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Auf ein Glas mit Willi Bründlmayer

In unserer Reihe »Auf ein Glas« stellen wir Ihnen interessante Persönlichkeiten aus der Welt der Weine und Kulinarik vor. Heute kommt Willi Bründlmayer vom Weingut Bründlmayer zu Wort.

Veröffentlicht am 10. Mai 2022

Bitte stellen Sie sich zu Beginn kurz mit zwei Sätzen vor.
Mein Name ist Willi Bründlmayer. Ich habe das Glück, seit mehr als 40 Jahren als Eigentümer des Familienbetriebes Weingut Bründlmayer tätig sein zu dürfen, eine Arbeit, die mir viele Freude bereitet hat und immer noch bereitet - und auch mit viel Anerkennung belohnt wird.

Mein Weg zum Wein war…
Ich bin als Hausgeburt direkt im elterlichen Weingut im österreichischen Langenlois geboren, danach habe ich etliche Kurven durch die Welt gemacht, insbesondere Frankreich (z.B. Praktikum im Burgund), auch Deutschland (als Gasthörer für Weinbau in Geisenheim mit Praktikum bei Bürklin Wolf in der Pfalz), bin dann aber bald wieder im Familienweingut in Langenlois gelandet.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Die unendliche Vielfalt und Abwechslung der Arbeit im Weingut: Von der Auspflanzung der jungen Reben über die Begleitung des Weingartens in seiner manchmal hinreißend schönen, manchmal harten und kalten Natur, im Frühjahr das Erlebnis des kraftvollen Austriebs nach dem strengen Winter, der subtile aber hier im Weingarten allgegenwärtige Duft der Rebenblüte, die spannende Weinlese, die magische Gärung und zuletzt der feine Wein - und natürlich die Gesichter und Stimmen der Kunden, wenn entkorkt, gekostet, kommentiert und gefeiert wird.

Das macht unsere Weinregion besonders:
Durch das Zusammentreffen der zwei Flusstäler in Langenlois, Kamp und Donau, entstehen einzigartige Klimazonen mit tausenden Möglichkeiten, Feinheit und Persönlichkeit der Weine herauszuarbeiten. Es gibt Böden, die es nur hier uns sonst nirgendwo auf der Welt gibt, so wie das 250 Millionen Jahre alte Gestein »Zöbinger Perm Wüstensandstein«.

Welche Speise empfehlen sie zu Ihrem „Grüner Veltliner Ried Rosenhügel“?
Ein Klassiker wäre natürlich das Wiener Schnitzel. Heute hat meine Frau aber einen Saibling vom Markt mitgebracht und auch dazu wird der Rosenhügel wunderbar passen mit einem frischen Salat und natürlich den Bratkartoffeln, die man in Österreich Erdäpfel nennt! Die Stärke des Weins ist seine diskrete Würze, die eine große Vielfalt von Kombinationen zulässt. Der schöne Rosenhügel würde in seinem Namen vielleicht Lieblichkeit versprechen, aber man soll sich nicht täuschen: Er ist tatsächlich mineralisch trocken mit Frische, Würze, Feinheit und Länge am Gaumen. Ich kann mir kaum eine Speise vorstellen, die nicht wunderbar von diesem feinen Veltliner ergänzt wird.

Haben Sie eine Restaurantempfehlung in Ihrem Weinbaugebiet für unsere Leser?
In Langenlois (eine knappe Autostunde von Wien, westwärts, also Donau aufwärts) kann man im Heurigenhof Bründlmayer nicht nur den aktuellen Jahrgang, sondern immer wieder auch reife Jahrgänge und Raritäten probieren. Es gibt in unserer Region aber eine Unzahl hervorragender Restaurants, Gasthäuser und Heuriger. Das wohl traditionsreichste und zu Recht berühmteste Restaurant unserer Gegend ist sicherlich das Landhaus Bacher in Mautern.

Mein schönster Weinmoment war…
Als meine Frau zum Heiratsantrag »Ja« sagte… natürlich war dieser heikle, lebensbestimmende Akt von einem inspirierendem Glas Wein begleitet.

Mein erster Wein, an den ich mich erinnern kann, ist …
Als Kinder bekamen meine Schwester und ich von Mama im Alter ab ca. 6 Jahren bei Erkältungen ein Gläschen heißen, mit Honig gesüßten Rotwein zum Auslöffeln, um möglichst schnell wieder gesund zu werden. Diese Medizin war mir und meiner Schwester schon lieber als jeder Hustensaft. Dass Wein nicht nur in Rot, sondern auch in Weiß erfrischend kühl und trocken schmecken kann, hat mich schließlich als jungen Erwachsenen begeistert.

Mit diesem Menschen würde ich gerne mal einen Wein trinken:
Mit Johann Wolfgang von Goethe, da würde ich sicher die aller-allerfeinste Flasche aus dem Keller holen.

Welches ist der perfekte Wein, um einen lauen Sommerabend zu genießen?
Ein feiner Grüner Veltliner, der ausgeglichene 7 Jahre jung bzw. alt ist, also sowohl Frische als auch Reife mit in den Sommerabend bringt und so die Gedanken über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beflügelt.

Wofür brennen Sie abseits des Weines?
Als Partner des Wiener Burgtheaters freue ich mich immer über die Schönheit und Ausdruckskraft unserer deutschen Sprache. Meine Frau Edwige, die in Frankreich aufgewachsen ist, bringt mir die wunderbare Welt der französischen Kultur und Sprache nahe, die ich durch sie als weiteren Kulturkreis erleben darf. Auch in meiner Tätigkeit in der »Académie Internationale du Vin« habe ich regelmäßig mit der lebensfreudigen, romanischen Kultur zu tun. Wir beschäftigen uns aber auch mit ernsteren Fragen, wie z. B. über welche Wege wir mit unseren Weingütern CO² neutral werden können.

Welche Musik spielt bei Ihnen an einem entspannten Abend mit Wein?
Naja, momentan spielen die genialen österreichischen DJs Kruder und Dorfmeister. Gegen eines der überirdischen Klavierkonzerte von Mozart hätte ich aber gar keine Einwände. Auch gerne eines der vielen außergewöhnlichen Streichquartette von Beethoven, der in unserer Gegend, gerade einmal 4 Kilometer von Langenlois entfernt, seinen Urlaub verbracht hat.

Auf was könnten Sie in Ihrem Leben nicht verzichten?
Auf das Gespräch mit lebenserfahrenen und stark fühlenden Menschen, möglichst begleitet von authentischem, gutem Essen und feinen Weinen. Ich könnte aber auch auf den vitalisierenden Kontakt mit meinen Kindern und Enkelkindern nicht verzichten und auf die frische und würzige Luft hier in Langenlois und die Schönheit der Weingartenlandschaft.