Das Erbe Europas
Im beschaulichen Dorf Kog, das zu der Region Jeruzalem gehört und ein Teil der slowenischen Steiermark ist, ist es ein Ire mit Namen Liam Cabot, der sich stark macht für die Rebsorte Welschriesling. So verliebt er in seine Frau Sinead ist, so haben beide ihr Herz an die Idylle hier verloren, die hügelige Landschaft, die an die Toskana erinnert und an die Weine, die die Tiefe der Täler besitzen und die mit einer Frische und Energie beflügeln, wie es sonst nur die Ausblicke von den Hügeln vermögen. Das Statement von Liam: »Slovenia, with its once green border, is the heart of these grape varieties. Maybe the grass is greener in Ireland, but certainly not more beautiful.«
Tatkräftige Unterstützung bekommen die beiden von der lokalen Winzer-Legende Miro Munda, der seit 1988 Winzer ist. Sie wurde nicht nur herzlich in der Region aufgenommen, es war auch der Austausch und das Miteinander der lokalen Winzerinnen und Winzer, der beide begeistert.
Nach dem Vorbild des VDP ist sogar in wenigen Jahren eine landesweite Vereinigung der Spitzenweingüter Sloweniens entstanden. Die SVL (Slovenska Velika Lega) stellt die besten Lagen und das beste Terroir des Landes ins Rampenlicht. Und kann dabei auf eine glorreiche Geschichte zurückblicken, die allerdings durch zwei Weltkriege etwas abgekühlt ist. Die einstige Bedeutung der Region kann man erahnen, wenn man weiß, dass der erste Österreichische Weinbau-Kongress 1876 in Marburg, dem heutigen Maribor, und nicht etwa in Graz oder Wien stattfand.
Einer, der beide »Regionen« kennt ist Armin Tement: »Beide Seiten sind absolut gleichwertig, ein herausragendes Terroir!« Der Mutterboden, wie Armin Tement es nennt, ist ein Korallenriff vom panonnischen Meer, 16 Mio. Jahre alter Kalkstein. Besucht man das berühmte Herzstück der Steiermark, die Lage Zieregg, fährt man auf einer schmalen Straße entlang, die sich über Hügelkämme auf einer Strecke von 12 Kilometern schlängelt. Die sogenannte südsteirische Weinstraße. Auf beiden Seiten wandert der Blick über Weinberge. Die Landschaft, wie gemalt, eine unvergleichliche Naturschönheit, man kann es Liam und seiner Frau nicht verdenken, sich in diesen Fleck Erde verliebt zu haben. Einzig die geografischen Gegebenheiten sind unterschiedlich, was für feine Microklimata sorgt. »Der Zieregg schafft es, immer die volle Tiefe der Reife zubekommen und immer ein eleganter Wein zu werden, nie üppig oder breit, immer mit Fokus und Filigranität. Er verbindet auf spannende Art die Welten zwischen Frische, Eleganz und Reife und Struktur. Das kann keine andere Lage in unserem Portfolio so. Der Grassnitzberg im Vergleich, ist immer kühler und in manchen Jahren sehr karg. Der Zieregg hat aber auch in kühlen Jahren die Eleganz dabei.«, schwärmt Armin Tement. In Slowenien heißt dieser Ciringa. 2004 haben die Tements das Projekt Domaine Ciringa ins Leben gerufen, um für jeden Teil des Zieregg/Ciringa Herkunft, Sorte und Jahrgang kommunizieren zu können. 20 Hektar haben sie mit Sauvignon Blanc rekultiviert, denn auch hier waren historische Weingärten nicht mehr bewirtschaftet. 2009 konnten Armin und sein Bruder Stefan Tement den ersten Jahrgang füllen.
»Kog war ein großes Glück, wir waren direkt fasziniert von der Region, der Ruhe und der Geschichte. Wir Iren haben ja selbst nicht viel Geschichte.« kokettiert Liam Cabot lachend. »Die Größe der Weinbauregion, auch historisch, haben vor 10 Jahren nicht viele gesehen. Es wurde immer vom Osten gesprochen, aber für mich ist Slowenien das Herz von Europa!«