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Robert Parker Tesdorpf

Stag's Leap Wine Cellars

Über die Vorzüge der Fortbewegung per Fahrrad ist viel geschrieben und viel diskutiert worden, in erster Linie ist es gesund und umweltfreundlich. Dass eine Fahrradtour aber auch ein ganzes Leben verändern kann, das ist doch eher selten und steht nirgendwo geschrieben, mit einer Ausnahme:Als Nicki Pruss, heute die Chef-Önologin der Stag‘s Leap Winery, eine Radtour durch Frankreich und Deutschland machte, entfl ammte ihre Liebe zum Wein und sie änderte ihr Leben radikal. Sie steht heute für großartige und ganz außergewöhnliche Weine, die zu den besten Gewächsen des Napa Valley zählen. Zudem liegt die Winery in einem der besten, begnadetsten Terroirs des Tals, das der Winery auch den Namen verliehen hat: Stag‘s Leap District. Bereits kurz nach der Gründung des Weinguts durch Warren Winiarski im Jahr 1970 haben die Weine von Stag‘s Leap schon einmal Weingeschichte geschrieben und für Furore gesorgt. 1976 fand in Paris eine große Verkostung statt, die später unter dem Titel »The Judgment of Paris« zu einem legendären Ruf kam. In dieser Verkostung blamierte die Stag‘s Leap Winery die versammelte Weinelite Frankreichs mit dem Platz 1 eines 1973er Cabernets. Aufgepasst, dies war erst der dritte(!) Jahrgang überhaupt des Winery-Gründers Warren Winiarski. Eine Flasche dieses 73er hat aus diesem Grund einen Platz im Smithsonian Museum of American History gefunden. 

Übrigens fand 1978 exakt diese Probe mit einer anderen Jury in San Francisco nochmals statt, und – das Ergebnis war das Gleiche! Euphorisiert schrieb der Decanter, dies habe die Stag‘s Leap Winery als einen »Global Superstar« etabliert. So ranken sich um diese einzigartige Winery viele Geschichten, etwa auch die, dass Winiarski zum Wein durch ein Studium der Schriften von Macchiavelli in Italien gekommen ist. Heute erlebt er seinen verdienten Ruhestand, obwohl er natürlich vom Wein nicht lassen kann. Beteiligt an der Winery sind dafür das renommierte Château Ste. Michelle aus Washington und kein geringerer als Marchese Antinori. Und die Weine von Nicki Pruss dürften auch weiterhin so einiges aus der Welt der großen Rotweine auf die Plätze verweisen, ganz speziell ohnehin, wenn es um den furiosen Jahrgang 2012 geht.