Es ist kalt und nieselt an der Saar, als ich zum Termin um 10 morgens an einem Donnerstag im Oktober beim Weingut von Hövel ankomme. Das Gutshaus, eine Alte Abtei des Klosters St. Maxin, beeindruckt durch seine Normalität: Im Hof stehen hier und da vereinzelt Kisten zum Ernten von Trauben, von außen lässt jedoch nichts darauf schließen, dass es sich um eines der Spitzen-Weingüter der Region handelt – Understatement ist manchmal ganz schön. Ich gehe hinein und werde herzlich von Frau Bösche begrüßt, die mich zum Verkostungsraum im Wintergarten führt. Hier wartet Herr von Kunow (Inhaber und Winzer), Herr Wolfgang Mertes (Winemaker, früher Reh Kendermann und Reichsgraf von Kesselstatt). Zudem ist noch ein weiterer Gast anwesend, ein angehender Master of Wine, der extra aus London angereist ist, um die Weine zu probieren und das Weingut kennenzulernen.
Es geht los mit einer Überraschung (mehrere folgen), einem Weißburgunder. Ich habe schon einmal Weißburgunder von der Mosel probiert, aber bisher noch keinen von der Saar. Er strahlt mineralisch, frisch und lebendig und erinnert mehr an einen Petit Chablis als an die leicht und fruchtigen Weine, die normalerweise aus dieser Rebsorte in Deutschland produziert werden.
Weiter geht es mit den Rieslingen. Im Ortswein-Bereich sticht vor allem der 2020er Kabinet »S« wunderbar hervor. Das »S« steht für Silberberg – eine Einzellage, die eigentlich als Große Lage bezeichnet werden müsste. Nur der VDP sieht das leider nicht so, was aus Kundensicht in Hinblick auf das Preis-Genuss-Verhältnis ein Riesenvorteil ist. In der Nase intensiv, ein fruchtiges Bouquet von reifen, saftigen Quitte mit einem Hauch Fumé, am Gaumen hat der Wein eine klare Frische und einen klaren Nerv, als hatte jemand das klarste Bergwasser mit einigen wenigen Tropfen Quittensaft versetzt.
Als Nächstes kommt die Lage Hütte, auch als Kabinett, 2018. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass diese Art Kabinett von von Hövel überhaupt nicht süß schmeckt. Es mag vielleicht irreführend klingen, da der Wein über 30 Gramm Restzucker hat, aber mit fast 10 Gramm Säure und einer derart krassen Mineralität schmeckt er am Gaumen (fast) trocken. Es gibt auf jeden Fall sämtliche Grauburgunder auf dem Markt, die deutlich süßer schmecken, auch wenn diese analytisch weniger Restzucker haben. Wer also einen leichten, erfrischenden Genuss sucht, ist hier genau richtig. Dieser Wein riecht sehr kräuterig und würzig – nach Salbei, Melisse und sogar einem Hauch Ingwer. Im Mund präsentiert er sich wieder erstaunlich frisch und klar mit etwas mehr Fülle als der davor – typisch für die Lage und den Jahrgang.
Es folgt die berühmte Lage Scharzhofberg, Kabinett, 2019. »Rate mal wie viel Restzucker der Wein hat«, kommt die Frage. Er ist fruchtbetonter als der »Hütte«, schmeckt aber trockener. Dennoch schätze ich ihn als gleich ein wie seinen Vorgänger. Und? 48 Gramm bei 10 Gramm Säure, aber auch der schmeckt fast trocken und erinnert an ein Sauvignon Blanc mit Aromen von Grapefruit, Brombeere und Blutorange. Unglaublich, wie dieses Terroir so verblüffende Weine hervorbringen kann.
Bei von Hövel gibt es nicht nur Weine mit Restsüße, auch trockene Große Gewächse sind auf dem Verkostungstisch. Hütte zeigt wieder viele Kräuter, vor allem Jasmin gepaart mit Quitte und reifen Äpfeln. Er ist präzise mit vibrierender Mineralität. Hörecker, starkes Fumé, Salbei und Apfel. Am Gaumen voll und reichhaltig mit einem eisenhaltigen Abgang.
Insgesamt eine beeindruckende Probe, bei der die Weine ein Maximum an salziger Mineralität gepaart mit einer wundervollen Fruchtsüße zeigen. Im Weinberg wird nach den Richtlinien von »FAIR'N GREEN« gearbeitet, um sehr gesunde Trauben von höchster Qualität zu erzeugen. Die Weine werden alle spontan vergoren mit 100 Prozent natürlichen Hefen. Sonst liegt die Kunst der Weine im kontrollierten Nichtstun, das muss man auch können.
(Tom Andrew)
Es geht los mit einer Überraschung (mehrere folgen), einem Weißburgunder. Ich habe schon einmal Weißburgunder von der Mosel probiert, aber bisher noch keinen von der Saar. Er strahlt mineralisch, frisch und lebendig und erinnert mehr an einen Petit Chablis als an die leicht und fruchtigen Weine, die normalerweise aus dieser Rebsorte in Deutschland produziert werden.
Weiter geht es mit den Rieslingen. Im Ortswein-Bereich sticht vor allem der 2020er Kabinet »S« wunderbar hervor. Das »S« steht für Silberberg – eine Einzellage, die eigentlich als Große Lage bezeichnet werden müsste. Nur der VDP sieht das leider nicht so, was aus Kundensicht in Hinblick auf das Preis-Genuss-Verhältnis ein Riesenvorteil ist. In der Nase intensiv, ein fruchtiges Bouquet von reifen, saftigen Quitte mit einem Hauch Fumé, am Gaumen hat der Wein eine klare Frische und einen klaren Nerv, als hatte jemand das klarste Bergwasser mit einigen wenigen Tropfen Quittensaft versetzt.
Als Nächstes kommt die Lage Hütte, auch als Kabinett, 2018. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass diese Art Kabinett von von Hövel überhaupt nicht süß schmeckt. Es mag vielleicht irreführend klingen, da der Wein über 30 Gramm Restzucker hat, aber mit fast 10 Gramm Säure und einer derart krassen Mineralität schmeckt er am Gaumen (fast) trocken. Es gibt auf jeden Fall sämtliche Grauburgunder auf dem Markt, die deutlich süßer schmecken, auch wenn diese analytisch weniger Restzucker haben. Wer also einen leichten, erfrischenden Genuss sucht, ist hier genau richtig. Dieser Wein riecht sehr kräuterig und würzig – nach Salbei, Melisse und sogar einem Hauch Ingwer. Im Mund präsentiert er sich wieder erstaunlich frisch und klar mit etwas mehr Fülle als der davor – typisch für die Lage und den Jahrgang.
Es folgt die berühmte Lage Scharzhofberg, Kabinett, 2019. »Rate mal wie viel Restzucker der Wein hat«, kommt die Frage. Er ist fruchtbetonter als der »Hütte«, schmeckt aber trockener. Dennoch schätze ich ihn als gleich ein wie seinen Vorgänger. Und? 48 Gramm bei 10 Gramm Säure, aber auch der schmeckt fast trocken und erinnert an ein Sauvignon Blanc mit Aromen von Grapefruit, Brombeere und Blutorange. Unglaublich, wie dieses Terroir so verblüffende Weine hervorbringen kann.
Bei von Hövel gibt es nicht nur Weine mit Restsüße, auch trockene Große Gewächse sind auf dem Verkostungstisch. Hütte zeigt wieder viele Kräuter, vor allem Jasmin gepaart mit Quitte und reifen Äpfeln. Er ist präzise mit vibrierender Mineralität. Hörecker, starkes Fumé, Salbei und Apfel. Am Gaumen voll und reichhaltig mit einem eisenhaltigen Abgang.
Insgesamt eine beeindruckende Probe, bei der die Weine ein Maximum an salziger Mineralität gepaart mit einer wundervollen Fruchtsüße zeigen. Im Weinberg wird nach den Richtlinien von »FAIR'N GREEN« gearbeitet, um sehr gesunde Trauben von höchster Qualität zu erzeugen. Die Weine werden alle spontan vergoren mit 100 Prozent natürlichen Hefen. Sonst liegt die Kunst der Weine im kontrollierten Nichtstun, das muss man auch können.
(Tom Andrew)



