Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

Sich noch einmal die warmen, schönen Tage ins Gedächtnis rufen.

 

Sonne und Eindrücke

Was war das für ein sagenhafter Sommer! 2018 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem man eigentlich gar nicht hätte in den Urlaub fahren müssen. Es wird das Jahr sein, an das sich unsere Kinder erinnern und dann später sagen, dass früher im Sommer immer die Sonne geschienen hat. Denn so war das ja schließlich bei uns auch, oder? Immer. In jedem Sommer! Ja ja. Nun gehören Sie hoffentlich – genau wie ich – nicht zu den Menschen, die den Urlaubsort ausschließlich nach der Schönwettergarantie aussuchen. Auch wenn ein wenig Sonne im Sommer schon ganz fein ist. Die Eindrücke eines fernen Landes, seine Kultur, seine andere Sprache, seine Farben und fremden Gerüche sind auch genau die Erweiterungen des eigenen Horizonts, die uns das Bewusstsein für die Schönheit dieser Welt öffnen. Und diese Schönheit hat Geschmack. Es ist zwar nicht wissenschaftlich erwiesen, warum genau der mitgebrachte Wein aus dem Urlaub zu Hause irgendwie nicht einmal halb so gut schmeckt… aber es muss ja nicht genau der sein. Es kann ja auch einer aus der gleichen Region sein. Einer, von dem man weiß, dass er ein echt guter Tropfen ist.

 

Zeugen einer schönen Zeit

In der Bauchtasche rascheln noch ein paar italienische Parkzettel und zerknickte Eintrittskarten. Aus den hintersten Ecken des Portemonnaies rieselt immer noch feiner Sand, der in den Wochen nach dem Urlaub heimlich, still und leise mindestens einen Magnetstreifen irgendeiner Kreditkarte geschrotet hat. Zwischen Seite 42 und 43 des Reiseführers versteckt sich unbemerkt eine schöne Blüte, die jetzt zart und papierdünn von dem Tag erzählt, als sie dort reingeraten war. Die leichte Sommerjacke riecht noch immer ein bisschen nach Sonnenmilch. Es sind so viele Eindrücke, die ein vergangener Urlaub in uns hinterlässt. Einige nehmen wir einfach auf und tragen sie im Herzen, andere lassen sich mit solch materiellem »Nachhall« wundervoll zurückholen. Und die Klammer um all diese Erinnerungen sind Fotos. Nicht auf der Festplatte dem ewigen Datendunkel des Vergessens ausgesetzt, sondern als schönes Fotobuch ausgedruckt und gebunden. Aus dem Regal geholt, aufgeklappt und als haptische Zeitkapsel wieder geöffnet. Hier finden jetzt auch die Parktickets, die Eintrittskarten und die aus Versehen gepresste Blüte ihren Platz. Und mit ein bisschen Kreativität sogar der Sand aus dem Portemonnaie.

 

Das Gold der Erde

Und wie schmeckt jetzt zum Beispiel Norditalien? Oha. Der köstliche Hauswein des kleinen Hotels, allabendlich serviert in gekühlten Karaffen, wollte seinen Namen nicht preisgeben. Aber ein anderer würdiger Vertreter seiner Region passt ganz hervorragend zu meinen Erinnerungen. In Lugana nennt man feine Weißweine das »Gold der Erde«, und dieser 2017er Terra Oro Lugana leuchtet so wundervoll goldgelb im Glas, dass man meint, er habe die Sonne selbst eingefangen. Und Sonne gab es auch südlich des Gardasees in den letzten Jahren reichlich. Es gibt doch kaum eine schönere Gelegenheit, Zeitreisen auch geschmacklich zu untermalen, während Fotos die Tage wieder lebendig werden lassen. Tage voller Zeit, voller Entspannung und immer mit emotionalen Abenden voller Licht und Wärme. Wissen Sie was? Das treibt mich jetzt so sehr um, dass ich mich gleich wieder an den Rechner setzen werde. Um zu schauen, wohin ich das kommende Jahr reisen möchte. Und mal sehen – vielleicht klappt es ja auch, sich mit einem Wein aus der Region auf den bevorstehenden Urlaub einzustimmen? Denn nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Ich werde es Sie wissen lassen.