überzeugt klar das Trio Kühling-Gillot, Battenfeld-Spanier und Wittmann. 

Kühling-Gillot Hipping 2022 

Hipping bringt eine laktische Komponente in die Nase. Auch wieder auf der fruchtbetonten Seite, was ich an Kühling Gillot so mag. Wie eine Signatur, das Blumige oben raus. Mit zunehmend Luft entwickelt sich noch eine rauchige Komponente. In der Nase schon sehr komplex. Am Gaumen dann ausgewogen und solide. Kein Ausbrecher, sondern elegant in sich ruhend. Die Aromen Komplexität der Nase setzt sich am Gaumen fort. Es ist ein leiser Wein, und gerade deshalb so spannend. – 95 TES 

Battenfeld-Spanier Frauenberg 2022 

Volle Konzentration bei Hans-Oliver Spaniers Frauenberg. Straffe Mineralität. Perfekte Frucht Komponente integriert und auf den Punkt balanciert. – 96 TES 

Battenfeld-Spanier Zellerweg am Schwarzen Herrgott 2022 

Wow, noch konzentrierter, straffer und kraftvoller. Und so richtig gut im Zaum gehalten. Viel rauchige Noten, Feuerstein und Salinität. Gute rReduktion die nicht quer geht. – 97 TES 

Wittmann Moorstein 2022 

Super. Etwas Vanille in der Nase, Apfelscheiben aus dem Kühlschrank, Birnensaft. Spannend. Am Gaumen dann wieder Klasse Wittmann Style. Trumpft auf, hat Zug, Länge und Präsenz. Etwas unter Kirchspiel im Stil, doch auch gute Mineralik und diese etwas austrocknende Kreide am Gaumen mit leichter Kräuternote dazu. Sehr gut. – 94 TES 

 

Pfalz 

Die Pfalz legt insgesamt ein nicht ganz homogenes Portfolio hin. Zu warm vielleicht, die Herausforderung hoch. Steffen Christmanns Idig ist gewaltig. Weiters top finde ich Rings, und auch Pfeffingen überzeugt wieder. Die Auswahl war sehr groß, und weiters gefielen mir auch Basserman-Jordans Portfolio, und Anfangs Reichsrat von Buhl, - der dann aber doch etwas oft die Vanille Karte spielte. Gut waren auch die Gebrüder Rebholz. 

Christmann Idig 2022

Leise Töne von Christmanns Idig, wie immer kommt er sehr zögerlich in der Nase. Er braucht Zeit. Als erstes schält sich eine leichte Salzigkeit heraus, etwas Kreide, Muschelschalen. Und so langsam kommt die Frucht. Ganz leicht, Birne. Dann Am Gaumen Kraft, Schub nach Vorn. Stein, Trockenheit, Zitronenverbeine, Piment. Ziemlicher Wolf im Schafspelz, die Länge ist phänomenal. – 96 TES 

Rings Saumagen 2022 

Auch wieder die leichte Reduktion, der kühle Fels. Am Gaumen dann geil, wieder der Stein, das Salz, aber auch herbe Noten, Kerbel, Mandeln, grüne Walnuss. Ein Wein mit Schneid. – 94 TES 

Rings Weilberg 2022 

Uuh, schöne Kombi aus Feuerstein, und Holunder Blüten. Da ist keine Reduktion, das ist pures Gestein. Straff am Gaumen, schön auskleidend mit einer würzigen Salinität. Holunderblüten, Schlehdorn, großartige Länge. – 94 TES 

Pfeffingen Weilberg 2022 

Auch eine schöne Expression des Weilberg. Weniger Stein, dafür etwas ausladender mit Joghurt Noten und Apfeltarte. Am Gaumen dann satte Konzentration und Power, ohne ausladend zu sein. Top. – 94 ES 

Rebholz Kastanienbusch 2022 

voller Timutpfeffer in die Nase. Diese Wachholdernote, klasse. Super Zug, klasse Frische, macht Spaß, ist ausgewogen, wirkt nicht schwer. Spannend sind diese Würze und Schärfe, die sich mitmischt. Großes Kino! – 98 TES 

Fazit 

Viel ist nicht mehr hinzuzufügen. Ich denke die Verkostungsnotizen sprechen für sich, und waren eine Menge Input. Natürlich sind die Weine jung und bedürfen noch weiterer Entwicklung. Mehr Hintergrund zu den einzelnen Weinen wäre auch spannend zu lesen, doch ich glaube dieser Bericht ist eher als Momentaufnahme zu verstehen, und vielleicht begegnet uns der eine oder andere wieder bei einem intensiveren Tasting oder gar einer Jahrgangsvertikale. Klar ist, der Jahrgang polarisiert, wie man in der Pfalz und Franken verfolgen konnte. Umso mehr erfreute die Präsentation der 21er von der Ahr. 

Auf jeden Fall ist es eine Momentaufnahme, eine Scheibe der Zeit in Flaschen, die das große Können der Deutschen Winzerszene wiedergibt. Nicht alle haben überzeugt, und ich begrüße die Ankündigung Christmanns der Neu-Evaluation der Klassifikation. So wie auch kein Jahr dem anderen gleicht muss man die Weine auch in ihrer Entstehung begreifen, welche Faktoren eine Rolle gespielt haben und wer sie gemacht hat. Kontext sag ich da nur. Denn sie sind nicht nur das Endprodukt in einer Flasche, sie sind Zeitzeugen, nicht nur von Terroir, sondern auch Können.  

Vielen Dank an dieser Stelle an den VDP, Theresa Olkus und das ganze Team und all die Helferinnen und Helfer die eine perfekte Verkostung geboten haben.