Clos de Tart

Die kleine Gemeinde Morey-Saint-Denis mag vielleicht weniger berühmt sein als seine Nachbargemeinden Chambolle-Musigny oder Gevrey-Chambertin, beherbergt aber in seinen Grenzen den vielleicht größten Schatz des gesamten Burgund – den kleinen Weinberg »Clos de Tart« mit seinem gleichnamigen Weingut. Für all jene, die sich in Burgund auskennen, ist dieser Weinberg Kult und Legende zugleich, viele werden den Namen aber kaum kennen, zu wenig Flaschen gibt es von dieser burgundischen Ikone, und um die reißen sich förmlich Liebhaber und Sammler. 

Der »Clos de Tart« ist auch ein Weinberg der Superlativen. Auf den gerade einmal 7,5, Hektar befinden sich historisch betrachtet die ältesten Parzellen des Burgund und auch das Weingut ist wohl das älteste urkundlich bekannte der Region. Die Geschichte beginnt 1141, als die Zisterzienserabtei Notre-Dame de Tart den Weinberg erwarb und Betriebsgebäude errichtete, aus denen später das Weingut hervorging.  Durch verschiedene Besitzveränderungen dauerte es bis 1240, dass der Weinberg mit einem Mäuerchen umfriedet wurde und seinen heutigen Namen bekam, sowie seine bis heute kaum veränderte Größe von 7,53 Hektar erhielt.

Der »Clos de Tart« wurde über die Jahrhunderte hinweg als der beste Wein von Morey gehandelt und 1855 von Jules Lavalle als »Tête de Cuvée« der Gemeinde Morey betitelt. Im Vergleich zu anderen Grand Cru des Burgund wurde der Clos de Tart auch historisch für sein Zusammenspiel von Finesse, Eleganz, samtiger Textur und großer aromatischer Komplexität gerühmt.

Anders als andere Weinberge war der Clos de Tart immer ein reiner Pinot-Weinberg, und da beginnen weitere Superlativen. Um gegen die in Burgund immer vorhandene Gefahr der Bodenerosion anzugehen wurden hier die Zeilen quer zum Hang gepflanzt und sagenhafte 10.000 Rebstöcke, die ältesten bis zu 100 Jahre alt, stehen auf einem Hektar. 

Zudem weist dieser einzigartige Weinberg, gelegen zwischen den auch berühmten Lagen Clos des Lambrays und Bonnes-Mares, eine geradezu perfekte Topografie für große Weine auf. Die Sonne wandert quasi über die in süd-südöstlicher Ausrichtung gelegenen Parzellen, das sorgt für eine perfekte Reife. Gleichzeitig ist das Mikroklima insgesamt aber kühl, die Reben sind auf der anderen Seite aber vor Frost geschützt. Dieses Zusammenspiel zwischen Sonne und Kühle sorgt für den immensen Reichtum an Finesse und Komplexität. 

Mit der Übernahme des Weinbergs durch die Familie Mommessin in den 1930er Jahren wurde die Klasse des Weinbergs nach und nach wieder deutlicher. Es ist vor allem dem langjährigen Gutsverwalter und Weinmacher Sylvain Pitiot zu verdanken, dass er mit ökologischem Anbau und strikten Qualitätsverbesserungen noch eine zusätzliche Dimension im Wein hat reifen lassen: die gebändigte Kraft. 2014 war Pitiots letzter Jahrgang, bevor er den Staffelstab an Jacques Devauges weitergab – und der legt jetzt mit dem Jahrgang 2016 den vielleicht besten Clos de Tart aller Zeiten vor, ein Wein, der beste Anlagen mitbringt um in die Geschichtsbücher des Burgund Einzug zu halten.