Bodega Lanzaga – Telmo Rodríguez und die Rückkehr des Terroirs
Als Telmo Rodríguez 1998 die Bodega Lanzaga gründete, stellte er die damalige Logik der Rioja bewusst infrage. Statt Crianza, Reserva und Gran Reserva rückte er den Ort, sein Terroir und seine Lagen ins Zentrum seiner Arbeit. Bodega Lanzaga sollte zeigen, dass große Rioja-Weine nicht aus Klassifikationen entstehen, sondern aus Herkunft, Boden und Geschichte. Es war der Beginn einer Rückbesinnung auf das Terroir – lange bevor dieser Begriff in der Rioja zum Allgemeingut wurde.
Ein Winzer zwischen Tradition und Aufbruch
Telmo Rodríguez, in Bordeaux ausgebildet und geprägt durch Stationen bei internationalen Spitzenhäusern, zählt heute zu den prägenden Stimmen der terroirorientierten Bewegung Spaniens. Mit der Bodega Lanzaga, deren Weingut 2009 im Dorf Lanciego eröffnete, knüpfte er bewusst an historische Strukturen an. Alte Weinberge wurden revitalisiert, kleinste Parzellen gesichert und eine biodynamische Bewirtschaftung etabliert, die die Eigenständigkeit der Böden in den Fokus rückt.
Gemeinsam mit lokalen Winzerinnen und Winzern arbeitet Rodríguez daran, autochthone Rebsorten und historische Anbaumethoden in die Gegenwart zu überführen. Lanzaga versteht sich dabei nicht nur als Weingut, sondern auch als kollektives Projekt zur Bewahrung und Neuinterpretation der Rioja Alavesa.
Rioja Alavesa: Terroir zwischen Atlantik und Kalkstein
Die Weinberge der Bodega Lanzaga liegen in der Rioja Alavesa, dem nördlichsten und zugleich höchstgelegenen Teil der Rioja. Auf 500 bis 700 Metern Höhe prägen kalk- und lehmhaltige, oft steinige Böden sowie ein deutlich atlantisch beeinflusstes Klima den Stil der Weine. Geringe Niederschläge und kühle Nächte sorgen für eine langsame Reife und ausgeprägte Frische.
Hier bringt vor allem Tempranillo – ergänzt durch Graciano und Garnacha – Weine hervor, die von Spannung, Präzision und mineralischer Tiefe leben. Alte Steinmauern, begleitende Bepflanzung und Begrünung und der bewusste Erhalt der Biodiversität prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die Philosophie des Hauses.
Die Weine: Vom klassischen LZ bis zur Ikone Las Beatas
Das Portfolio der Bodega Lanzaga folgt konsequent dem Gedanken des Ortes. Der LZ, komplett in Zement ausgebaut, ist eine bewusste Reminiszenz an den Rioja-Stil der 1920er-Jahre. Saftige Kirschfrucht, Anklänge von Teeblatt und eine lebendige Frische verbinden sich zu einem Wein von entwaffnender Klarheit und großer Trinkfreude.
Der Corriente, trotz seines Namens („gewöhnlich") sehr charakterstark, zeigt sich würzig und substanzreich. Er ist der zugängliche Ausdruck des Lanzaga-Stils: saftig, strukturiert und mit spürbarer Tiefe – ein Wein, der Alltag und Anspruch mühelos verbindet.
Der namensgebende Lanzaga bildet das Herzstück des Guts. Aus ausgewählten Parzellen rund um Lanciego vinifiziert, spontan vergoren und in Zement, großen Fässern sowie Foudres ausgebaut, vereint er dunkle Beerenfrucht mit floralen Noten, Kräutern und einer feinkörnigen, tragenden Struktur. Kritiker wie Robert Parker und Neal Martin bestätigen regelmäßig das Niveau dieses Weins, der sich mit den Klassikern der Region messen kann – jedoch mit deutlich stärkerem Fokus auf Herkunft und Präzision.
Einzellagen von internationalem Rang
An der Spitze des Portfolios stehen die Einzellagen-Crus El Velado, La Estrada, Tabuérniga und allen voran Las Beatas. Diese legendäre Parzelle gilt heute als eine der größten Lagen der Rioja. Der Jahrgang 2021 wurde mit 100 Punkten von Robert Parker ausgezeichnet und vereint Konzentration mit bemerkenswerter Spannung. Kein massiver Rioja, sondern ein tiefgründiger, straffer Wein mit großer innerer Energie.
Stil und Philosophie: Vertrauen in den Boden
Was die Weine von Lanzaga klar von vielen konventionellen Riojas unterscheidet, ist der konsequente Verzicht auf vordergründige Holzprägung. Statt Vanille und Toast stehen Mineralität, Lokalkolorit und die alten Reben im Vordergrund. Die Vinifikation mit indigenen Hefen und der Ausbau in Zement, großen Fässern und Foudres unterstreichen diesen Ansatz.
Das Ergebnis sind Weine, die gleichermaßen zugänglich und lagerfähig sind. Sie zeigen, was Rioja sein kann, wenn man dem Boden mehr vertraut als dem Barrique.
Wer verstehen will, wie sich die Rioja vom Klassifikationswein zum Herkunftswein entwickelt, kommt an Telmo Rodríguez und der Bodega Lanzaga nicht vorbei.



