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Einfach mal den Rahmen sprengen - Weinbombing

Sie kennen Photobombing. Aber kennen Sie auch Weinbombing?

Veröffentlicht am 01. August 2018

Man soll ja immer nett sein. Besonders zu Freunden, denn wie es das Karma so will ist Freundlichkeit ja ein Bumerang. Nun steht ein 40. Geburtstag einer meiner Wegbegleiter an, und das erste was mir in den Kopf und die Hände kommt sind verschmitzt böse Karten mit ironischen Sprüchen über das Älterwerden. Nein, auf keinen Fall. Aber was schenkt man denn einem gestandenen Mann, der das Leben genießt und eigentlich schon alles hat? Ich bringe ja sehr gern Weingeschenke mit, aber ausgerechnet dieser Kumpel pflegt freundschaftliche Verbindungen zu zwei guten Winzern im Rheingau und wird den Abend und seine Gäste mit ein paar guten Tropfen aus der Region westlich von Frankfurt bedienen. Obwohl… vielleicht bietet sich gerade bei ihm ein Weingeschenk an? Wenn man meint, angekommen zu sein, ist ein Blick über den Tellerrand doch besonders interessant. Wer 40 wird ist noch lange nicht angekommen. Und wer zwei Winzer im Rheingau kennt – auch nicht. Ich überlege mir da mal was. Hihi….

Ein bisschen fühle ich mich wie beim „Photobombing“. Kennen Sie diese Spaßvögel, die bei jeder photographischen Gelegenheit ins Bild springen und das ursprüngliche Motiv damit umkrempeln? Manchmal ist das ganz lustig, manchmal aber auch nicht. Hier in Hessen trinken alle Weißwein, und inmitten der Weinberge kennen sich nicht wenige mit den Sorten auch richtig gut aus. Und jetzt komme ich, mit der weitesten Anreise von allen, aus einer Ecke im Norden ohne jede Weinbautradition – und bringe Wein mit – Weinbombing. Gewagt? Nein. Gefaltete und lustig zusammengesteckte 5-Euro-Scheinchen oder den berühmten Fresskorb aus der Region kann ja jeder schenken. Ich hingegen habe mich im Lübecker Laden (denn der ist gar nicht weit weg von meinem Wohnort Kiel) beraten lassen und ein paar gute Tropfen probiert, meine selbstbewusste Entscheidung wurde gut verpackt und kühl gelagert im Kofferraum meines alten Autos liebevoll bis hier her gefahren. Nun bin ich aber gespannt…

Gemütlich ist es bei der Grillhütte, unter herrlich harzig duftenden Kiefern und mit vielen netten Menschen. Der Selfmade Millionär aus dem Zulieferbereich sitzt neben der angestellten Physiotherapeutin, der Lufthansa Pilot neben dem KFZ Meister. Es wird gegessen, geredet, gelacht und geprostet. Die Gläser mit dem Weißwein klingen, und als ich nach der langen Anreise meine mitgebrachten Flaschen auf dem Tisch aufbaue und entkorke sind die ersten Gäste bereits wieder im Aufbruch begriffen. Es dämmert schon. Die Kinder wollen ins Bett. Übrig bleiben rund 10 Freunde zwischen 25 und 60 Jahren, ein paar neugierige Blicke und ein Geburtstagskind, was entzückt ruft: „Ein Barbera! Herrlich, woher wusstest du dass das mein Lieblingswein ist?“ Ich wusste es nicht. Aber vielleicht hatte der nette Mann im Laden in Lübeck so etwas wie ein Weingespür aufgrund meiner Erzählungen.

Mission erfolgreich. Im kleinen Kreise am Feuer verkosten wir den 2016er Ottosoldi Barbera del Monferrato als wunderbaren, abendlichen Kontrast zu den bis dahin getrunkenen halbtrockenen Weißweinen. Die Winzer hier unten können richtig was und liefern hervorragende Weine aller Preisklassen zu jedem Anlass. Aber dass ich ausgerechnet mit diesem schnörkellosen Barbera genau den Geschmack meines Freundes treffen würde – das war schon ein toller Treffer und erfolgreichen Weinbombing. Ein Hauch von Piemont in Hessen. Ein Abend voller Erinnerungen und Pläne. Und ein nächtlicher Fußmarsch zurück zum Hotel, der vielleicht nicht immer schnur-geradeaus ging – aber mit Sicherheit eine gelungene Runde deckelt.