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Rotwein im Sommer

Wir werden immer wieder einmal gefragt, kann man Rotwein auch gekühlt genießen, z.B. im Sommer? Eine Antwort darauf kann lauten – selbstverständlich...

Veröffentlicht am 22. Juli 2021

Tatsächlich kann ein leicht oder auch etwas stärker gekühlter Rotwein außerordentlich schmackhaft sein, wenn man (nur) wenige Grundregeln beachtet.

Es sind zwei geschmackliche Komponenten bzw. Inhaltsstoffe des Weines, die im Wesentlichen die Trinktemperatur bestimmen: Säure und Gerbstoffe. Das heißt aber auch, dass es im Regelfall beim Weißwein nur die Säure ist, die die Temperatur bestimmt, da dieser ja normalerweise gar keine oder nur sehr wenig Gerbstoffe enthält. Beim Weißwein handelt es sich um Apfelsäure und Weinsäure, die dem Wein Frische verleihen. Allerdings sind diese Säuren umso besser in die Textur des Weines integriert, je kühler er ist, im Idealfall so um die 8 bis 10 Grad, in Ausnahmefällen auch einmal ca. 6 bis 7 Grad oder auch 10 bis 12 Grad.

Beim Rotwein liegen die Verhältnisse etwas anders, denn hier »konkurriert« die Säure mit den Gerbstoffen. Die Säure allerdings fällt hier durch den sogenannten Säureabbau oder die Milchsäuregärung milder aus, da durch diesen Prozess die aggressivere Apfelsäure in Milchsäure umgewandelt wird. Dafür betreten hier die Gerbstoffe oder Tannine die Bühne, also sogenannte Bitterstoffe. Die Wirkung dieser Bitterstoffe ist jedem irgendwie bekannt, auch Nicht-Weintrinkern. Denn auch Kaffee oder Tee enthalten diese Gerbstoffe und da lässt sich die Wirkung der Gerbstoffe sehr anschaulich an einem Beispiel demonstrieren, das jeder kennt. Man brüht sich eine schöne Tasse Kaffee, die in heißem Zustand ausgesprochen wohlschmeckend ist, harmonisch mit typischem Geschmacksbild – so soll es sein. Nun war man aber vielleicht zu einem Termin oder einer Verabredung gerufen, die Tasse kühlt ab. Kommt man nun zurück und will den erkalteten Rest genießen, so präsentiert sich dieser völlig unharmonisch, bitter und sogar aggressiv. Und das führt uns direkt zu den Trinktemperaturen der Rotweine.

Die Temperatur richtet sich nämlich in erster Linie nach dem Gehalt und der Qualität der Gerbstoffe. Ein hoher Tanningehalt entfaltet sich harmonisch im Regelfall bei einer Trinktemperatur von 16 bis 18 Grad. mitunter sogar bis 20 Grad. Demnach verlangen Weine mit hohem oder kräftigem Gerbstoffgehalt wie Bordeaux, Barolo, Châteauneuf-du-Pape oder Weine aus der Sorte Malbec nach eben jenen Genusstemperaturen von 16 bis 18 Grad. Rotweine mit geringem Tanningehalt vertragen umgekehrt aus eben jenen Gründen auch kühlere Trinktemperaturen, das kann bis auf 12 bis 14 Grad zurückgehen.

Man achte also einfach auf den Gerbstoffgehalt, und dann kann man, so man will, einen Rotwein auch kühler genießen. In Frage kommen Rebsorten mit geringem Gerbstoffgehalt, wie z.B. Corvina für Valpolicella oder Gamay, die Sorte für den Beaujolais. Rebsorten wie Nebbiolo, Tannat oder Cabernet Sauvignon allerdings eignen sich weniger.

Wie stets beim Weintrinken gilt auch hier: erlaubt ist, was Spaß macht. Dem Experimentieren sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.