Domaine Isabel Ferrando - Châteauneuf-du-Pape neu definiert
Ein Wein von Isabel Ferrando ist ein Erlebnis. Inmitten der sonnenverbrannten Galets roulés von Châteauneuf-du-Pape hat Isabel in kaum zwei Jahrzehnten etwas geschaffen, das vielen Traditionsweingütern in Generationen nicht gelingt: einen unverwechselbaren Stil, der die Kraft des Südens mit der Finesse Burgunds verbindet.
Von der Bankerin zur Spitzenwinzerin
Die Geschichte der Region kennt man. Papst Johannes XXII wählte das Schloss Châteauneuf als Sommerresidenz und etablierte den Weinbau, indem er Winzer aus Cahors an die Rhône brachte. Die Geschichte von Isabel Ferrando hingegen erzählen ihre Weine.
Eigentlich stammt Isabel Ferrando aus der Provence. Doch zunächst zog es sie in die Welt hinaus, um als Executive in einer Bank Big Business zu machen. Mit der Geburt ihrer Tochter 1997 spürte sie die Sehnsucht nach ihren Wurzeln. Die Natur war die stärkere Währung.
So studierte sie Weinbau in Carpentras und suchte über zwei Jahre nach einem Weinort für ihre Familie. Für ihre neue Leidenschaft entschied sie sich schließlich für Châteauneuf-du-Pape. Zu ihrem Mentor wurde Henri Bonneau – eine der größten Ikonen der Appellation –, der ihr das Terroir der Côtes du Rhône wirklich erlebbar und spürbar machte. 2003 übernahm sie die Domaine Saint-Préfert, die sie 2020 in Famille Isabel Ferrando umbenannte. In enger Zusammenarbeit mit dem renommierten Berater Philippe Cambie formte sie ihre Vision: Weine mit Seele, Tiefe und einer Langlebigkeit, die ihresgleichen sucht.
Als ehemalige Bankerin brachte sie eine analytische Präzision mit, die sich heute in jedem ihrer Weine widerspiegelt. Die bekennende Burgundliebhaberin – die Weinmuse küsste sie einst mit dem Meursault von Coche-Dury – setzte schon bald auf eine Einzellagen-Philosophie. So entstanden mit der Zeit Colombis, F601 und die Cuvée Spéciale Vieilles Clairettes.
Zurück zur Natur, dem Terroir auf der Spur
Isabel Ferrando arbeitet biodynamisch – Nachhaltigkeit ist bei ihr keine Floskel. Mit ihrer Domaine hat sie ein Ökosystem geschaffen, bei dem auch die Gebäude autark sind. Eine Würdigung ihrer Heimat findet sich in Form von provençalischer Botanik rund um das Weingut. Biologisch und biodynamisch bewirtschaftet, stehen die Weinberge mit ihren teils uralten Rebstöcken auf den charakteristischen Böden der Appellation: Galets roulés, Kies, Sand und blauer Ton. Jede Parzelle erzählt ihre eigene Geschichte – und Ferrando versteht es meisterhaft, diese Geschichten in die Flasche zu bringen.
Wer eine Flasche Ferrando öffnet, spürt sofort: Diese Weine sind für die Ewigkeit gemacht. Die Tanninstruktur ist dabei besonders bemerkenswert – kein anderer Wein der Region erinnert in seiner jugendlichen Phase so sehr an einen jungen Barolo. Es ist diese seltene Verbindung aus südfranzösischer Opulenz und einer fast piemontesischen Tanninstruktur, die die Weine so einzigartig macht. Sie brauchen Zeit, belohnen aber Geduld mit einer Komplexität, die geradezu süchtig macht.
Die Weine im Überblick
- Châteauneuf-du-Pape Rouge: Der Flagship-Blend aus Grenache, Mourvèdre, Syrah und Cinsault ist die Visitenkarte der Herkunft. Jede Rebsorte hat ihren Platz und bringt ihre Stärke hervor – das zeigt sich in der Spannung, dem Zug, der Länge, Finesse und Delikatheit. Im Ausbau ist Ferrando unkonventionell und nutzt Amphoren, Fuderfässer und Glasballons. Aus dem Glas singen malerisch-mediterrane Aromen von Feige, Thymian und Waldbeeren, mit würzigem Wacholder und Pfeffer. Die Intensität beeindruckt durch Leichtigkeit – am Gaumen wird die Frucht heller und saftiger. Seidige Tannine, lebendige Säure und eine beeindruckende Länge machen ihn zum Referenzwein des Hauses. Bewertungen liegen regelmäßig über 95 Punkten.
- Colombis: Reinsortiger Grenache von alten Reben, limitiert auf rund 500 bis 600 Kisten pro Jahr. Himbeere, Quitte und florale Nuancen entfalten sich über einer Textur von seidiger Finesse. Mit Bewertungen von 96 bis 98+ Punkten gehört Colombis zu den gefragtesten Weinen der gesamten Appellation.
- F601: Der vielleicht außergewöhnlichste Wein des Portfolios: 100 % Cinsault von Reben aus dem Jahr 1928. Kirsche, Veilchen und ein Hauch Rauch verbinden sich zu einem Wein von puristischer Schönheit, der mit Bewertungen bis 99+ und 100 Punkten Maßstäbe setzt.
- Châteauneuf-du-Pape Blanc: Ein Blend aus Clairette und Roussanne, der mit Akazienblüten, Birne und salziger Mineralität überzeugt. Frisch, balanciert und ein Beweis dafür, dass Ferrando auch in Weiß zur Spitze gehört.
- Cuvée Spéciale Vieilles Clairettes: Außergewöhnlich für die AOP und eine wahre Rarität – nicht nur, weil die Rebstöcke aus dem Jahr 1940 stammen, sondern auch, weil jeder Jahrgang nur rund 800 Flaschen hergibt. Einer der Weingärten ist noch als gemischter Satz angelegt: Zwischen Grenache-Reben werden zur Ernte die Clairette-blanche-Trauben herausgelesen und separat vergoren. Schon der Duft betört intensiv mit kandierter Zitrone, Blutorange und Ingwer. Am Gaumen zeigt sich Druck bei zugleich schlanker Eleganz – reife Ananas und Melone, erfrischendes Zitronengras, zarte Cremigkeit und feines Tanningerüst. Jeb Dunnuck, der wohl ortskundigste Kritiker, notierte treffend: Der Wein erinnere mehr als nur flüchtig an einen weißen Grand Cru aus dem Burgund.
- Beatus Ille: Der Côtes du Rhône des Hauses bietet rote Früchte und frische Kräuter als zugänglichen Einstieg in die Welt Ferrandos. Der Name stammt aus dem zweiten Gedicht des lateinischen Dichters Horaz: „Beatus ille, qui procul negotiis“ – Glücklich ist jener, der fern von Geschäften ist. Wir möchten ergänzen: Glücklich ist, wer diesen Wein trinkt!
Internationale Anerkennung
Robert Parker zählte das Weingut zu seinen persönlichen Favoriten und würdigte die Leistung Ferrandos mit den Worten, sie verdiene enorme Anerkennung für die Steigerung der Qualität und des Images des Weinguts – sie verkörpere in vielerlei Hinsicht die Weine, die sie produziert. Kritiker wie Jeb Dunnuck und der Wine Advocate vergeben regelmäßig Bewertungen zwischen 95 und 100 Punkten. Auch Wine Spectator und Antonio Galloni bestätigen: Ferrando gehört zur absoluten Elite von Châteauneuf-du-Pape.
Eine neue Generation steht bereit
Mit Tochter Guillemette Ferrando, die ihre Lehrjahre bei den spanischen Größen Álvaro Palacios und Telmo Rodríguez absolvierte, steht bereits die nächste Generation bereit. Die Zukunft der Domaine ist gesichert – und die Erwartungen könnten kaum höher sein. Kunstgeschichte hat Isabel Ferrando übrigens auch studiert. Genießen Sie ihre einzigartigen Weinkunstwerke!



