Renaissance eines Klassikers
Château Lascombes gehört seit 1855 zur Elite des Bordelais. Als Deuxième Grand Cru Classé ist das Gut aus Margaux weltbekannt – für Weine, die Fülle und Eleganz miteinander verbinden. Nach einer wechselvollen Geschichte beginnt nun eine neue Ära. Mit dem Einstieg von Lawrence Wine Estates aus dem Napa Valley und der Ernennung von Axel Heinz zum CEO im Jahr 2022 richtet sich der Blick entschlossen nach vorn. Ziel ist es, die historische Strahlkraft des Gutes wiederaufleben zu lassen und Château Lascombes dauerhaft unter die führenden Namen von Margaux zurückzuführen.
Axel Heinz – Visionär zwischen Bordeaux und Toskana
Kaum ein Winemaker genießt in Europa so viel Ansehen wie Axel Heinz. Über fast zwei Jahrzehnte prägte er den Stil von Ornellaia und Masseto in der Toskana, bevor er nach Bordeaux zurückkehrte. Seine Handschrift ist geprägt von Präzision, Geduld und einem kompromisslosen Qualitätsverständnis. Für Château Lascombes bedeutet seine Ernennung einen klaren Kurswechsel: mehr Cabernet Sauvignon, mehr Fokus auf die besten Parzellen, weniger Kompromisse. Heinz möchte den Grand Vin konsequent auf die historischen Kernlagen konzentrieren, die bereits 1855 den Grundstein für den Rang als Deuxième Cru legten.
Geschichte mit Gewicht
Die Wurzeln von Château Lascombes reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die Familie Durfort de Duras in Margaux erste Reben pflanzte. Im 17. Jahrhundert brachte der Ritter Antoine de Lascombes seinen Namen in die Geschichte des Weinguts ein. Seit der Klassifikation von 1855 behauptet sich das Château als Deuxième Grand Cru Classé und zählte zeitweise zu den direkten Herausforderern von Château Margaux. Verschiedene Besitzer, darunter Alexis Lichine in den 1950er-Jahren und später internationale Investoren, prägten das Gut. Heute, unter der Leitung von Axel Heinz, schlägt Lascombes ein neues Kapitel auf – getragen von Vision, Substanz und einer klaren Rückbesinnung auf Terroir und Herkunft.
Terroir – das Mosaik von Margaux
Lascombes besitzt eine außergewöhnliche Vielfalt an Böden. Auf kiesreichen Hügeln gedeiht Cabernet Sauvignon mit Finesse und Tiefe, während kalkhaltige Lehmböden dem Merlot Saftigkeit und Frucht verleihen. Petit Verdot bringt Würze und Struktur ins Spiel. Diese geologische Mischung ist typisch für Margaux und verleiht den Weinen ein komplexes Aromenspektrum, das von dunklen Früchten über feine Kräuternoten bis zu mineralischer Frische reicht. Das Klima wird vom nahen Atlantik und der Gironde geprägt: milde Winter, warme Sommer und eine ständige Brise, die Gesundheit und Balance in den Weinbergen fördert.
Stilwandel unter Axel Heinz
In der Vergangenheit war der hohe Merlot-Anteil ein Markenzeichen von Château Lascombes – eine Besonderheit in Margaux, wo sonst Cabernet Sauvignon dominiert. Mit der Neuorientierung unter Axel Heinz verschiebt sich die Balance: Cabernet gewinnt an Gewicht, die Assemblagen werden straffer, strukturierter und klassischer. Damit kehrt das Château stilistisch zu seinen Wurzeln zurück. Die Vinifikation folgt einem klaren Leitbild: präzise Arbeit im Weinberg, parzellenweise Selektion, sanfte Gärung im Schwerkraftkeller, Ausbau in französischen Barriques mit maßvollem Neuholzanteil. Das Ergebnis sind Weine, die ihre Herkunft deutlicher denn je widerspiegeln – tiefgründig, elegant und langlebig.
Die Weine von Château Lascombes
Der Grand Vin verkörpert die Essenz von Margaux. In der Jugend zeigt er Aromen von schwarzen Kirschen, Cassis, Mokka und Zedernholz, am Gaumen präsentiert er sich vollmundig und geschmeidig, getragen von reifen Tanninen und einem langen, würzigen Abgang. Mit zunehmendem Cabernet-Anteil entwickelt er mehr Frische, Grafitnoten und klassische Spannung, die ein enormes Reifepotenzial eröffnen. Der Chevalier de Lascombes, der Zweitwein des Hauses, ist zugänglicher und besticht durch seidige Textur und charmante Frucht. Da im klassischen Grand Vin der Cabernet mehr an Gewicht gewinnt, machte Axel aus der Not eine Tugend und entschied, dem Médoc einen großen Merlot zu schenken. Seine Erfahrung damit stammt vom Masseto, er versteht sich also besser jeder andere auf die Sorte. Seit 2022 ergänzt also ein reinsortiger Merlot namens La Côte das Portfolio – ein Wein von blauen Tonböden, der in seiner Tiefe und Reinheit tatsächlich an den legendären Masseto erinnert.
Kritiker, Lagerfähigkeit und Investmentwert
Château Lascombes hat in den letzten Jahrzehnten regelmäßig hohe Bewertungen erhalten. Jahrgänge wie 2005, 2010 oder 2015 gehören zu den gesuchten Klassikern, und die jüngsten Jahrgänge lassen die neue Handschrift bereits erkennen. Mit einem Reifepotenzial von 15 bis 30 Jahren sind die Weine nicht nur Genussmittel, sondern auch ein sicheres Investment. Unter Sammlern genießt das Château steigende Aufmerksamkeit – nicht zuletzt wegen der klaren Qualitätsstrategie, die Axel Heinz verfolgt.
Château Lascombes - Margaux im Aufbruch
Château Lascombes verbindet die Eleganz der Appellation Margaux mit einer neuen stilistischen Klarheit. Die Weine sind kraftvoll und zugleich raffiniert, modern in der Präzision, aber tief verwurzelt in der Tradition. Mit Axel Heinz an der Spitze bricht das Gut zu einer neuen Blüte auf – mit dem erklärten Ziel, wieder an der Spitze der Deuxième Crus zu stehen. Wer eine Flasche Lascombes öffnet, erlebt nicht nur großen Bordeaux, sondern den Aufbruch eines Klassikers in eine vielversprechende Zukunft.



