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Der Wein aus »diesem« Jahr - 2015

Wenn die Traube zum Kalender wird und Erinnerungen weckt

Veröffentlicht am 07. März 2018

Haben Sie sich beim Betrachten einer Weinflasche schon einmal an die Ereignisse des Jahres erinnert, in dem die Trauben geerntet wurden? Sicherlich. Ich kenne viele Weingenießer, die genau deshalb ein paar gut lagerfähige Flaschen im Keller hegen und pflegen. Zur Geburt des ersten Kindes. Nach dem Erwerb des ersten eigenen Hauses. Einen Wein aus dem Jahr, in dem man heiratete oder als der neue, sehr gute Job angeboten wurde. Gründe gibt es unzählig viele, und ab und an ist es schön, sich zu erinnern. Den Wein liebevoll zu entkorken, ihn zu riechen, zu probieren und dann zu wissen: Ja, als dieser Wein in die Flasche gefüllt wurde, da war… Ja, was? Wir öffnen heute einen Rheinhessen Riesling aus dem Jahr 2015! Was war da? Denken Sie mal nach. Machen Sie mit.

2015 ist noch gar nicht so lange her, und manchmal wundere ich mich, was man in nur drei Jahren alles vergessen kann. Wo waren Sie im Jahr 2015? Was haben Sie erlebt, gestartet oder beendet? Es war eines der wärmsten Jahre der aufgeschriebenen Geschichte und wurde von der UNESCO als »Lichtjahr« gefeiert. Licht im Sinne des Wandels und des Aufbruchs. Aufgebrochen nach Deutschland sind vor allem viele Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung ihre Heimatländer verließen. Ewigen Aufbruch versprach auch Rekordmeister Bayern München, der schon Ende April als deutscher Fußballmeister feststand. Familiärer Aufbruch? Die beliebtesten Mädchennamen 2015 waren Sophia, Marie, Mia und Emma, bei den Jungs punkteten Maximilian, Alexander, Elias und Paul. Da sind sie wieder, die Namen unserer Großeltern. Ob auch Bernd, Karsten oder Frank wieder mal modern werden? Oder gar Jens? Wir werden es erleben.

Im chinesischen Jahr des Schafes und der Ziege zeichnet sich 2015 weder durch Höhen noch durch Tiefen aus. Zumindest für die Kinoleinwand kann ich das bestätigen, eine Menge Sequels und Neuaufgüsse flimmerten über die Leinwände. Sei es die Neuauflage von »Mad Max«, ein weiteres »Mission Impossible«, der siebte Teil der Actionraserei »Fast and Furious« oder ein fünfter »Terminator» Versuch. Neben so viel Action ist der »Minions« Film geradezu eine Wohltat. Aber zu einem frischen Glas Wein passt ohnehin besser Musik. Jazzmusiker Peirani begeisterte mit seinen Interpretationen moderner Jazz-, Klassik- und Rockstücke, die er auf alten und aus der Mode gekommenen Instrumenten einspielte. Auch Altmeister Pat Metheny griff mal wieder zur Gitarre. In den Charts tummelten sich allerdings vorwiegend Lieder, die zum chinesisch interpretierten Flachwasserjahr passen. Elli Goulding schmachtete »Love me like you do« und Wiz Khalifa jammerte »See you again«. Entschuldigung. Ich kann dem nichts abgewinnen. Ich öffne einmal den Wein und lege mir ein Album von Pink Floyd auf. Oder von Marillion. Musik, die mir Geschichten erzählen kann.

Schöne Dinge zu vergessen ist schade. Im Jahr 2015 sind noch eine Menge Dinge passiert, die nicht so schön waren. Aber dieser Wein gehört definitiv zu den guten Nachrichten. Die kleine, einst berühmte Lage 10 Morgen in Nierstein war auch lange in Vergessenheit geraten. Dieser 93-Punkte-Riesling aus dem Jahr 2015 stand jetzt kurze Zeit auf meiner Terrasse, um eine gute Temperatur zu entwickeln. Bei diesem Wetter zieht es einen ja fast schon zum Glühwein hin. Ach wissen Sie was? Ich trinke das erste Glas gleich hier. In meinem Garten steht die Schaukel, welche von meinen großen Töchtern nicht mehr genutzt wird, aber meine kleine freut sich schon wieder auf durchkletterte Frühlingsabende. Und heute Abend schaue ich mal in der Garage nach meinem alten Auto. Ob dem auch so kalt ist? Prost. Weil jeder Tag zählt!