Weingut Franz Keller

Es ist gerade einmal gut 100 Jahre her, da zählten Weine aus Deutschland zu den gesuchtesten und begehrtesten der Welt und wurden teurer gehandelt als die besten Bordeaux oder Burgunder. In den letzten gut 20 Jahren kann das Land qualitativ mit einer enormen Rebsorten-Vielfalt wieder an diese glorreichen Zeiten anknüpfen. Das schöne für anspruchsvolle Weinfreunde: Die Preise hinken dieser erfreulichen Entwicklung im Gegensatz zu anderen Ländern (noch) deutlich hinterher.

Weingut Franz Keller

Seit weit über 100 Jahren wird hier auf hohem Niveau Wein erzeugt, im besonderen Maß berühmt wurde es aber in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts durch Franz Keller sen., ein kompromisslosen Streiter für höchste Qualität. In einer Zeit, als viele Menschen in Deutschland klebrig süßen Wein tranken, kämpfte er als einsamer Mahner in einem Ozean lieblicher Weine aus Mode-Rebsorten für trockene Weine aus den klassischen und traditionsreichen Sorten. An die Stelle von Massenproduktion setzte er – wofür er belächelt wurde – auf rigorose Ertragsreduzierung und akribische Arbeit im Keller. Gleichzeitig machte er sich für die Liaison trockener Weine mit hochwertiger Küche stark, was in den 60er-Jahren und 70er-Jahren einer Pionierleistung gleichkommt. Immerhin konnte er da etwas vorweisen, denn sein Restaurant »Schwarzer Adler« war ab Ende der 60er-Jahre eines der wenigen Sterne-Restaurants Deutschlands. Er beließ es nicht bei grollenden Worten, die Weine des Weinguts waren damals – und sind es noch heute – absolute Spitze. Seine Grauburgunder haben Maßstäbe gesetzt, auf seine Spätburgunder werfen auch im 21. Jahrhundert viele Winzer aus Burgund ein ängstliches Auge. Heute führen seine Söhne das renommierte Weingut. 2013 wurde eine neue Kellerei in Betrieb genommen, die Meilensteine in puncto Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Architektur setzt. Sie verschwindet beinahe im berühmten Lößboden Oberbergens und ist so in absteigende Ebenen unterteilt, dass Most und Wein nur durch die Kraft der Gravitation von Schritt zu Schritt bewegt werden. Schonender geht das nicht. Und die Weine setzen auch im 21. Jahrhundert Glanzlichter auf die Region Baden.