Welschriesling – der »Fremde«, der Heimat vermittelt

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Der »Fremde«, der Heimat vermittelt

»Welschriesling ist die zweitwichtigste Rebsorte des Weinviertels und hat besonders im südlichen Weinviertel eine sehr lange Tradition,« erklärt Herbert Zillinger. »Leider hat das Image der Rebsorte in den letzten Jahrzehnten stark gelitten, auch wegen des Jungwein-Booms.«

Veröffentlicht am 13. August 2025

Das der Welschriesling unter dem Radar fliegt ist nicht allein ein Phänomen des Weinviertels. Obwohl ihr Herz schon seit Jahrhunderten inmitten Europas schlägt, wird sie meist kläglich unterschätzt. Ein Grund mehr, sich dieser edlen Sorte zu widmen.

Unklar ist, wo genau die Rebe ihre Wurzeln hat. Mit dem »Rhein-Riesling« hat sie keine Verwandtschaft. Der Namensteil »Welsch« bedeutet »Fremd« oder auch »Ausländer«. Ein Indiz dafür, dass sie in den deutschsprachigen Raum eingeführt wurde. Auch in Slowenien, wo sich im Frühjahr ein Summit der Rebsorte widmete, bedeutet »Laški Rizling« fremder Riesling. Mittlerweile vermutet man die Herkunft in Kroatien oder Serbien.


Kog in der Weinbauregion Štajerska Slovenija – Sloweniens Teil der Steiermark

Grenzenloses Land, grenzenlose Ausdrucksmöglichkeiten einer Rebsorte: Welschriesling transportiert Herkunft

Des Kaisers neue Rebsorten

Fremd ist der »Wösch«, wie die Österreicher ihn nennen, im Donauraum längst nicht mehr. Welschriesling transportiert Terroir von Österreich bis Slowenien, von Tschechien bis Kroatien, von Italien bis Serbien. Wenn es für eine Rebsorte 80 Synonyme (Laški Rizling in Slowenien, Olasriesling in Ungarn und Riesling Italico in Italien) gibt, ist das zweifelsfrei ein Indiz für ein hohes Alter und eine weite Verbreitung. Dennoch hat man vom Welschriesling hierzulande vielleicht noch nicht so viel gehört oder im Glas gehabt.

Der Summit in Slowenien im Frühjahr dieses Jahres widmete sich der alten Rebsorte, die im Herrschaftsgebiet der Habsburger Monarchie der kaiserlich-königlichen Vereinigung von Österreich und Ungarn Verbreitung fand. Neben 35 Welschrieslingen aus sieben Nationen wurden in einer Blindverkostung, zu der internationale Fachleute und Pressevertreter geladen waren, auch Furmint und Blaufränkisch verkostet, um das Potenzial dieser weniger bekannten Weine aufzuzeigen. Der Blaufränkisch, in Deutschland als Lemberger geläufig, zählt dabei sicher schon zu den bekannteren und in der Popularität steigenden Sorten.


35x Welschriesling aus sieben Ländern

7 Flights mit Welschriesling

Diskussionen im Glas und im Weinberg. Tamlin Currin (links) mit Liam Cabot von Roka Winery (rechts) und Karl Schnabel

Summit-Initiatoren Miro Munda (vorn), Liam und Sinead Cabot mit David Schildknecht, Simon Woolf, Thomas Bold, Darrel Joseph, Sue Tolson und Tamlin Currin (v.l.n.r)

Das Erbe Europas

Im beschaulichen Dorf Kog, das zu der Region Jeruzalem gehört und ein Teil der slowenischen Steiermark ist, ist es ein Ire mit Namen Liam Cabot, der sich stark macht für die Rebsorte Welschriesling. So verliebt er in seine Frau Sinead ist, so haben beide ihr Herz an die Idylle hier verloren, die hügelige Landschaft, die an die Toskana erinnert und an die Weine, die die Tiefe der Täler besitzen und die mit einer Frische und Energie beflügeln, wie es sonst nur die Ausblicke von den Hügeln vermögen. Das Statement von Liam: »Slovenia, with its once green border, is the heart of these grape varieties. Maybe the grass is greener in Ireland, but certainly not more beautiful.«
Tatkräftige Unterstützung bekommen die beiden von der lokalen Winzer-Legende Miro Munda, der seit 1988 Winzer ist. Sie wurde nicht nur herzlich in der Region aufgenommen, es war auch der Austausch und das Miteinander der lokalen Winzerinnen und Winzer, der beide begeistert. 

Nach dem Vorbild des VDP ist sogar in wenigen Jahren eine landesweite Vereinigung der Spitzenweingüter Sloweniens entstanden. Die SVL (Slovenska Velika Lega) stellt die besten Lagen und das beste Terroir des Landes ins Rampenlicht. Und kann dabei auf eine glorreiche Geschichte zurückblicken, die allerdings durch zwei Weltkriege etwas abgekühlt ist. Die einstige Bedeutung der Region kann man erahnen, wenn man weiß, dass der erste Österreichische Weinbau-Kongress 1876 in Marburg, dem heutigen Maribor, und nicht etwa in Graz oder Wien stattfand.

Einer, der beide »Regionen« kennt ist Armin Tement: »Beide Seiten sind absolut gleichwertig, ein herausragendes Terroir!« Der Mutterboden, wie Armin Tement es nennt, ist ein Korallenriff vom panonnischen Meer, 16 Mio. Jahre alter Kalkstein. Besucht man das berühmte Herzstück der Steiermark, die Lage Zieregg, fährt man auf einer schmalen Straße entlang, die sich über Hügelkämme auf einer Strecke von 12 Kilometern schlängelt. Die sogenannte südsteirische Weinstraße. Auf beiden Seiten wandert der Blick über Weinberge. Die Landschaft, wie gemalt, eine unvergleichliche Naturschönheit, man kann es Liam und seiner Frau nicht verdenken, sich in diesen Fleck Erde verliebt zu haben. Einzig die geografischen Gegebenheiten sind unterschiedlich, was für feine Microklimata sorgt. »Der Zieregg schafft es, immer die volle Tiefe der Reife zubekommen und immer ein eleganter Wein zu werden, nie üppig oder breit, immer mit Fokus und Filigranität. Er verbindet auf spannende Art die Welten zwischen Frische, Eleganz und Reife und Struktur. Das kann keine andere Lage in unserem Portfolio so. Der Grassnitzberg im Vergleich, ist immer kühler und in manchen Jahren sehr karg. Der Zieregg hat aber auch in kühlen Jahren die Eleganz dabei.«, schwärmt Armin Tement. In Slowenien heißt dieser Ciringa. 2004 haben die Tements das Projekt Domaine Ciringa ins Leben gerufen, um für jeden Teil des Zieregg/Ciringa Herkunft, Sorte und Jahrgang kommunizieren zu können. 20 Hektar haben sie mit Sauvignon Blanc rekultiviert, denn auch hier waren historische Weingärten nicht mehr bewirtschaftet. 2009 konnten Armin und sein Bruder Stefan Tement den ersten Jahrgang füllen.

»Kog war ein großes Glück, wir waren direkt fasziniert von der Region, der Ruhe und der Geschichte. Wir Iren haben ja selbst nicht viel Geschichte.«  kokettiert Liam Cabot lachend. »Die Größe der Weinbauregion, auch historisch, haben vor 10 Jahren nicht viele gesehen. Es wurde immer vom Osten gesprochen, aber für mich ist Slowenien das Herz von Europa!«

  


Wird Österreich "Wöschmeister"?

Bunte und beeindruckende Vielfalt

Winzerhandwerk von Roka bis Zillinger

Die Grand Dame des Welschriesling: Heidi Schröck

Offene Karten, verdeckte Flaschen

Die Blindverkostung, die ehrlichste Art der Weinprobe, sorgte für Überraschungen und bestätigte das Können von bekannten Winzerinnen und Winzern. Es gab 7 Runden à 5 Weine. Jeder kostete bei dem Silent Tasting zunächst für sich, machte sich Notizen, markierte seine Favoriten. Erst danach wurden die Flaschen präsentiert und diskutiert. Obwohl es das Wochenende der Summa und Vinitaly war, ließen es sich viele namhafte Weinkennerinnen und Weinkenner nicht nehmen am Summit teilzunehmen. So war Tamlin Currin dabei, die für Jancis Robinson Weine verkostet. Der ehemalige Verkoster von Robert Parker, David Schildknecht. Außerdem der Orange Wine Papst, Simon Woolf, der mit seinem Buch Amber Revolution, das wohl bedeutendste Werk für Naturwein geschrieben hat. Außerdem aus Skandinavien Thomas Bohl, der den dänischen Blog flaskevis schreibt. Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen ist bekanntermaßen der Hotspot für Natural Wine.

Auch die Liste der Weine konnte sich sehen lassen. Mit dabei waren die Welschrieslinge von bekannten Winzerinnen und Winzern wie Birtok aus Ungarn, Christoph Polz' Welsch aus der bekannten Ried Grassnitzberg. Lackner-Tinnachers 21er Jahrgang. Birgit Braunstein, Thomas Straka, die Rennersistas und Wachter-Wiesler aus dem Burgenland, Philip Grassl aus dem Carnuntum und natürlich der Lokalmatador Miro sowie der Laški Rizling von Liam und Sinead, die ihr Weingut Roka genannt haben, was Hand auf slowenisch bedeutet. Auch die Weingüter Kögl und Gross auf der österreichischen Steiermark-Seite war mit von der Partie. Ebenso natürlich der Welsch aus der Ried Ottenberg von Tement. Ein Welschriesling, der dabei herausstach, war jener von Herbert Zillinger aus dem Weinviertel. Für uns auch ein Grund die Weine von Herbert und seiner Frau Carmen in unser Tesdorpf Sortiment aufzunehmen. 

 




Blind verkostet, breite Zustimmung erhalten

Welschriesling-Highlights, die es auch bei Tesdorpf zu kaufen gibt

Bodenständiger Bodenbotschafter

In Österreich macht Welschriesling mit 2774 Hektar gerade einmal 6,3% der gesamten Weinanbaufläche aus. Er ist also ein Rarität, die man probieren sollte. Und die oben genannten Betriebe machen aus der Rebsorte weit mehr als den »Spritzerwein«, also die Weinschorle, für den der Welschriesling in den vergangenen Jahrzehnten benutzt wurde. 

Welschriesling reift spät, ist also auch eine Zukunftstraube in Zeiten des Klimawandels. Die knorrigen »Wöschstöcke« für den Zillinger Alte Reben Welschriesling 2023 stehen in der Ried Hundsberg im südlich vom niederösterreichischen Ebenthal gelegenen Ollersdorf. Der Boden wird hier vom Ollersdorfer Kalk geprägt. Die Weinreben gehören zu den Ältesten im Besitz von Carmen und Herbert Zillinger und werden, wie von den beiden üblich, biodynamisch gehegt und gepflegt. Nach der selektiven Handlese bei niedrigstem Ertrag hat Herbert seinen Welschriesling spontan vergoren und ungeschönt sowie mit etwas Füllschwefel nach dem Ausbau gefüllt.

»Welschriesling kann wunderbares Terroir in einer sehr charaktervollen Weise transportieren und kommt auch mit heißen, trockenen Jahrgängen zurecht,« betont Herbert Zillinger. »Für uns ist es eine Rebsorte, die mit ihrer eher neutralen Aromatik ganz viel Platz für Terroirausdruck lässt.«

Fremdeln Sie also nicht, probieren Sie Herkunft pur.