Auf ein Glas mit ... Daniel Deckers

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Das Deutsche Weinwunder und wie es dazu kam

Weingeschichte muss nicht trocken sein! Das beweist Daniel Deckers mit jedem seiner Bücher aufs Neue! Wir trafen den Autor des Buches "Das Deutsche Küchen- und Weinwunder" in Hamburg im Hotel Atlantic. Und auch wenn unsere Rubrik "Auf ein Glas mit ..." heißt, der Nachmittag stand im Zeichen von "Auf einen Tee mit Daniel D."

Veröffentlicht am 02. Oktober 2025

Was haben der Prager Dichterkreis um Franz Kafka, Friedrich Zweigelt, deutscher Riesling und Spätburgunder gemeinsam? Über alle "Protagonisten" hat Daniel Deckers, Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, recherchiert und herausragende Bücher geschrieben. Mit großer Weinleidenschaft und Akribie geht Daniel Deckers Rebsorten, Rebenzüchtern und selbst Literaten auf den Grund. Zum einhundertsten Jubiläum der Rebsorte Zweigelt räumte Deckers mit Vorurteilen und halbwahren Geschichten über dessen Züchter auf. Im Prag der Zwischenkriegszeit entdeckte er unter den Freunden des jung verstorbenen Franz Kafka eine literarische Szene in Prag, die sich phantasievoll und sprachmächtig nicht dem Bier widmete, sondern dem Wein. Sie schrieben über den "Vino", wie die erschienene Anthologie 1930 genannt wurde, und über „Wein“, wie es drei Jahre später hieß. Mitten im Herzen des goldenen Prag ließen sich sich von den Köstlichkeiten inspirieren, die tief unter dem Altstädter Ring in den Kellern der Weinhandlung Jos. Oppelt's Neffe lagerten – und ebenso inspiriend ist das, was Deckers zu Tage fördert.

Weingeschichte muss nicht trocken sein

Mit seinem jüngsten Buch führt er uns tief in die Keller deutscher Weingüter. Daniel Deckers, der wohl versierteste Weinwisser Deutschlands, hat beispielsweise zum Jubiläum des Weinguts St. Antony ein Buch verfasst. Und auch über Tesdorpf hat er bereits recherchiert, die wir einst in der Mengstraße zu Lübeck unseren Hauptsitz hatten, nur wenige Meter vom "Buddenbrook"-Haus entfernt, dem Familiensitz von Thomas Mann. Unsere "Vita" vom Lübecker Rotspon bis zu Johann Sebastian Bach erschien im FINE Magazin, Ausgabe 2/21 erschienen.

Doch wollen wir nicht über uns sprechen, wir möchten über den deutschen Spitzenwein reden. Über das Deutsche Wein- und Küchenwunder, um genau zu sein. So lautet sein neuestes Werk, das er zusammen mit dem Dresdner Historiker Josef Matzerath geschrieben hat. Die Geschichten, die Daniel Deckers zu Tage fördert, lesen sich hochspannend und unterhaltsam. So gehören auch seine zwei Auftritte bei „Terroir und Adiletten“ zu den meistgehörten Folgen dieses Wein-Podcasts.

Wir haben Daniel Deckers in Hamburg getroffen. Auf einen Tee wohlgemerkt, und mit ihm über sein neues Buch gesprochen. Dabei sind ist uns natürlich nicht entgangen, dass wir von Tesdorpf die Meilensteine der deutschen Weingeschichte mitbegleitet haben. So entstand die Idee,zu de einzelnen Kapiteln entsprechende Weine auszuwählen, die Teil dieser Geschichte sind. So können Sie deutsche Weingeschichte erleben und kosten. Trocken sind lediglich die Weine, nicht das Buch, so viel sei vorab verraten.

Die Geschichte der Entwicklung der deutschen Spitzenweine  beschreibt Deckers in einem "Menü ins sechs Gängen". Dabei bespricht er Hugh Johnson, die Anfänge des VDP, den Beginn des Einsatzes von Barriques beim Rotwein, erzählt wie aus Ersten Lagen Große Lagen wurden und analysiert die Mainzer Weinbörse. Dabei sind es die letzten 50 Jahre, die im Fokus der "Ermittlungen" standen.

Die Kapitel des Buches möchten wir mit passenden Weinen begleiten und so der Redewendung "trockene Geschichte" eine neue Facette geben. Denn anhand "praktischer" Beispiele lernt es sich wohlwissend besser. So kann man sich den Themen Rotweinwunder und erstklassige Lagen nicht nur theoretisch widmen, sondern die Buchlektüre auch mit genussvollen Kostproben begleiten.

Bei den Rotweinen, die wir gemeinsam mit Daniel Deckers kuratiert haben, spielen die Weingüter Fürst, Franz Keller, Schnaitmann, Haidle und Ökonomierat Rebholz eine entscheidende Rolle für den Aufstieg und die Anerkennung, die deutschen Rotweinen heute auch international zu Teil wird. Dass dies nicht immer so war, zeigt eine Begebenheit, die im Buch geschildert wird: "Dass 1983 bei dem legendären Menü zu Ehren des deutschen Rieslings hoch über den Dächern von New York, außer eben zwölf trockenen und halbtrockenen Rieslingen, die als Speisenbegleiter dienten, zum Aperitif (!) unter anderen eine trockene Spätlese Spätburgunder Weißherbst (!) gereicht wurde, sagt alles über das Ansehen, das deutscher Rotwein zu Beginn der 1980er Jahre genoss: Man zeigte ihn lieber erst gar nicht vor."  Welches Weingut welche Rolle in dem deutschen Rotweinwunder spielte, wer Mitglied bei den "Holzwürmern" war, wie die Gruppe H.A.D.E.S. zunächst belächelt wurde, erfahren Sie natürlich in dem entsprechenden Kapitel. Und natürlich auch, wofür die Buchstaben H.A.D.E.S. stehen.

Das Weißwein-Renomee beginnt mit Ersten Gewächsen, noch bevor es die heutigen "GG" des VDP gab. Natürlich dreht sich dabei alles um die Königin unter den Rebsorten, dem Riesling. "Die Großen vor dem Großen Gewächs" haben wir es genannt. Hier spielen die Weingüter Georg Breuer, St. Antony, A. Christmann, Dr. Bürklin-Wolf, Gunderloch und Kühling-Gillot eine große Rolle. Auch hier möchten wir nicht zu viel verraten, der Genuss der Weine in Kombination mit dem Buch wird Ihnen einen köstlichen Einblick verschaffen. In weiteren ebenso unterhaltsamen wie informativen Episoden erzählt Daniel Deckers über den großen Hugh Johnson und seinen "kleinen" Weinführer, die Entstehung des VDP und die Taufe der Großen Gewächse.

Das Buch enthält neben dem Teil über das Weinwunder auch einen ausführliche Rekonstruktion des Deutschen Küchenwunders. Kulinarisch beginnt die Reise mit der Küchenprominenz der 1970er Jahre, lange bevor die Ära der TV-Köche und eine regelrechte Popkultur begannen. Im Fokus stehen auch Wolfram Siebeck, der Beginn des Food-Journalismus und der Beruf des Gastrokritikers. Der Impuls zu diesem intensiv recherchierten Werk entstand aus der Ausstellung Wolfram Siebeck und das Deutsche Küchenwunder, die im Jahr 2021 in Dresden stattfand. Mittlerweile ist das dortige „Deutsche Archiv der Kulinarik“ eine Reise in die sächsische Hauptstadt wert,

Zwischen Amuse-Bouche und Amselfelder finden sich viele spannende Geschichten, die alles andere als trocken sind. Wir empfehlen dazu Riesling und Spätburgunder aus unserem Sortiment. Zum Wohl und auf gute Unterhaltung! Das Buch ist im Shop des VDP erhältlich.