Domaine Raymond Usseglio & Fils: Eine Geschichte über drei Generationen
Die Geschichte der Domaine Raymond Usseglio beginnt nicht an der Rhône, sondern im italienischen Piemont. In den 1930er-Jahren machte sich Francis Usseglio auf den Weg nach Süden und ließ sich 1931 in Châteauneuf-du-Pape nieder – angezogen von der Kraft dieser Landschaft und ihren außergewöhnlichen Böden. Aus dem mutigen Neuanfang entstand das Fundament eines Familienweinguts, das heute zu den profiliertesten Adressen der Appellation zählt.
1963 gründete sein Sohn Raymond gemeinsam mit seiner Frau Danielle das Weingut unter eigenem Namen. Er prägte eine Haltung, die bis heute gilt: Respekt vor dem Boden, konsequente Handarbeit und die Überzeugung, dass große Weine im Weinberg entstehen.
Seit 1999 führt Stéphane Usseglio die Domaine in dritter Generation. Unter seiner Leitung erfolgte ein behutsamer, aber klarer Schritt nach vorn: Die rund 24 Hektar Rebfläche werden heute vollständig biologisch und biodynamisch bewirtschaftet. Für Stéphane ist das kein Dogma, sondern Konsequenz – der Weinberg als lebendiges Ganzes, das gepflegt und verstanden werden will.
Das Terroir: Ein Mosaik aus Kies, Sand und Kalk
Was die Weine der Domaine Raymond Usseglio so vielschichtig macht, ist die bemerkenswerte Vielfalt ihrer Böden. Die Rebflächen verteilen sich über verschiedene Parzellen innerhalb der Appellation Châteauneuf-du-Pape sowie in den benachbarten Appellationen Côtes du Rhône, Lirac und IGP. Jede Parzelle erzählt ihre eigene geologische Geschichte.
Da sind die berühmten galets roulés – jene großen, runden Kieselsteine, die tagsüber die Sonnenwärme speichern und nachts an die Reben abgeben. Daneben finden sich sandige Böden, die den Weinen Finesse und Eleganz verleihen, sowie Ton- und Kalkformationen, die für Struktur und mineralische Tiefe sorgen. Dieses Bodenmosaik ist ein Geschenk der Natur, das Stéphane Usseglio mit großer Sorgfalt zu nutzen weiß.
Ein besonderer Schatz sind die alten Reben: Viele Stöcke sind über 50 Jahre alt, einige deutlich älter. Sie liefern geringe Erträge, dafür Trauben von bemerkenswerter Konzentration und innerer Spannung. Hier liegt das stille Kapital der Domaine.
Rebsorten: Grenache als Herzstück
Bei den Rotweinen, dem unbestrittenen Hauptfokus des Weinguts, dominiert die Grenache-Traube mit einem Anteil von oft 70 bis 95 Prozent. Sie wird ergänzt durch Mourvèdre, Syrah, Cinsault und Counoise – ein klassisches Ensemble, wie es für Châteauneuf-du-Pape typisch ist. Grenache liefert die opulente Frucht, die Wärme und die seidige Textur; die Begleitsorten tragen Struktur, Würze und Frische bei.
Die Weißweine, zwar in kleinerer Menge erzeugt, verdienen ebenso Aufmerksamkeit. Grenache Blanc, Roussanne, Clairette und Bourboulenc bilden hier das aromatische Fundament – von Blütenduft und weißem Pfirsich bis hin zu feinen Honignoten und mineralischer Frische.
Die Weine: Von klassisch bis außergewöhnlich
Das Portfolio der Domaine Raymond Usseglio gliedert sich in mehrere Cuvées, die jeweils eine eigene Facette des Terroirs beleuchten.
Der Châteauneuf-du-Pape Rouge ist das Fundament des Hauses. Rund 75 Prozent Grenache, ergänzt durch Mourvèdre und Syrah, ergeben einen fruchtbetonten, würzigen Wein mit griffiger Struktur. Zugänglich in der Jugend, zuverlässig mit Reifepotenzial.
Die Cuvée Impériale stammt aus den besten Grenache-Parzellen mit sehr alten Reben. Sie steht für Dichte, Tiefe und Länge – ein Aushängeschild der Domaine.
La Part des Anges setzt bewusst auf Mourvèdre als dominierende Rebsorte. Der Stil ist präziser, kühler und strukturierter, mit großer Eleganz und Spannung. Eine der feinsten Interpretationen der Appellation.
Die Cuvée Girard verbindet Altreben-Grenache mit Mourvèdre und Syrah. Biodynamisch erzeugt, klar fokussiert und von bemerkenswerter Balance.
Bei den Weißweinen überzeugt der Châteauneuf-du-Pape Blanc als klassischer Blend. Die Pure Roussanne, aus 100 Prozent alter Roussanne und teils im Holz ausgebaut, ist eine rare Reserve mit Tiefe und Reifepotenzial.
Anerkennung und Einordnung
Die Weine der Domaine Raymond Usseglio genießen internationale Anerkennung. Führende Weinpublikationen vergeben regelmäßig Bewertungen zwischen 95 und 99 Punkten, insbesondere für die Cuvée Impériale und La Part des Anges. Auch bei Weinliebhabern auf Plattformen wie Vivino schneiden die Weine mit durchschnittlich 4,1 von 5 Sternen ausgezeichnet ab – verbunden mit einem bemerkenswert guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Im regionalen Vergleich wird die Domaine als raffinierte, terroirbetonte Adresse wahrgenommen, die sich von vielen traditionellen Top-Crus durch eine etwas zugänglichere und frischere Stilistik abhebt. Wer Châteauneuf-du-Pape nicht nur als kraftvollen Blockbuster, sondern als feinsinnigen Ausdruck südlicher Eleganz erleben möchte, findet hier eine der spannendsten Adressen der Appellation.
Am Tisch und im Keller
Die Weine der Domaine sind bereits in ihrer Jugend zugänglich, entfalten aber ihre volle Komplexität oft erst nach drei bis zehn oder mehr Jahren Flaschenreife. Die großen Cuvées besitzen ein beeindruckendes Lagerpotenzial.
Zu Tisch begleiten die Rotweine ideal geschmortes Lamm, kräftiges Rindfleisch, Wild, Krustenbraten, herzhafte Eintöpfe und gereifte Käse. Die Weißweine harmonieren wunderbar mit Meeresfrüchten, feinem Geflügel und cremigen Saucen.
Ein Weingut mit Seele
Die Domaine Raymond Usseglio & Fils steht für die gelungene Verbindung von Familientradition, biodynamischer Überzeugung und zeitgemäßer Stilistik. In einer Appellation, die bisweilen zu Opulenz und Schwere neigt, haben die Usseglios ihren eigenen Weg gefunden: Weine von Eleganz und Ausdruck, die das Terroir in den Mittelpunkt stellen und dabei stets zugänglich und einladend bleiben. Wer diese Weine entdeckt, entdeckt ein Stück lebendiger Weingeschichte an der südlichen Rhône – und ein Familienweingut, das mit jedem Jahrgang aufs Neue beweist, dass Größe und Bescheidenheit sich nicht ausschließen.



