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Das Licht der Toskana

Wenn die Traube zum Kalender wird und Erinnerungen weckt. Dieses mal an eine Reise in die Toskana.

Es gibt Gegenden in Europa, die muss man mindestens einmal im Leben gesehen haben. Und die kann man nicht sehen und spüren, ohne dabei irgendein Ventil zu nutzen, durch welches das Überangebot an Schönheiten, Eindrücken und Gefühlen wieder herausgelassen werden kann. Meine eigenen Reisen in die Toskana, diese wundervolle Landschaft rund um Florenz in Mittelitalien, waren von drei hauptsächlichen Eindrücken geprägt. Die Architektur und die Kunst der Renaissance, die weiten Felder mit Olivenhainen und Zypressen und der immer wieder überraschende, ehrliche Wein. Das alles ist nicht einfach übereinanderzulegen.

 

Wenn Sie schon einmal vom Mittelmeer kommend nach Pisa hereingelaufen sind, wurden Sie vermutlich genau wie ich regelrecht niedergeschlagen von der Unwirklichkeit der Piazza die Miracoli, dem Dom und dem schiefen Campanile. Aus den umliegenden Gassen mit ihrem quirligen, einfachen Leben kommend steht man plötzlich auf grünem Rasen und ist umgeben von weißem Marmor, als wäre man in einem Märchen. Als hätte ein geschicktes italienisches Kind alle seine weißen und grauen Legosteine zusammengesammelt und auf dem Rasen etwas Fantastisches gebaut. Ähnlich geht es den Besuchern von Florenz, die im Abendlicht über die Ponte Vecchio den Arno überqueren und auf der Piazza vor Brunelleschis Kathedrale stehen. Die mit dem Campanile von Giotto. Nur dass hier kein grüner Rasen ist, dafür aber umso mehr Marmor. Selbst als Kunststudent musste ich mich am Abend nach solchen Städtetouren im Kreis meiner Freunde mit einem Schluck Wein beruhigen und das Erlebte durchsprechen. Anders würden die Sicherungen im Kopf nicht standhalten.

 

Ruhe für den Kopf und die Augen findet sich weiter draußen, auf dem Land. In Sant’Anna in Camprena, einem ehemaligen Benediktinerkloster zwischen Siena und Pienza, lässt man den Blick über die Weite der Toskana schweifen und kann den Alltag komplett vergessen. Wem der runde Brunnen und die alten Mauern irgendwie bekannt vorkommen – hier spielt ein Teil des Films »Der englische Patient«, der 1996 neun Oscars gewann. Und wer bis jetzt sein »Ventil« nicht definiert hat, der muss eigentlich umgehend anfangen zu malen. Ja, malen. Ein bisschen Leinwand, Tempera und große Pinsel. Und der muss den Fotorealismus einmal zu Hause lassen und nur die Gefühle und die Weite vor den eigenen Augen durch die Hand fließen lassen. In der Entfernung wird der braune Boden blau, und die Wärme definiert alle bisher bekannten Farben völlig neu. Es duftet nach Heu, Oliven und dem Abendessen, was in der Küche schon vorbereitet wird. Fast Food kennt man hier nicht. Das Abendessen dauert mindestens drei Stunden, Pasta ist kein Hauptgericht sondern ausschließlich Primi Patti und der zum Essen gereichte Rotwein klingt noch lange sehr positiv nach.

 

Kein Wunder, dass die in dieser Region zwischen den Apenninen und den Chianti Weinbergen lebenden Italiener so hervorragende Weine zaubern. Während ich durch die Fotos blättere trinke ich einen für hier typisch edlen Sangiovese, der nicht durch andere Sorten verändert wurde. Einen eleganten Motuproprio, der mich wieder in das Kloster zurückholt. Ich laufe durch die Olivenhaine, spüre den warmen Wind in meinem Gesicht, höre aus den Räumen Geklapper von Geschirr und Gesang und freue mich auf den nächsten Abend in diesem schönen Leben.